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EHC - Kölner Haie 3:5

Zwei Schritte vor, anderthalb zurück

Es ist ein mühsamer und vermutlich sehr langer Weg aus der Krise, den die Grizzlys mit ihrem neuen Chefcoach momentan gehen müssen. Wie schon in Kossmanns Premierenspiel zeigten die Wolfsburger erneut eine durchaus beherzte und kämpferisch akzeptable Leistung, blieben aber weiterhin zu harmlos vor dem gegnerischen Tor.
Durch den zusätzlichen Ausfall von Spencer Machacek traten die Gastgeber zudem mit lediglich fünf Ausländern an - Nachwuchstalent Valentin Busch ersetzte den erfahrenen Stürmer in der Reihe um Jason Jaspers.
Im ersten Spielabschnitt sollte den mit über 3000 Zuschauern erstaunlich gut gefüllten Rängen eine kampfbetonte, aber spielerisch wenig ansprechende Partie geboten werden. Wolfsburg offenbarte hier die altbekannten Schwächen im gegnerischen Slot und konnte keine der zahlreichen Rebound-Gelegenheiten zum Torerfolg nutzen, während die Gäste weitestgehend harmlos blieben. Bezeichnenderweise fiel die etwas unverdiente Führung der Haie durch ein unsauberes Abspiel der Gastgeber, bei dem Armin Wurm die Scheibe zuvor über die Kelle gehüpft war. Jason Akeson schob das Spielgerät dem Wolfsburger Goalie durch die Schoner (10.) und brachte die ohnehin eher defensiv agierenden Gäste in eine noch bessere Ausgangslage.
Bis weit ins Mitteldrittel blieb die Partie danach von der eher mäßigen Durchschlagskraft beider Teams geprägt. Wolfsburg enttäuschte, wie gewohnt, im Powerplay, brachte kaum einen Nachschuss gefährlich auf den Kasten der Haie. Köln trat dank zahlreicher kleiner Fehler und irgendwie ohne den letzten Biss vorgetragener Angriffsbemühungen nur selten vor dem Tor der Grizzlys in Erscheinung. Vieles blieb Stückwerk und trug nur mäßig zur Unterhaltung der Kulisse bei, die nach und nach einzuschlafen drohte. Die besten Gelegenheiten, etwas Schwung in die Sache zu bringen, vergaben mit Fabio Pfohl und Sebastian Furchner je ein ehemaliger und ein aktueller Stürmer der Grizzlys.
Erst zwei Minuten vor dem Ende des Mittelabschnitts rüttelte Jason Jaspers die Halle wieder halbwegs wach, als er endlich einen der zahlreichen Rebounds zum 1:1 Ausgleich versenken konnte. Das sollte das Spiel nachhaltig verändern.
Denn mit Anpfiff des Schlussabschnitts schien den Gästen plötzlich wieder einzufallen, dass Eishockey ein intensiv geführter und körperbetonter Sport sein kann. Die Haie spielten nun, wie man es von einem hochbezahlten und durchaus talentierten Team erwarten durfte. Wolfsburgs ersatzgeschwächte Aufstellung geriet zusehends in Bedrängnis und konnte den eigenen Slot immer weniger kontrollieren. Ein Kölner Doppelschlag (46./47.) war dann schließlich die vorhersehbare Folge dieser kurzfristigen Anstrengungen der Gäste. Sowohl Genoway, als auch Hanowski hatten dabei aus nächster Nähe den Puck über die Linie "quälen" können, ein Umstand, der Bände über die momentane Verfassung der Wolfsburger Abwehr sprach.
Doch die Moral der Grizzlys blieb intakt: Bereits acht Minuten vor dem Ende nahm Wolfsburgs Coach bei einem Überzahlspiel den Goalie vom Eis, um das Glück zu erzwingen. Dieser Mut (angesichts der zuletzt gezeigten Leistungen ohne Goalie) sollte umgehend belohnt werden - Alex Weiß versenkte einen Traumpass von Jeremy Dehner (53.) im Alleingang in den Maschen! Ein Powerplaytor aus einem Konter heraus stand allerdings auch für das weiterhin einfach nur schlechte Überzahlspiel der Gastgeber.
Die Euphorie sollte leider nicht lange währen, denn nur anderthalb Minuten später waren es wiederum die Gäste, die ihre Anhänger in Jubelstürme versetzten. Sebastina Uvira profitierte von einem Fehler im Aufbauspiel der Gastgeber und konnte so von seiner Reihe sehenswert in Szene gesetzt werden (54.).
Wer jetzt schon Richtung Ausgang strebte, wurde schnell zum Umkehren gezwungen. Wieder spielten die Grizzlys, vor allem dank dummer Kölner Aktionen, in Überzahl und ohne Goalie (55.), dieses Mal allerdings ohne Erfolg. Wer die letzten Spiele das Wolfsburger Team ohne Goalie hatte spielen sehen, durfte das Fehlen von Gegentoren allerdings schon als enormen Fortschritt verbuchen.
Als es dann einen dritten Versuch für die Gastgeber gab (59./Stockschlag Potter), schlugen die Grizzlys tatsächlich noch einmal ohne Goalie zu! Jeremy Dehner versenkte das Spielgerät aus der Halbdistanz präzise im Winkel und brachte die Halle kurz vor Schluss zum Toben. Dass den Gästen dann doch der Schuss ins leere Tor gelang (60.), verhinderte zwar das (reichlich unwahrscheinliche) Happy-End, doch irgendwie schaffte es die Schlussphase dieses Spiels die größte Enttäuschung von den Rängen zu waschen. Mit aufmunterndem Applaus verabschiedeten die Fans der Grizzlys ihr arg dezimiertes Team aus diesem Spiel, wo in anderen Hallen längst Pfiffe und Beschimpfungen an der Tagesordnung wären. Man gehört in diesen Tagen gerne zu den Fans der Grizzlys. Wenn es läuft, kann das schließlich jeder...


