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Spielberichte 18/19

EHC - ERC Ingolstadt 5:7

  • Geschrieben von Martin
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Spielbericht und Blick in die Zukunft (1.Teil)

Getreu dem Motto " Es kann nur besser werden" wird der (komprimierte) Spielbericht zum Schützenfest gegen die Schanzer um ein Resümee der laufenden Saison erweitert.
Statt das neueste Kapitel im Buch der Enttäuschung 18/19 minutiös auszuwalzen, werde ich - soweit möglich - die einzelnen Akteure unseres Teams inkl. Trainerstab auf ihre Zukunftstauglichkeit abklopfen. Den Anfang machen dabei die Goalies und Verteidiger der Grizzlys.
Zunächst also einmal zum Spiel gegen Ingolstadt. Wie so oft in der laufenden Spielzeit gerieten die Grizzlys auch in diesem Duell frühzeitig in Rückstand, dieses Mal gleich doppelt. Der erste Gegentreffer durch Elsner fiel dabei durch einen Konter bei eigener Unterzahl (7.), der zweite (14.) glänzte durch eine Mischung aus schlechter Reboundkontrolle des Wolfsburger Goalies und interessiertem Zusehen der restlichen Akteure in orange. Hätte Petr Pohl an diesem Nachmittag nicht einen Riesenschluck aus der Zielwasserpulle intus gehabt, die Begegnung wäre wohl schon früh in Richtung komplettes Debakel abgedriftet. Sein Abfälscher (16.) zum 1:2 und der listige Schuss durch Friesens und Pielmeiers Beine (18.) hielten die Grizzlys aber vorläufig im Spiel.
Die irgendwie seltsam anmutende Partie folgte ab diesem Zeitpunkt einer Art unsichtbarer Choreographie. Beide Teams agierten ohne richtige Einstellung im Defensivverhalten und stets ging der Gast aus Ingolstadt in Führung, um sich wenige Augenblicke später den erneuten Ausgleich zu fangen.
Das ging bis ins letzte Drittel dann so:
2:3 durch Greilinger, der einen Konter gegen zu weit aufgerückte Grizzlys eiskalt einlochen kann (25.)
3:3 durch Pohl, der mit einem schönen Handgelenkschuss aus dem Hintergrund seinen Hattrick komplettieren kann (29.).
3:4 durch Collins im Powerplay, der ebenfalls per Handgelenkschuss knallhart abdrückt (31.).
4:4 durch Sparre, der in Überzahl (!) am langen Pfosten vollstrecken kann (33.).
Durchaus ansehnliche offensive Minuten der Grizzlys sollten folgen, die die anwesenden Fans wohl kurzzeitig von der ersten Führung träumen ließen. Doch das letzte Drittel sollte weiterhin dem wenig ergiebigen Strickmuster der ersten beiden folgen und sah in der 52.Minute zunächst das 4:5 durch Wagner und zwei Minuten später das 5:5 durch Marius Möchel. Wagners Treffer wäre ohne die Unbeherrschtheit von Wolfsburgs Aubin wohl so nicht gefallen, denn statt eine angezeigte Strafe dankbar anzunehmen, ließ der verhinderte Torjäger der Grizzlys seinem Frust freien Lauf und landete zusammen mit seinem Gegenspieler in der Kühlbox. Wolfsburgs "Qualitäten" bei 4 gegen 4 sollten spätestens seit dem letzten Spiel gegen Köln allen Beteiligten bekannt sein. Das Ergebnis war ein schon fast deprimierend flüssig kombinierender Gegner, der sich eigentlich den Torschützen aussuchen konnte, während Wolfsburg komplett hilflos hinterherlief.
Das "Beste" sollte aber noch kommen! In der 56.Minute war schließlich Slapstick-Time in der Eisarena angesagt: Zunächst hatte Jerry Kuhn, im Gegensatz zu seinem Gegenüber nach schwachem Auftritt nach 40 Minuten nicht ausgewechselt, seinen großen Auftritt. Einen Befreiungsschlag aus dem gegnerischen Drittel ließ der Wolfsburger Torhüter ohne eine Regung an seiner Ausrüstung abprallen. Der Puck, wie sollte es in diesem Seuchenjahr anders sein, tropfte einen Zentimeter hinter der Linie ins Tor der Grizzlys. Damit nicht genug setzte der reichlich derangiert auftretende Armin Wurm dem Spiel nur wenige Sekunden nach Wiederanpfiff endgültig die Narrenkappe auf. Beim Pass hinter das eigene Tor entging ihm der nachsetzende Collins, was zum Puckgewinn und Drei-auf-Null vor Kuhn führte. Elsner bedankte sich mit seinem zweiten Treffer an diesem Abend und schickte die Grizzlys somit endgültig auf die kurze Route in Richtung Sommerpause.
Ohne größere Reaktionen machte sich das, zwischenzeitlich gut unterhaltene, aber reichlich desillusionierte Bären-Publikum auf den Weg in die heimischen Höhlen.
Zusammenfassend konnte man bei den Grizzlys wohl von einer der schlechteren Abwehrleistungen der laufenden Saison reden, was leider gleichbedeutend mit extrem schlecht ist.

