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Spielberichte 19/20

EHC - Adler Mannheim 1:3

  • Geschrieben von Martin
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Gegen Mannheim kann man mal verlier’n

Die Zeit des Schönredens und der Ausreden ist in Wolfsburg längst angebrochen. Auch nach der 1:3 Niederlage gegen die Adler wollte Grizzly-Coach Cortina einen Schritt in die richtige Richtung gesehen haben und war froh, dass man bis in den letzten Spielabschnitt im System geblieben war. Da war er wohl der einzige - von den Mannheimern mal abgesehen. Nach zwei engagiert, aber ohne Glück vorgetragenen Dritteln bildete gerade der trost- und mutlos vorgetragene Schlussabschnitt die Grundlage für weiteren Zuschauerschwund im mittlerweile halbleer gespielten Rund.
Wolfsburg trat dabei vor allem im ersten Drittel durchaus beherzt auf, ließ aber auch hier schon wieder zu viele Großchancen zu - meist eingeleitet durch individuelle Fehler oder Unzulänglichkeiten im Stellungsspiel. Doch auch die Adler offenbarten reichlich Lücken im Defensivverbund und Goalie Gustafsson gewährte so manchen Rebound, was die Grizzlys allerdings in keiner Situation zu nutzen wussten. Selbst bei leerem Tor gelang lediglich der Schuss an den Pfosten. Mannheim ließ sich hingegen nur wenig bitten und kam bereits in der 10.Minute durch Järvinen zum ersten Treffer des Abends. Wolfsburg hatte beim schnellen Angriff der Gäste gleich auf mehreren Positionen den Überblick verloren, der Rebound fand folglich reichlich unbedrängt seinen Weg in die Maschen. Wenige Sekunden vor der ersten Pause schoss Ryan Button dann den dicksten Bock der Partie, als er völlig unbedrängt dem Mannheimer Akdag auf die Kelle passte. Der bedankte sich artig und nagelte das Spielgerät unter die Latte. Eine Sekunde vor der Sirene stand es somit bereits 0:2.
Ein Bruch ging nun durch das ohnehin etwas holprige Spiel der Gastgeber, die fortan großes Glück hatten, dass ihr Goalie einen echten Sahnetag erwischt hatte. Allein Chet Pickard war es zu verdanken, dass neben Rendulics Powerplaytor (35.) kein weiterer Treffer der Adler zu beklagen war. Den einzigen Hochkaräter auf Seiten der Grizzlys hatte zuvor Kapitän Furchner ausgelassen, der am langen Pfosten nur selbigen traf (32.). Ansonsten spielte nur ein Team, und das waren die Adler. Besonders gravierend machte sich bei Wolfsburgs Unterlegenheit das zusätzliche Fehlen von Dominik Bittner bemerkbar, der nach einem ungeahndeten, aber eher harmlos aussehenden Bandencheck nur noch ein oder zwei Wechsel im ersten Drittel gefahren war und dann von Allroundtalent Höhenleitner ersetzt wurde. Mit den ohnehin schon vor der Partie feststehenden Ausfällen von Wurm und Bergman tat sich somit eine spürbare Qualitätslücke in der Defensive auf.
Im Schlussabschnitt spielten die Gäste deutlich sichtbar nicht mehr am Limit, konnten Wolfsburg aber trotzdem recht gemütlich unter Kontrolle behalten. Mit umgestellten Reihen versuchten die Gastgeber eher halbherzig noch einmal in die Begegnung zurückzufinden, fanden aber kaum gefährlich vor das Tor der Adler. Einzige Ausnahme, wie immer: Lucas Lessio streute im Verlauf der Partie immer wieder sehenswerte Einzelaktionen ein und drehte im Schlussabschnitt noch einmal richtig auf! Doch keine seiner Aktionen sollte dieses Mal zum Torerfolg führen. Seine aussichtsreichste Gelegenheit hatten die Gäste im letzten Moment nur mit einem Foul unterbinden können (51.). Den fälligen Penalty konnte der Gefoulte dann nicht im Gehäuse unterbringen; Gustafsson blieb Sieger.
Als den Grizzlys dann fünf Minuten vor dem Ende eine Überzahl ins Haus stand, offenbarte sich die volle Misere des EHC. Passend zum auch ansonsten eher bürokratisch, aber dafür systemtreu abgearbeiteten Rest des Spiels, blieb Coach Cortina auch hier seinem Angsthasenstil treu und nahm den Goalie nicht vom Eis. Ein Hauch vom Aufgabe wehte durch die Eisarena. Als in der Schlussminute dann doch noch der Ehrentreffer durch Machacek gelang, schien doch noch jemand eine Steckdose für Cortinas Stromkabel gefunden zu haben: Plötzlich kehrte wieder Leben in den bis dahin meist apathisch hinter der Bande stehenden Wolfsburger Trainer, der in den letzten 50 Sekunden des Spiels offenbar alles nachholen wollte, wovon er vorher nur geträumt hatte. Absurd. Einfach nur absurd.
In der Wohlfühl-Oase Grizzlys Wolfsburg, wo alle Menschen Freunde werden, braucht es einen Trainer, der mit selbstbewusstem Auftreten und gelegentlich auch harter Hand aus dieser Mannschaft ein echtes Gewinner-Team macht. Pat Cortina ist ein feiner Kerl, aber war, ist und wird niemals ein Trainer sein, der ein Team langfristig auf gehobenes DEL-Niveau führen kann. Je eher man das einsieht, desto eher kann man aus dem wirklich gut zusammengestellten Kader ein erfolgreich spielendes Team machen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in unserem aktuell praktizierten Kacksystem auch ein super ehrgeiziger Lucas Lessio den Spaß am Hockey verliert. Spätestens dann gewinnt man auch gegen die Mannschaften aus der Tabellennachbarschaft keinen Blumentopf mehr.

