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EHC - Eisbären Berlin 4:2

Ein bisschen Spaß muss sein...

Nach sechs Niederlagen in Folge schenken die Grizzlys ihren Fans endlich wieder einen Sieg - und ein durchaus vorzeigbares Spiel obendrein.
Ausgerechnet gegen den Rivalen aus der Hauptstadt schaffte man, was viele Spieltage nicht möglich schien: Akzeptable Chancenverwertung und gleichzeitig nicht zu viele Patzer in der Defensive.
Begünstigt wurde dieses mittlerweile seltene Ereignis durch nicht allzu gefährliche Gäste aus Berlin und einen überragend aufgelegten David Leggio im Tor der Grizzlys.
Dabei bekamen die rund 3700 Zuschauer, unter ihnen rund 800 lautstarke Fans aus dem Osten, ein abwechslungsreiches Spiel geboten, dass vor allem im ersten Spielabschnitt aus der beherzten Abwehrarbeit beider Teams viel Spannung zog. Denn egal wie groß die Einschussgelegenheiten auch hüben wie drüben waren: Stets war entweder der Stock eines Verteidigers oder der gegnerische Torwart noch am Puck. Während die konsequent forecheckenden Berliner zunächst die Mehrzahl an Chancen verbuchen konnten, hatten die Gastgeber insgesamt betrachtet die deutlicheren.
Die größte Möglichkeit stand dann auch symbolisch für diesen ersten Abschnitt: Spencer Machacek hatte Hördlers Puckverlust blitzschnell genutzt, um vors Tor der Eisbären zu ziehen (10.). Seine Rückhandablage in den Slot nahm der mitgelaufene Sparre dankbar auf, nur um aus allernächster Distanz den Schläger des einzigen Spielers zwischen sich und dem leeren Tor zu treffen.
Auffällig bis zum ersten Pausenpfiff: Trotz sichtbar hohem Engagement gelang den Hausherren kaum ein vernünftiger Aufbau, wenn der Gast den Druck erhöhte. Dank mangelhafter Positionstreue fanden die Klärungsversuche der Grizzlys immer wieder den leeren Raum oder den heraneilenden Eisbär.
Ohne Tore ging es zum ersten Mal in die Pause, die Stimmung unter den Eisbärenfans blieb zunächst bestens...
Das sollte sich im Mitteldrittel allerdings schnell geben. Mit einer Strafe gegen die Gäste hatte das erste Drittel geendet und sollte (ein typisches Powerplay der Grizzlys später) auch so weitergehen. Denn bereits in der 25.Minute wanderte mit Richmond der nächste Berliner in die Kühlbox. Einer hatte nun aber vom ewigen Wolfsburger Überzahldrama die Schnauze gestrichen voll: Daniel Sparre verschwendete nicht viel Zeit mit Aufbau der Formation, sondern nagelte den Puck direkt nach Annahme des ersten Passes in den Winkel des Eisbärengehäuses (25.). Der Bann war gebrochen. Wolfsburg agierte nun zunehmend souveräner, leistete sich kaum noch Fehler im Aufbau, während die Gäste sichtbar um eine schnelle Antwort bemüht waren. Doch Wolfsburg hielt dem erneut aufflammenden Druck der Eisbären sehenswert stand und nutzte jede Möglichkeit um für Entlastung zu sorgen. Und wie das mit den Scheiben zum Tor halt so ist - je mehr, desto besser. Diese Weisheit schien auch Cole Cassels gegenwärtig, als er zur Mitte der Begegnung einfach mal den Puck von weit außen zum Tor brachte (querlegte, schoss oder passte?) und Berlins Goalie sich das Spielgerät kurzerhand selber mit der Kelle ins Netz bugsierte (30.). Riesenjubel bei den Braunbären, leichtes Schockmoment bei den Vertretern vom Polarkreis. Auch das Wolfsburger Publikum hatte die Seinen nun endgültig wieder ins Herz geschlossen und unterstützte die teils etwas hilflos wirkenden Bemühungen seiner Fankurve.
Doch kein Spiel ohne Aussetzer im Wolfsburger Team: Wenige Sekunden vor der zweiten Pause war es dann wieder soweit. Berlins Backman hatte sich unbemerkt in den Rücken von Bergman und Co. geschlichen und nahm den langen Pass seines Teamkameraden dankbar zum Alleingang auf. Dass er kurz vor der Sirene am überragenden Leggio scheiterte, darf getrost als Knackpunkt des Spiels betrachtet werden. Eine Trottelei war tatsächlich einmal unbestraft geblieben! Es sollte allerdings nicht die letzte bleiben...
Wolfsburg schaltete zum Auftakt des Schlussabschnitts in den Konter-Modus, spielte tatsächlich situationsgerecht und sorgte immer wieder für brandgefährliche Szenen vor Poulin im Tor der Gäste. Eine kurze Druckphase der Grizzlys (47.) brachte dann schließlich den entscheidenden Treffer zum 3:0. Berlins Torhüter hatte nach einem Querpass von Jaspers etwas zu euphorisch die Seite gewechselt und somit erneut Sparre den Winkel zum "Schuss" in die lange Ecke gegeben. Im Prinzip hatte der Wolfsburger Torjäger die Scheibe nur an Poulin vorbei gelegt, was irgendwie etwas von Zeitlupe hatte.
Wenn Wolfsburg von der Spielgestaltung her überhaupt irgendeinen Fehler in diesem Spiel machte, dann war es der Verwaltungsversuch in den letzten 10 Minuten der Begegnung.
Kaum hatte Sparre einen weiteren Alleingang nicht erfolgreich abschließen können, fingen sich seine Kollegen einen völlig überflüssigen Penalty. Aubry war (bei Unterzahl!) ebenso alleine durch die Wolfsburger Reihen geschlüpft und konnte nur noch per Foul gestoppt werden (51.).
Wieder rettete Leggio seinen Farben die mittlerweile komfortable Führung!
Wenig später war es trotzdem soweit: Backman durfte bei einer Torraumszene die Scheibe ungehindert unter Leggios Schoner ins Gehäuse stochern (54.) und dem Kampf um die Punkte neues Leben einhauchen. Das wäre kaum weiter tragisch gewesen, wenn Wolfsburg nicht weiter auf Defensive gesetzt und Jason Jaspers nicht noch eine weitere Dummheit rausgehauen hätte. Im eigenen Drittel versuchte der routinierte Center tatsächlich einen durch die Luft fliegenenden Puck weit über Kopfhöhe quer (!) zu klären.
Das Spielgerät landete prompt im Netz und Wolfsburgs Senior auf der Strafbank.
Die Gäste bedankten sich artig (58.) mit einem unhaltbar von Kapitän Rankel abgefälschten Powerplaytor zum 3:2 Anschluss.
Die heiße Schlussphase weckte nun auch die zwischenzeitlich etwas resigniert wirkenden Eisbärenfans, so dass die Halle dem Finale dieser Begegnung "entgegen kochen" konnte.
Passenderweise setzte mit Sebastian Furchner dann der andere Kapitän den Schlusspunkt unter dieses stimmungsvolle Derby. Sein Schuss ins leere Tor der Gäste (59.) beendete 80 Sekunden vor der Sirene die Ambitionen der Eisbären vorzeitig und schickte die Heimfans endlich einmal wieder mit guter Laune in Richtung Arbeitswoche.
Hochverdient danach die Ehrung durch die Fans, auch wenn die "Humba" als Kontrast zum am Freitag Gesehenen doch etwas seltsam erschien.