Das Team für die nächste Saison

Tor
David Leggio
Nach durchwachsenem Beginn stabilisierte sich der US-Amerikaner auf gehobenem Niveau, fiel aber immer wieder der ominösen Einsatzregelung des Wolfsburger Trainers zum Opfer. (Welches Team schickt einen Goalie nach einem Shut-out auf die Bank, weil die Einsätze schon vorher abgesprochen waren???)
Prognose: Kein neuer Vertrag. Wolfsburg setzt weiter auf deutsche Torhüter.

Jerry Kuhn
Hat meine volle Sympathie nach dem schweren Schicksalsschlag des Sommers. Konnte zu keinem Zeitpunkt konstante Leistungen abrufen und hatte insgesamt eine abenteuerliche Fehlerquote. Mental offenbar noch nicht wieder stabil. Vielleicht braucht er noch ein paar Monate, um wieder an die Form der letzten Saison anknüpfen zu können.
Prognose: Verlässt die Grizzlys, da Pickard vermutlich kommt und Felix bleibt.

Felix Brückmann
Ohne Einsatz und ohne Wertung. Nach doppelter Hüft-OP lässt das Comeback sicherlich noch auf sich warten.
Prognose: Kann nicht mit absoluter Sicherheit vollwertig einsteigen. Verpflichtung eines ernstzunehmenden dritten (Nachwuchs-)Goalies sollte wohl noch erfolgen.

Verteidigung
Jeremy Dehner
Punktetechnisch Wolfsburgs Bester. Defensiv leider mit einigen sehr fehlerbehafteten Phasen in dieser Spielzeit, wurde gegen Ende der Saison aber wieder deutlich souveräner.
Prognose: Vertragserfüllung bis 2020 steht völlig außer Zweifel.

William Wrenn
Defensiv konstant akzeptable Leistungen. Zweitbeste +/- Statistik im gesamten Team. Körperspiel allerdings etwas enttäuschend.
Prognose: Vertragsverlängerung nur, wenn vier Lizenzen in die Verteidigung gehen und nur zu schmalem Salär. Sonst Ersatz durch spielstärkeren Defender.

Jeff Likens
Auch wenn seine +/- das nicht unbedingt belegt, der zuverlässigste Grizzly dieser Saison. Vorbei scheinen die Zeiten, als sein Spiel ein Garant für Herzversagen auf der Seniorentribüne war. Ist mit den Jahren offenbar abgeklärter geworden. Die dummen Strafen überlässt er anderen, die spektakulären Fehl- und Risikopässe sind deutlich weniger geworden.
Prognose: Vertragserfüllung bis 2020 absolut sicher. Als Leader zudem sehr wichtig.

Armin Wurm
Spielt eine völlig gebrauchte Saison. Wenn man nicht hundertprozentig wüsste, was man an ihm hat, müsste man nach der Vertragsverlängerung bis 2022 schon fast am Verstand unseres Managers zweifeln. Zuletzt mit alptraumhaften Fehlpassquoten und haufenweise Unaufmerksamkeiten. Wäre in der momentanen Verfassung ein Kandidat für eine Vertragsauflösung.
Prognose: Muss in der neuen Saison um seinen Platz unter den Top 6 hart kämpfen. Sollte der Aufwärtstrend nicht gelingen, droht dank U23-Regel die Tribüne.

Björn Krupp
Spielt nicht annähernd so dominant, wie in der Vorgängersaison. Während der Hinrunde sogar einer der schwächsten im gesamten Team, wird er in Mannheim sicherlich schnell zu alter Stärke zurückfinden. Mach's gut, Uwe!
Mit Dominik Bittner als Ersatz könnte Charly Fliegauf allerdings ein kleiner Coup gelungen sein, da der Ex-Adler in Schwennigen aktuell seine mit Abstand beste Saison zu spielen scheint!

Wade Bergman
Offensiv eine echte Waffe, defensiv immer wieder für reihenweise "Wackel-Attacken" gut.
Die vergleichsweise gute +/- kann hier nur auf dem Papier über die Unsicherheiten im eigenen Drittel hinwegtäuschen.
Prognose: Vertrag bis 2020 wird mit Sicherheit erfüllt. Kampf um Top 6 mit Wurm.

Fazit: Zwei spielstarke Allrounder müssen hier noch, vermutlich mit Ausländerlizenz, dazukommen, damit die Grizzlydefensive wieder zu einem Prunkstück werden kann, anstatt die Schießbude der Liga abzugeben. Das Aufbauspiel unter Druck war in dieser Spielzeit eine einzige Katastrophe!