Teamcheck

Tor
Pickard in famoser Form, bewahrte die Grizzlys vor einem Debakel in einem Spiel, in dem man durchaus Punkte hätte mitnehmen können. Klingt verrückt, ist aber so.
Sollte Felix tatsächlich nach Mannheim gehen, muss er natürlich als neue Nr.1 aufgebaut werden. Einen Strahlmeier wird man hingegen wohl nur schwer nach Wolfsburg lotsen können: Der möchte nach all den Jahren in Schwenningen bestimmt mal etwas öfter auf der Gewinnerseite stehen...

Verteidigung
Mit Bergman und dann auch Bittner fehlten die momentan formstärksten Verteidiger. Button mit Assist zum 0:2 und Adam streckenweise mit den Adlern überfordert. Jones gewohnt, Likens ungewohnt unauffällig. Casto entwickelt sich langsam, aber stetig zur echten Stütze, zeigt aber immer noch hin und wieder zu wenig Übersicht im Kurzpass-Spiel.

Sturm
Neben Lessio, der zu jeder Zeit brannte, rannte und sich einen Dreck um das Wolfsburger Defensivsystem scherte, konnte lediglich der immer stärker werdende Johansson überzeugen. Selbst Gerrit Fauser blieb ungewohnt blass, während Rückkehrer Pfohl nach etwas hüftsteifem Beginn viele gute Ansätze zeigte. Gewinnbringend wird er seine Fähigkeiten natürlich erst in einer eingespielten Reihe einbringen können. Da auch am 22.Spieltag in weiten Teilen der Offensive immer noch kein Spielfluss zu erkennen ist, befürchte ich langsam, dass das so gewollt ist.
Die im letzten Drittel gesehene Kombination Rech - Olimb - Lessio könnte eingespielt ein echtes Leckerli werden. Allerdings mangelt es bei Olimb noch deutlicher als beim Rest der Mannschaft an der passenden Geschwindigkeit, um das Höllentempo von Lessio mitgehen zu können. mb