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EHC - T. Sabo Ice Tigers 2:4

Ich glaub, es geht schon wieder los...

Frei nach dem Eispalast-Klassiker von Roland Kaiser kommt man sich im Wolfsburger Eishockey so langsam vor, als wäre man in einer Endlos-Schleife von Enttäuschungen gefangen.
Kaum geht es gegen ein etwas besser aufgestelltes Team, schon ist der Effekt der beiden Siege (gegen Kellerkinder) verpufft. Wobei selbst diese beiden Spiele nicht unbedingt in die Kategorie "Offenbarung" gehörten, da sich im Offensivbereich weiter nur wenig in Richtung Effektivität entwickelt.
Gegen Nürnberg sahen die rund 2800 Zuschauer sogar im Auftaktdrittel keinen wirklich aggressiv und dominant auftretenden EHC, was zumindest in den Begegnung gegen Iserlohn und Krefeld ein echtes Plus auf Seiten der Grizzlys gewesen war.
Erst nach einer Strafe gegen Nürnbergs Topscorer Fischbuch (5.) kamen die Hausherren auch offensiv etwas besser in die Partie und konnten wenig später sogar die erste Führung für sich verbuchen (8.). Rekonvaleszent Höhenleitner hatte völlig unbedrängt abschließen können, nachdem Latta ein gewonnenes Anspiel zum schnellen Querpass genutzt hatte.
Nürnberg blieb überlegen, konnte dank aufopferungsvoller Defensivarbeit der Gastgeber aber kaum eine seiner Druckphasen in hochkarätige Chancen ummünzen. Die größte Gelegenheit ergab sich indes auf der Gegenseite: Wenige Sekunden vor der Drittelpause war es Anthony Rech, der den am Boden liegenden Treutle scheinbar mit einem Schuss in den Winkel überwunden hatte. Doch leider kam das Spielgerät postwendend vom Lattenkreuz zurück ins Spiel, so dass es nur mit einer knappen Führung für Wolfsburg in die erste Pause ging.
Zwar wurde die Partie nun noch unterhaltsamer als zuvor, aber dieser Unterhaltungswert ergab sich leider aus den Ungenauigkeiten auf beiden Seiten. Wobei besonders die Grizzlys mit einer ganzen Sammlung an hektischen Fehlpässen und überhasteten Abschlüssen das Geschehen in eine Coast-to-coast Veranstaltung verwandelten.
Die größeren Torchancen stellten sich überraschenderweise aber auf Seiten der Gastgeber ein! Weniger überraschend gestaltete sich allerdings die Torausbeute aus diesen Ein- und Nachschussgelegenheiten auf Seiten der Grizzlys: 0
Ausgerechnet während der besten Phase der Gastgeber dann der Schock: Nürnbergs Alanov fälschte einen Schuss von Summers unhaltbar zum 1:1 in die Maschen des Wolfsburger Gehäuses ab (37.). Mit diesem, durchaus gerechten, Zwischenergebnis ging es in den letzten Abschnitt der Partie.
Der gestaltete sich zu Beginn ebenso zerfahren wie das Mitteldrittel, allerdings ohne die ganz großen Torszenen. Ein Überzahlspiel der Grizzlys schien dann diese etwas halbgare Veranstaltung doch noch zu einem guten Ende zu bringen. Ein schneller Angriff über Furchner auf Linksaußen brachte schließlich, etwas untypisch für ein Überzahlspiel, die erneute Führung für die Hausherren. Machacek schob das Spielgerät aus nächster Nähe durch die Schoner des ansonsten überragend reagierenden Treutle im Tor der Gäste (48.) und versetzte die Halle umgehend in Feierlaune.
Der Spaß sollte allerdings nicht lange währen. Es folgte eine ganze Stafette an Ungeschicklichkeiten und Unaufmerksamkeiten auf Seiten der Grizzlys, die einen glücklichen Sieg letztlich in eine hochgradig ärgerliche Niederlage verwandelten.
Zunächst durfte Chad Bassen aus nächster Nähe den Puck durch Brückmanns Schoner dreschen (52.) - einfach auf Verdacht aus dem Gewühl heraus und ohne das Spielgerät wirklich zu sehen. Dann fuhren die Grizzlys mit vier Leuten zur Puckeroberung in eine Ecke hinter ihrem Tor. Erneut Alanov (53.) bedankte sich völlig freistehend im Slot für das geniale Stellungsspiel der Gastgeber, nachdem Jones und Machacek nicht in der Lage gewesen waren, den Puck gegen Will Acton zu sichern.
Wolfsburg brauchte einige Minuten bis diese kalte Dusche verdaut war und versuchte in den Schlussminuten noch einmal zumindest einen Punkt in der Eisarena zu halten. Ohne Erfolg: Höhis zweiter Treffer sollte bei zwei weiteren Versuchen einfach nicht gelingen, genauso scheiterte auch Johansson gleich doppelt an Nürnbergs Bestem, der an diesem Abend eindeutig im Tor zu finden war. Der Schuss ins leere Tor durch Buck (59.) folgte schließlich (und irgendwie natürlich) einer Entscheidung den Goalie vom Eis zu holen, als dem Gegner gerade die Puckeroberung gelungen war.
Reichlich ernüchtert, enttäuscht und verärgert quittierten Team und Fans der Grizzlys diese überflüssige Niederlage. Um nicht falsch verstanden zu werden: Nürnberg war über die gesamte Spieldauer betrachtet die leicht überlegene Mannschaft, doch bei weitem nicht in einer Verfassung, in der man in der Eisarena Punkte mitnehmen können sollte.
Die immer wieder extrem enttäuschenden und schlappen dritten Spielabschnitte werfen mittlerweile wirklich Fragen auf, die einem natürlich niemand komplett ehrlich beantworten wird.
Aber Fitness, System, Einstellung oder einfach nur die Qualität und Zusammenstellung unserer Mannschaft - irgendwo wird der Ursprung dieses jämmerlichen Bildes, das unser Team besonders zum Ende einer Begegnung abgibt, herkommen. Zumindest intern gilt es da nun langsam mal ehrlich mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Da sind nicht nur die Spieler, sondern auch Trainer und Manager gefragt, um alte Zöpfe vielleicht nicht erst nach der nächsten verkorksten Saison abzuschneiden.
Momentan sind wir ein Standort, an dem unheimlich viele wirklich gute Charaktere und Teamplayer unheimlich schlechtes Eishockey spielen und unheimlich viel schlechte Laune verbreiten. Darf man nach der letzten Saison, glaube ich, mal so sagen.