Nächste Woche gibt es dann als kleine Überbrückung der Länderspielpause den 2.Teil des Saisonausblicks. Dann werde ich mich zu Wolfsburgs Stürmern (sind ja einige...) und den Personalien auf der Trainerbank äußern. mb

Das Team für die nächste Saison - Teil 2

Heute widme ich mich mit dem Sturm und dem Trainerteam der Grizzlys den beiden Bestandteilen der Mannschaft, die den größten Umwälzungen vor und während der Saison ausgesetzt waren.
Als Nachtrag möchte ich kurz auf Steven Raabe eingehen, der dank Personalmangel bei unseren "Defensivkünstlern" auf stolze 20 Einsätze mit immerhin gut 120 Spielminuten kam. Über Thorsten Ankert schreibe ich lieber gar nichts - besser für ihn, besser für mich.

Steven Raabe
Eigentlich Stürmer (und Topscorer) im DNL III-Team wurde der 17 Jahre junge Raabe von Coach Kossmann in den DEL-Kader der Grizzlys berufen - und dort kurzerhand zum Verteidiger umfunktioniert. Auslöser war, wie so oft in dieser Spielzeit, Wolfsburger Verletzungspech. Trotzdem war der Einsatz von Raabe für das heimische Publikum sicherlich einer der positiven Höhepunkte in einer sonst eher von gegenteiligen Sensationen geprägten Saison.
Insgesamt machte der Youngster im DEL-Team der Grizzlys einen, an seinem Entwicklungsstand gemessenen, guten Job. Körperlich noch hoffnungslos unterlegen kompensierte Raabe vieles mit Übersicht und Aktionen, die in erster Linie auf absolute Sicherheit bedacht waren. Um langfristig Zugang zur 1.Mannschaft zu bekommen, muss der Wolfsburger Nachwuchsspieler vor allem körperlich noch massiv zulegen, damit ihn seine Gegenspieler nicht einfach aus dem Slot drücken oder als Leitplanke benutzen.
Seine Einsätze haben den Wolfsburger Nachwuchs jedenfalls mit einer heftigen Welle der Motivation gepusht und waren deshalb schon für alle Beteiligten Gold wert!

Sturm
Wie hinlänglich bekannt, kamen auf Seiten der Grizzlys die beiden als Top-Neuzugänge gehandelten Corey Elkins und John Albert in der DEL nicht zum Einsatz. In der Vorbereitung hatte zumindest Elkins erahnen lassen, dass er als Leader und sehr physischer Spieler eine wichtige Rolle im Team des EHC einnehmen könnte. Albert hingegen blieb in den wenigen Minuten, die er für Wolfsburg aktiv war, blass.
Prognose: Beide erhalten keinen neuen Vertrag. Albert mit zu viel (spielerischem) Risiko behaftet, Elkins aufgrund des Alters + schwere Verletzung ebenfalls.

Eric Valentin
Zeigte immer wieder gute Ansätze in Sachen Spielverständnis und fügte sich streckenweise gut ein. Defensiv noch ausbaufähig.
Prognose: Dank U23 Regelung wird es auch in der kommenden Saison Spielzeit in der DEL für ihn geben. Duell mit Busch um den entsprechenden zweiten Platz, falls U 23 Verteidiger noch verpflichtet wird.

Kris Foucault
Tja. Der genialste Grizzly nach Voakes' Abgang machte satte 6 Spiele (5 Punkte!) für die Grizzlys, ehe ein eher talentbefreiter Defensivkollege über seinen Kopf stolperte. Bezeichnend für die Wolfsburger Saison, dass der ohnehin schon verletzungsanfällige Torjäger von einem eigenen Mitspieler an den Rand des Karriereendes gebracht wurde.
Prognose: Kein neuer Vertrag. Foucault hat in drei Jahren Wolfsburg exakt 58 Spiele bestritten - da macht Jeff Likens jedes Jahr mehr, wenn sein Team die Play-offs erreicht...
Sollte Foucault wieder Eishockey spielen können, sehen wir ihn vermutlich bei einem Team, dass sich diesen Umstand besser leisten kann (Qualität und Tiefe im Kader).

Marcel Ohmann
Ich bin prinzipiell ein Fan von Spielern wie Christoph Wietfeldt (TAFKAP), die mit purem Grit (Schneid, Willen) den Gegner an den Rand des Wahnsinns treiben und nebenbei auch noch den einen oder anderen Punkt buchen. Leider konnte Marcel die laufende Saison verletzungsbedingt wieder nicht nutzen, um sich in eine derartige Rolle hineinzuspielen.
Prognose: Die Wege der Grizzlys und Ohmanns trennen sich nach der Saison. Die Ü23 Positionen müssen sicherer besetzt werden.

