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EHC - Eisbären Berlin 5:6 n.V.

Bärenparty - zweiter Teil

Wie schon vor zwei Wochen brannten die beiden Bärenbanden auf dem Eis ein wahres Feuerwerk aus Toren und wildem Hin und Her ab. Da man vor einigen Jahren den Gästefans freiwillig die akustisch besten Plätze in der Halle überlassen hatte, fiel dieses Kräftemessen auf den Rängen entsprechend aus.
Während die Gästefans also lautstark ihr Team feierten, zerlegten die Gastgeber während des ersten Spielabschnitts selbiges in seine Einzelteile. Extrem schnell, direkt und genau agierten die Grizzlys während dieser ersten zwanzig Minuten und schenkten den Eisbären immer wieder nach. Bittners frühem 1:0 aus der Distanz (6.), ließen die Hausherren zunächst einen viel umjubelten Shorthander durch Olimb (7.) folgen. Dass Berlin seinerseits einen Powerplaytreffer durch Ortega zu verzeichnen hatte (8.), störte den Gesamtverlauf des Drittels aus Grizzlysicht herzlich wenig. Die souveräne Art dieses Überzahltors hätte allerdings Warnung genug sein müssen, um eigene Strafen so selten wie möglich zu nehmen.
Das 3:1 durch Garrett Festerling (9.) rückte das Kräfteverhältnis schnell wieder zurecht, kurz vor der ersten Pause setzte der stark aufspielende Valentin Busch den Schlusspunkt (19.) unter ein furioses erstes Drittel der Grizzlys. Derart schnell und aggressiv hatte man das Wolfsburger Team in dieser Saison noch nicht bewundern dürfen. Vor allem die Arbeit vor dem gegnerischen Tor und der Spielfluss im Angriffsdrittel sorgten für reichlich Freude beim größeren Teil der mit 3350 Zuschauern ordentlich gefüllten Rängen.
Doch die gut 500 mitgereisten Eisbären sollten ihr stimmliches Durchhaltevermögen zu einem späteren Zeitpunkt von ihren Lieblingen zurückgezahlt bekommen.
Dieser Zeitpunkt rückte mit Beginn des zweiten Spielabschnitts schnell näher. Absurderweise war es eine doppelte Überzahl für Wolfsburg, die den Bruch in der Begegnung forcieren sollte. Routinier Likens hatte sich, nachdem er einen harten Check ausgeteilt hatte, nicht von Lapierre provozieren lassen und konnte sich wohl ein Lachen nicht verkneifen, als sogar zwei Eisbären wegen übertriebener Härte in die Kühlbox mussten. Was sein Team aber dann ablieferte, war an Dummheit kaum zu übertreffen. Mit der Hand in der Hose schlichen die Grizzlys in den folgenden zwei Minuten über das Eis, kassierten ihrerseits eine völlig unnötige Strafe durch Casto und brachten im Prinzip nichts Nennenswertes zustande. Der zum Mittelabschnitt frisch eingewechselte Franzreb im Tor der Gäste konnte seinen Arbeitstag also in einem absolut harmonischen Umfeld beginnen und sollte seinen Kasten bis weit ins dritte Drittel sauber halten. Kaum waren die Gäste wieder komplett, nahm die Partie einen völlig anderen Verlauf als zuvor.
Zwar gestalteten die Grizzlys die Folgeminuten noch einmal etwas engagierter, doch spätestens, als der in der DEL übliche "Strafzeitenausgleich" (29.) von den Referees vollzogen wurde, spielten nur noch die Gäste.
Casto hatte für Berühren des Gegners von hinten eine Strafe wegen "Haltens" kassiert, 50 Sekunden später kassierte Jones ein "Haken" für Berühren der gegnerischen Handschuhe von unten - im Stand wohlgemerkt. Ich empfehle hier die Betrachtung der Fernsehbilder, die zusammen mit dem Kommentar bei Castos "Vergehen" komödiantische Züge hat.
Die Grizzlys hätten diese seltsamen Entscheidungen sicherlich mit einem lachenden Kopfschütteln quittieren können, wenn...ja wenn da nicht das an diesem Tag überragende Powerplay der Gäste gewesen wäre.
Wie schon im ersten Drittel wussten die Eisbären in Überzahl komplett zu überzeugen. Gleich zweimal schlugen die Gäste in der 30.Minute zu, schafften durch Noebels und Kettemer den 4:3 Anschluss und hauchten der bis dahin einseitigen Begegnung reichlich neues Leben ein.
Beide Teams vergaben noch jeweils einmal bei eigener Überzahl die Chance auf weitere Ergebniskorrekturen, dann ging dieser wilde Spielabschnitt zu Ende. Endlich.
Im Schlussabschnitt kehrte zumindest der Wille in die Reihen der Grizzlys zurück, das Zusammenspiel sollte aber das Niveau der ersten zwanzig Minuten nicht mehr erreichen. Gleich zweimal sollte Wolfsburgs Torjäger Nr.1 dabei die Gelegenheit haben, im 1 gegen 1 den gegnerischen Torhüter endlich in der Partie zu begrüßen. Doch in beiden Fällen bügelte der stark agierende Franzreb den eigentlich fatalen Puckverlust des letzten Manns vor ihm aus. Buschs Lattenknaller (45.) sollte ebenfalls nicht die erhoffte Entspannung für die Grizzlys bringen. Anders die Gäste, die ihren nun immer heftiger werdenden Druck auf das Grizzlygehäuse mit einem erneuten Doppelschlag durch Noebels (46.) und Labrie (48.) krönten. Das Spiel war nun endgültig gekippt, bei 4:5 drohte den Gastgebern nun der komplette Punktverlust nach einer 4:1 Führung!
Doch zu Beginn der 53.Minute war das Glück den Grizzlys dann doch noch einmal wohlgesonnen: Einen Likens-Schuss hatte Kapitän Fauser unhaltbar zum 5:5 abfälschen können. Der Jubel auf den Rängen war entsprechend groß, doch blieb angesichts der Mischung aus Nachlässigkeit und Pech ein gewisser Zweifel in den Reihen der Grizzlyfans spürbar. Diese Zweifel sollten berechtigt sein. Mit letzter Kraft retteten sich die Gastgeber in die Overtime, die die Eisbären nach 41 Sekunden für sich entschieden. Da die Grizzlys wenige Minuten vor dem regulären Ende mit Lessio ihren besten Skater verletzt in die Kabine verabschieden mussten, wirkte der Auftritt bei 3 gegen 3 entsprechend hoffnungslos.


