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Spielberichte 19/20

EHC - Schwenninger Wild Wings 3:0

  • Geschrieben von Martin
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Grauer Alltag in der Eisarena

Ein Mittwochspiel gegen Schwenningen, parallel zur Bundesligabegegnung gegen Schalke einige Meter entfernt. Rund 1850 treue Fans der Grizzlys hatten sich von dieser glamourösen Paarung, dem Alternativangebot und dem drohenden Verkehrschaos nicht abschrecken lassen und wollten ihrem Team auch gegen den Tabellenletzten den Rücken stärken.
Ein ausgesprochen zäher Eishockeyabend sollte sie erwarten, an dem neben drei Powerplaytoren durch die Gastgeber kaum Aufregendes oder gar Spektakuläres geboten wurde.
Schwenningen, mit frisch ausgetauschtem Trainerstab angereist, trat vom ersten Moment an wie ein klassisches Schlusslicht auf: Technisch und spielerisch limitiert setzten die Schwäne dabei auf die Karte "Kampf". Doch ohne ihren unlängst gefeuerten Top-Scorer MacQueen gelang den Gästen in der Offensive so gut wie nichts. Lediglich einmal musste Wolfsburgs Goalie die Fanghand zum "Big Save" hochschnellen lassen, ansonsten blockten seine Vorderleute in den ersten 20 Minuten alles Gefährliche weg.
Aber auch Wolfsburg riss bezüglich seiner Durchschlagskraft bei fünf gegen fünf keine Bäume aus und tat sich in Sachen Torgefahr bis zur Schlusssirene äußerst schwer. Die zunächst deutlich höheren Spielanteile nutzten den Gastgebern in dieser eher gemächlich vor sich hin plätschernden Partie kaum etwas. Erst bei numerischer Überzahl sollte sich der durchaus strukturierte Auftritt der Grizzlys lohnen: Der wiedergenesene Aubin hatte sich auf seiner Stammposition im Powerplay zurückgemeldet und hämmerte den Puck, wie gewohnt, von halblinks per Direktabnahme in die Maschen (20.).
Mit diesem versöhnlichen Abschluss ging es zum ersten Mal in die Kabinen.
Der Mittelabschnitt sollte dann zum großen Langweiler geraten und der eine oder andere dürfte sein Kommen an dieser Stelle vielleicht schon bereut haben. Wolfsburg produzierte mal wieder eines seiner gefürchteten Mitteldrittel - lasch und ohne den letzten erkennbaren Willen etwas zu bewegen eierten die Hausherren durch die zweiten zwanzig Minuten. Schwenningen zeigte zwar mehr Willen, aber bis auf einen Pfostentreffer hatten die erschreckend harmlosen Gäste nicht viel zu bieten. Ein 1a Gurkenspiel nahm seinen Lauf, in dem die einen offenbar nicht wollten und die anderen nicht konnten.
Zu behaupten, dass der Schlussabschnitt deutliche Besserung brachte, wäre wohl reichlich euphorisch. Zumindest schlug zum Auftakt das Wolfsburger Powerplay erneut zu, wobei sich Dominik Bittner den ersten Treffer seines Kollegen wohl ganz genau angeschaut hatte (42.). Wie zuvor Aubin nagelte der Wolfsburger Abwehrrecke den Puck per Direktabnahme in die Maschen - offenbar der einzige Weg, der an diesem Abend am gut aufgelegten Strahlmeier vorbeiführen sollte.
Es folgte der Versuch einer Schwenninger Aufholjagd, der aber am nun wieder etwas konzentrierteren Auftritt der Gastgeber scheiterte. Das klingt gänzlich unspektakulär...und das war es auch. Wolfsburg blockte fast alles weg, den Rest fischte Felix Brückmann aus der Luft. Kurz vor dem Ende setzten die Grizzlys mit ihrem dritten Überzahltreffer (57.) im dritten Überzahlspiel der Powerplay-Effizienz die Krone auf und machten durch Olimb alles klar. Einer schnellen Heimreise (VfL-Spiel lief noch) stand nichts im Wege.
Was die abschließenden Gesänge "Oh, wie ist das schön" betrifft, kann man sich nur mit schmerzverzerrtem Gesicht ans Hirn langen. Sicherlich als Aufmunterung für das Team gedacht, kann die Grundaussage dieses Vortrags nur im SM-Studio irgendeinen Sinn ergeben.

Teamcheck

Trainer
Mit Ausnahme des ersten Spiels gegen Augsburg gewinnen die Grizzlys unter Cortina alle Spiele gegen die Teams von Platz 10-14. Leider ist der EHC selber ständig Gast in dieser Tabellenregion, da gegen stärkere Teams einfach die Konstanz in den entscheidenden Bereichen fehlt. Der Spielplan hält nun bis zur Jahreswende eigentlich ideale Bedingungen bereit, um den Kopf des Trainers mittelfristig aus der Schlinge zu ziehen. Dazu muss das Team vor allem in den Spielen gegen Nürnberg und Köln zeigen, dass es zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt in der Saison endlich zur gewünschten Stabilität gefunden hat.
Ansonsten sollte spätestens in der zweiten Januarwoche das Unvermeidliche vollzogen werden. Zur Not muss der Aufsichtsrat einschreiten, um die Zukunft des Wolfsburger Eishockeys nicht in Gefahr zu bringen.

Tor
Felix mit einem extrem wachen Auftritt. Unterbindet schön das Anspiel von hinter seinem Tor, fischt einen abgefälschten Schuss aus der Luft und strahlt auch sonst die von früher bekannte Ruhe aus. Felix wird in dieser Saison noch ein ganz wichtiger Faktor, da bin ich mir mittlerweile sicher.

Verteidigung
Ein insgesamt dankbarer Gegner und eine (bis auf das Mitteldrittel) konzentrierte Leistung lassen alle defensiven Akteure gut aussehen. Adam mit etwas mehr Eiszeit als sonst, Jones mit einer klasse Rettungsaktion vor dem blank gespielten Schwenninger Stürmer.
Schwenningen aber, wie erwähnt, kein Gradmesser für den Leistungsstand unserer Defensivabteilung.

Sturm
Betrachtet man sich die aktuelle Reihenzusammenstellung, so bleibt im Team der Grizzlys nichts konstant, außer der Wandel. Aubin rückt für Lessio neben Johansson und Festerling, Busch macht sich neben Olimb und Machacek weiterhin überraschend gut.
Wolfsburgs Sturm zeigte weiterhin verbessertes Zusammenspiel, war dabei aber meilenweit von der Intensität des ersten Drittels gegen Berlin entfernt. Mit Lucas Lessio fehlte zudem leider auch das Highlight, das einen so tristen Eishockeyabend hätte etwas erhellen können. Übrig blieb biedere Hausmannskost, mit viel Luft nach oben. mb