Teamcheck

Tor
Kuhn beim ersten Treffer zwischen den Beinen offen wie ein Scheunentor. Akeson sagte artig "Danke".
Ansonsten solider, aber nicht immer glücklicher Auftritt unseres Goalies, der momentan ohne die Konkurrenz durch den verletzten Leggio auskommen muss.

Verteidigung
Bleibt eine Baustelle. Dass mit Wurm ausgerechnet ein Akteur des einzig funktionierenden Abwehrduos so großes Pech beim ersten Gegentor hat, ist fast schon tragisch. Krupp findet weiterhin nicht zu seinem dominanten Spiel der vergangenen Saison, immer wieder mit Fehlern beim klärenden Pass und schwach bei der Verteidigung des eigenen Slots. Aber auch Wrenn, Bergman und Dehner glänzen weiter mit wenig überzeugendem Abwehrverhalten direkt vor ihrem Goalie. Die Kölner Treffer Nr.2 und 3 bieten hier bestes Anschauungsmaterial, wie es nicht geht.
Dehner setzte seiner sonst mäßigen Abwehrleistung zum Glück einige wirklich überragende Offensivakzente entgegen. Wrenn hingegen wirft weiterhin die Frage auf, wieso man für das Gezeigte eine Ausländerlizenz verbraten musste. Das können Dutzende deutsche Spieler besser und souveräner, was der Wolfsburger Neuzugang im eigenen Drittel zusammenstümpert.
Dank Ankerts Abgang besteht hier NULL Konkurrenzdruck und man darf sich Woche für Woche diverse Nicht-Leistungen anschauen. Klarer Fehler im Teambuilding!

Sturm
Trotz der Möglichkeit mit zwölf Spielern zu agieren, schickte der Coach den zuletzt schwächelnden Alex Karachun zu den Huskies und zog stattdessen Valentin und Busch (!) hoch in den DEL-Kader. Während Valentin neben Möchel zu den wenigen positiven Überraschungen der Saison zählt, verursachte der Einsatz des deutlich zu langsam agierenden Busch bei mir doch einiges an Ratlosigkeit. Zwar passt er damit zu unserem sich ebenfalls eher gemächlich bewegenden Center-Neuzugang Jaspers, doch für den würde ich mir eher einen Aubin als Nebenmann wünschen, als einen Youngster, der mit vielen Elementen des DEL-Hockeys noch reichlich überfordert wirkt. Vielleicht eine Aktion zum Kennenlernen für den Trainer?
Ansonsten bewegt sich in Sachen Angriffsspiel nicht viel im Team der Grizzlys. Weiß und Höhenleitner weiterhin die auffälligsten Spieler, Jaspers trifft, Ohmann immer wieder mit kleinen Highlights in Sachen Zug zum Tor.
Furchner weiter unglücklich, Aubin torlos, Cassels bemüht, Fauser meilenweit weg von seiner Vorjahresform, Valentin weiter mit respektablen Auftritten, Busch überfordert mit allem.
Sparre zeigt weiterhin eindrucksvoll, warum er zu Beginn der Saison keinen Vertrag bei einem anderen Verein hatte - Spaziergänger! Die Verpflichtung des Flügelstürmers ist und bleibt eine seltsame Reaktion auf den Ausfall von zwei Top-Centern. Masse statt Klasse und dann noch mit fragwürdiger Arbeitsmoral: Das ist keine Hilfe für ein um Struktur kämpfendes Team!
Generell müsste sich im Bereich Attacke noch Spektakuläres tun, wenn man zur kommenden Saison um Vertragsauflösungen herumkommen möchte.
Außer bei Höhi, Weiß, Möchel, Ohmann und Fauser würde ich aktuell bei keinem weiteren Stürmer gesteigerten Wert auf einen Verbleib legen. Cassels eventuell unter dem Aspekt der Entwicklung auf europäischem Eis. Selbst Foucault kann mich dank seiner ständigen Ausfallzeiten nicht für eine Weiterverpflichtung begeistern. Das ist insgesamt so was von zu wenig, dass das Zuschauen streckenweise schon arg schwerfällt. mb