Teamcheck

Trainer
Hallo? Jemand zuhause?
Wie kann man so eine Partie mit einer Auszeit im Gepäck verlassen?
Nachdem das Team im ersten Dritteln auf allen Zylindern rund lief (ein ausgesprochen ungewohnter Anblick, nebenbei bemerkt), kamen vom Trainerteam kaum Reaktionen auf den katastrophalen Einstieg ins Mitteldrittel, geschweige denn auf die teils lachhaften Strafzeiten. Bleiben die Fragen, ob das Team einfach nicht fit genug für drei Drittel ist, oder ob man von Seiten des Coaching Staffs den Effekt eigener Einflussnahme so gering einschätzt. Wolfsburgs Probleme bleiben in diesem Bereich jedenfalls die gleichen.
Dank reichlich Spielen gegen Gegner aus dem Tabellenkeller werden wir in diesem Bereich auch im neuen Jahr wohl erst einmal keine Veränderung sehen. Mittel- und langfristig wird das vermutlich ausgesprochen schlecht für Wolfsburg sein.

Tor
Pickard mit einer fehlerlosen Leistung, aber ab dem zweiten Drittel nicht um seinen Job zu beneiden. Entschärfte einige brisante Situationen und hatte beim entscheidenden Tor in der Verlängerung dann das Glück nicht mehr auf seiner Seite.

Verteidigung
Casto leider mit einem gebrauchten Tag. Für die gewöhnungsbedürftige Regelauslegung der Referees kann er natürlich nichts, aber auch ansonsten leider nicht immer auf der Höhe des Geschehens. Likens mit einer seiner besseren Vorstellungen. Leider brachte die doppelte Überzahl das genaue Gegenteil von dem, was man erwarten würde - nicht sein Fehler.
Der Rest bestenfalls unauffällig. Besonders das Unterzahlspiel sollte aber noch mal dringend ein Update bekommen. Die Probleme mit dem Spieler am langen Pfosten können anhand dieser Partie im Videostudium mehr als ausgiebig durchgekaut werden.

Sturm
Im ersten Drittel konnte man gut erkennen, zu was das Team in diesem Bereich fähig ist.
Leider gingen im Mittelabschnitt sowohl Einstellung als auch Ordnung zum Teufel. Besonders Valtentin Busch nutzt die Gunst der Stunde und fällt mit beherztem Körperspiel und viel Laufarbeit ausgesprochen positiv auf.
Wenn Rech nicht kurzfristig seinen Killerinstinkt in der Kabine gelassen hätte, wären zudem wohl alle Punkte in Wolfsburg geblieben - trotz des mentalen Offenbarungseids im zweiten Drittel. Bemerkenswert: Wolfsburgs vierte Reihe wird ausgiebiger in den Spielablauf eingebunden, als die vierte Reihe der Gäste (alle unter 2:30), aber den Grizzlys geht eher der Dampf aus.
Will uns das Team vielleicht etwas mitteilen? Ich glaube nicht. mb
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