Teamcheck

Tor
Felix erneut mit einer wirklich guten Vorstellung, rettete mehrfach stark in den etwas gefährlicheren Phasen der Gäste. Bei allen drei Treffern ohne Chance, wobei Gegentor Nr.2 natürlich ein ärgerliches (Un)Glückstor war

Verteidigung
Insgesamt lieferten die Defensivkünstler der Grizzlys 50 ordentliche Minuten ab. Dann kann Wurm gemeinsam mit Rech nicht gegen Bassen klären und Jones scheitert gemeinsam mit Machacek beim Versuch den Puck gegen Acton zu sichern. Selbst der sonst so zuverlässige Bittner sieht in der Entstehung des zweiten Gegentors alles andere als gut aus - was ist da zum Ende der Spiele immer los???
Adam mit einigen wirklich guten Szenen, bitte wieder mehr Eiszeit (1:50) für den Youngster!!!

Sturm
Die erste Reihe gerne mal bei Gegentreffern auf dem Eis, erzielt aber selber keinen. Rech mit Pech am Ende des 1.Drittels, Aubin im zweiten Spielabschnitt glücklos im Abschluss, Olimb hält den Verkehr mit seinem Gezocke auf.
Von Festerling kommt mittlerweile gar nichts mehr, von Johansson immer noch nichts, außer großem Bemühen und saudummen Strafen, die uns in den letzten beiden Partien tüchtig in die Bredouille gebracht haben. 2 Punkte und -9 hat der schwedische Zwei-Wege-Center auf dem Konto und kann bisher mit gutem Gewissen als komplette Fehlverpflichtung bezeichnet werden. Das können eine Menge Ü23 Deutsche (auch aus der 2.Liga) mindestens genauso gut - allerdings treffen die nebenbei auch mal ins Tor. Sislo weiterhin gesundheitlich instabil - wieder eine Risikoverpflichtung, die in die Hose geht. Bekommt man in Wolfsburg eigentlich nur noch Qualität, wenn die zuvor an Krücken unterwegs war? Ich glaube nein.
Lichtblicke sind mal wieder die deutschen Spieler, allen voran Fauser, Höhenleitner und Latta. Machacek mit weiterhin leicht aufsteigender Tendenz, leider beim dritten Gegentreffer an der Bande zu harmlos. Nijenhuis weiterhin mit viel Eiszeit, was irgendwie der betreffenden Reihe mit Festerling und Machacek nicht unbedingt zu mehr Durchschlagskraft verhilft. Da sollte mal jemand anderes Sislo vertreten (wie bereits in der Partie geschehen). Furchner leicht verbessert, Valentin solide.
Insgesamt bietet unser "Sturm" in Sachen Verständnis in den Reihen und Effektivität weiterhin ein Bild des Jammers. mb