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EHC - T. Sabo Ice Tigers 2:3 n.V.

Auf einem guten Weg

Mit seiner bisher besten Saisonleistung machte das Wolfsburger Team seinen Fans zunächst viel Freude, am Ende dann aber doch wieder ein bisschen Kummer.
Fast sechzig Minuten laufintensives und aufopferungsvolles Grizzlyhockey dürften den rund 2800 Zuschauer nach dem ebenfalls vorzeigbaren Auftritt gegen Düsseldorf nun reichlich Zuversicht beschert haben. Wie das extrem unglückliche Ergebnis gegen die Gäste aus dem Frankenland von der Mannschaft aufgenommen wird, bleibt natürlich abzuwarten.
Mit einem wahren Sturmlauf begrüßten die Grizzlys zunächst ihre weitgereisten Gäste aus Nürnberg, denen der missratene CHL-Auftritt in Rouen (Mi.) noch in den Knochen zu stecken schien.
Das frühe Bombardement der Gastgeber sollte dann auch schon zeitig (4.) erste Früchte tragen: Im Powerplay (sic) netzte Ersatz-Kapitän Fauser zum hochverdienten 1:0 für die wie entfesselt aufspielenden Grizzlys ein. Nürnberg hingegen schien mit der konsequenten Laufarbeit der Hausherren zunächst reichlich überfordert und geriet durch weitere Strafzeiten immer wieder zusätzlich in die Bredouille. Doch das, was diesem Spiel am Ende einen etwas bitteren Beigeschmack geben sollte, zeichnet sich bereits im geradezu berauschenden ersten Drittel nur zu deutlich ab. Wolfsburgs Abschlüsse ließen einfach die nötige Präzision und manchmal auch das kleine Quäntchen Glück vermissen, das man braucht, um einen angeschlagenen Gegner endgültig auf die Bretter zu schicken.
Zwar strahlte auch die neu formierte Top-Reihe um Neuzugang Jaspers (mit Machacek und Sparre) reichlich Gefahr aus, doch der Puck wollte einfach nicht am Nürnberger Goalie vorbei.
Wie so oft in derart verlaufenden Partien, machten es die eigentlich deutlich unterlegenen Gäste dann wesentlich besser. Ein schneller Konter reichte den Ice Tigers, um den reichlich überraschenden Ausgleich zum Auftakt des Mitteldrittels (22.) zu markieren. Mit viel Glück hatte Dupuis den Puck noch gerade so bis zur Torlinie bugsieren können, der zurückgeeilte Aubin beförderte das Spielgerät dann zu allem Überfluss mitsamt seinem Torhüter endgültig in die Maschen.
Doch die Grizzlys blieben mental stabil, steckten im Anschluss sowohl eine nicht gegebene Strafe gegen Nürnberg, sowie das aus einem eigenen Foul (24.) resultierende Unterzahlspiel souverän weg. Sogar mehr als das: Direkt nach Ablauf der Strafe gegen Wrenn (26.) gelang Wolfsburgs Krupp eine Mischung aus Befreiung und Pass an die gegnerische blaue Linie, an der sich bereits Alex Weiß positioniert hatte. Der machte sich mit viel Übersicht auf die Reise Richtung Nürnberger Tor, um im letzten Moment zum mitgelaufenen Sparre querzulegen: Tor für die Grizzly und erneut der mehr als verdiente Lohn für viel harte Arbeit auf Seiten der Hausherren.
Was folgte war, im Nachhinein betrachtet, die Phase, die Wolfsburg am Ende die Punkte kosten sollte. Nürnberg, auch weiterhin mit dem intensiven Laufspiel der Grizzlys reichlich überfordert, brachte sich schließlich sogar für anderthalb Minuten in doppelte Unterzahl (36.). Doch das zu Beginn so überzeugende und lediglich etwas glücklose Powerplay der Gastgeber sollte nun komplett in alte Bahnen zurückfallen. Lediglich eine Einschusschance durch Kapitän Fauser stellte die ernüchternde Bilanz dieser Riesengelegenheit dar, die das Spiel bereits vorzeitig in entscheidende Bahnen hätte lenken können. Denn eins schien zu diesem Zeitpunkt bereits klar: Das dritte Tor, egal für wen, würde die Partie wohl entscheiden. Angesichts der läuferischen Überlegenheit der Grizzlys schienen zwei Treffer der Gäste in der regulären Spielzeit irgendwie ausgeschlossen, umgekehrt konnte ein einziger Konter dieses (auf dem Scoreboard) knappe Spiel noch einmal komplett drehen.
Leider trat aus Sicht der Gastgeber letzteres ein...
Das Schlussabschnitt wirkte im Vergleich zum Chancengewitter der ersten beiden Spielabschnitte dabei durchaus zahm, konstant blieben dabei eigentlich nur zwei Dinge: Der Biss, mit dem Grizzlys auftraten und das Pech, das den Gastgebern über weite Strecken der Spielzeit (Verletzte und Spielverläufe) anhaftet. Offenbar war nach dem glücklichen Ende gegen die DEG Fortunas Wohlwollen schon wieder aufgebraucht. Mit ihrem einzigen vorzeigbaren Angriff in diesem Drittel gelang den Gästen durch Pföderl der völlig unverdiente Ausgleich (55.).
Ein einziges Mal waren die Wolfsburger nach einem ihrer Angriffe nicht sortiert und schnell genug wieder zurückgekehrt und Nürnberg nutzte seine individuelle Qualität sofort aus.
Das Momentum hatte die Grizzlys nun endgültig verlassen. Relativ ereignislos ging es schließlich in die Verlängerung, in der nur noch die Gäste spielten. Wolfsburg rannte im 3 gegen 3 eigentlich permanent dem Puck hinterher und kassierte bei angezeigter Strafe dann schließlich sogar das 2:3 durch Brandon Buck (63.).
Ein aus Wolfsburger Sicht sehr frustrierendes Ergebnis für ein ansonsten von den Grizzlys beherzt geführtes und äußerst ansehnliches Eishockeyspiel. Noch scheint das Glück nicht zurück an der Aller zu sein, aber der eingeschlagene Weg konnte an diesem Abend absolut überzeugen.