Teamcheck

Tor
Leggio über jeden Zweifel erhaben. Allein der abgewehrte Alleingang zum Ende des 2.Drittels und der gehaltene Penalty im Schlussabschnitt machten dieses Mal den Unterschied. Obendrauf gab es noch weitere Top-Reflexe. Einfach überragend an diesem Abend.

Verteidigung
Viel Druck von Berlin erzeugte entsprechend viele Abspielfehler der Wolfsburger Defender.
Likens und Krupp machten im ersten Drittel beim Versuch zu befreien nicht immer den besten Eindruck, während Bergman mit einem eklatanten Stellungsfehler fast das Mitteldrittel "veredelt" hätte. Wurmi weiter etwas zu langsam, Dehner und Wrenn (!) mit der stabilsten Vorstellung.
Dank der chaotischen Laufwege ihrer Stürmerkollegen konnten die Verteidiger allerdings nicht besonders gut aussehen, so dass für mich in diesem Bereich eher der positive Eindruck des bedingungslosen Dagegenhaltens im Vordergrund steht.

Sturm
Gegnerisches Forechecking fruchtet meistens dank der zu defensiven, fast schon schüchternen Arbeit der Wolfsburger Stürmer. Die Gegenspieler müssen hier einfach heftiger beackert werden und nach Puckgewinn vorhersehbare Anspielstationen für die Verteidiger geschaffen werden. Das will und will dieses Jahr einfach nicht passen.
War man erst einmal raus aus dem eigenen Drittel, ging dieses Mal alles schon etwas leichter von der Hand. Lediglich die Chancenverwertung bereitete im ersten Drittel noch etwas Kopfzerbrechen bei den Grizzlys. Leider nichts Neues.
Dann glänzte vor allem die Reihe um Daniel Sparre, der mit Machacek einen guten Vorlagengeber an seiner Seite hatte und mit Welsh insgesamt eine harmonierende Reihe bildete. So könnte auch eine Reihe der neu zu formierenden Mannschaft 19/20 aussehen...
Besonders erfreulich: Unser Kapitän entwickelt in den letzten Wochen tatsächlich eine Form, die ein weiteres Jahr im aktiven Dienst absolut wünschenswert erscheinen lässt. Wie geil ist das denn bitte? Dazu ein Höhi, der seinen Aggro-Level langsam wieder hochfährt...vielleicht haben wir dieses Jahr doch noch das eine oder andere Mal richtig Spaß. Wer weiß? mb