Teamcheck

Tor
David Leggio mit einigen feinen Reflexen und einer typischen Schlitzohr-Aktion im ersten Drittel, als er in den nachsetzenden Stürmer der Gäste fast schon hinein hechtet, um die Strafe wegen Behinderung zu ziehen. Fehlerlos, hält den ersten Treffer der Gäste eigentlich, wenn da nicht noch ein eigener Spieler hinterher gekommen wäre...
Insgesamt aber deutlich weniger gefordert als sein Gegenüber.

Verteidigung
Insgesamt guter Job von allen sechs verbliebenen Verteidigern (Torsten Ankert wechselte während der Woche nach Krefeld). Während Björn Krupp im Zuge seiner aktuellen Formschwäche noch einige Wackler drin hatte, konnte er u.a. mit seinem Pass zum zweiten Wolfsburger Treffer ein wenig "Wiedergutmachung" betreiben. Bergman stört beim zweiten Tor den nachrückenden Pföderl kein bisschen - leider diesmal spielentscheidender Sekundenschlaf des sonst so zuverlässigen Deutsch-Kanadiers.

Sturm
Neuzugang Jaspers überzeugt mit viel Übersicht, ist für das typische Grizzlyspiel allerdings arg langsam. Muss dieses Manko wohl mit viel vorausschauenden Laufwegen kompensieren. Während Fauser langsam, aber gewaltig in Fahrt zu kommen scheint, bleibt Brent Aubin weiter viel zu harmlos vor dem gegnerischen Tor. Als Center am Bullypunkt zudem reichlich überfordert, arbeitet hart und ist mittlerweile sehr, sehr wütend. "Ohne Mark Voakes nix los" könnte man sagen. Ein Experiment mit Aubin auf dem Flügel neben Jaspers, der ähnliche Spielübersicht wie Voakes an den Tag legen kann, scheint daher aussichtsreich.
Sowohl das Powerplay, als auch der Spielfluss insgesamt gaben zudem reichlich Grund zur Hoffnung. Marcel Ohmann erinnert in seiner Spielweise immer mehr an Christoph Paepke/Wietfeld - ein größeres Kompliment kann man einem Spieler mit seiner Spielanlage wohl nicht machen. Sehr geil!
Auch Höhi rockt weiter das Eis und hielt die Grizzlys in den vergangene Wochen immer wieder im Rennen um den einen oder anderen (am Ende verlorenen) Punkt.
Bis auf den verletzten Kapitän kann man im Bereich der deutschen Spieler somit, den umtriebigen Sparre eingeschlossen, also mit den meisten Akteuren durchaus zufrieden sein. Im Bereich Kontingentspieler kann hingegen nur der ebenfalls verletzte Foucault und mit Abstrichen Spencer Machacek überzeugen.
Selbst wenn das Team wie aus einem Guss agiert und, wie an diesem Abend, sechzig Minuten läuft wie der Teufel - das Defizit im Bereich Torgefährlichkeit durch diverse Ausfälle und "Ausfälle" lässt sich momentan noch nicht auffangen.
Hoffen wir, dass in den kommenden Wochen der eine oder andere den Torjäger in sich (wieder)entdeckt, sonst können selbst vorbildliche Leistungen wie gegen Nürnberg leider immer wieder in noch mehr Frust enden. Das gilt es nun zu verhindern! mb