Valentin Busch
Ordentliche erste Saison für Wolfsburg mit bisher 26 Einsätzen, begünstigt durch Verletzungschaos am Allersee. Offensiv überhaupt kein Faktor, machte der Youngster vor allem defensiv nicht den schlechtesten Job im diesjährigen Team. Hin und wieder etwas zu langsam in seinen Aktionen.
Prognose: Kampf mit Valentin um U23-Spot im Team.

Alexander Weiß
Sein letzter Ausfall markierte für mich so etwas wie ein vorzeitiges Ende der Saison für mich. In einer derart verkorksten Spielzeit braucht man nämlich vor allem eines: Eier! Und Alex Weiss hat zur Not gleich Eier für seine gesamte Reihe. Die teilweise nur als ängstlich zu bezeichnenden Auftritte unserer Grizzlys wären mit einem gesunden Weiss auf jeden Fall weniger deprimierend ausgefallen, vor allem nach der Rückkehr von Höhenleitner und Fauser.
Prognose: Wie man der Lokalpresse bereits entnehmen konnte, stehen die Zeichen laut Weiss auf Trennung. Angesichts der wenigen guten, für Wolfsburg bezahlbaren, deutschen Spieler auf dem Markt eine diskutable Entscheidung.

Nick Latta
Als Center für die 4.Reihe geholt, lieferte der Neuzugang auch exakt auf diesem Niveau. Solide, kampfbetont - mehr nicht.
Prognose: Wird seinen Vertrag bis Ende 2020 wohl erfüllen. Ich würde mir zwar eine Verbesserung auf dieser Position wünschen...aber vielleicht wird das ja noch.

Jason Jaspers
Kam als "Ersatz" nach dem frühzeitigen Aus der beiden Top-Center. Der Transfer, den man nur als Schnellschuss bezeichnen kann, ging weitgehend nach hinten los. Zu langsam, kaum Scoring-Touch und defensiv eine Zumutung. Jaspers hat seine besten Zeiten leider ganz weit hinter sich und füllte letztlich nur den Spielberichtsbogen.
Prognose: Geht.

Alexander Karachun
Jetzt wird es interessant. Kara ist nächste Saison kein U23-Spieler mehr und musste nun liefern, um sich eine der wenigen Ü23-Stellen im Sturm der Grizzlys zu sichern. Wegen des Verletzungschaos im Wolfsburger Team bekam er enorm viel Eiszeit und spielte dabei eine, für mich, überzeugende Saison an der Seite von ständig wechselnden Mitspielern. Besonders in den letzten Wochen ist dabei etwas in Gang gekommen, was für seine Zukunft äußerst wichtig erscheint: Karachun gelingt es zusehends besser, seine über den Sommer enorm aufgebaute Masse zielgerichtet einzusetzen! Für einen überdurchschnittlichen Power Forward in spe das Wichtigste überhaupt. Einen Spieler mit derartigen körperlichen Anlagen gepaart mit soliden spielerischen Fähigkeiten wird man wohl nur mit viel Glück neu verpflichten können.
Prognose: Es wird knapp für Kara. Angesichts des ewigen Verletzungspechs sollte man aber weiter auf ihn und seine stetige Entwicklung setzen. Nach den erzielten Fortschritten der laufenden Saison (zuletzt an der Seite von Latta und Aubin!!!) wäre es eine Sünde ihn genau jetzt abzugeben!

Marius Möchel
Nach verheißungsvollem Start (gehörte im chaotischen Saisonbeginn zu den Lichtblicken) verletzte sich auch Möchel. Nach seiner Rückkehr ins Team konnte der Neuzugang bisher nicht annähernd an seine zu Beginn gezeigten Leistungen anknüpfen. Eine solide Verpflichtung unseres Managers mit Potential für mehr.
Prognose: Erfüllt seinen Vertrag und könnte nächste Saison für eine Überraschung sorgen.

Christoph Höhenleitner
Wolfsburgs Dauerbrenner überzeugte zunächst, war zu Beginn mit Foucault sogar einziger Grizzly in wirklich guter Form. Dann die Verletzung nach einem Revanchefoul in Augsburg und sein starkes Comeback, gefolgt vom klassischen Leistungsloch nach längerer Auszeit.
Prognose: Vertrag ist verlängert (2020) und wird natürlich erfüllt. Zum Glück!

Petr Pohl
Bei Nürnberg auf dem Abstellgleis kam Pohl unter der Saison zu den verletzungsgebeutelten Grizzlys. Mit deutschem Pass und durchaus brauchbarer Punkteausbeute hat sich der 32jährige Stürmer für neue Aufgaben in der kommenden Spielzeit durchaus empfehlen können. Trotz seines Hattricks gegen Ingolstadt empfinde ich ihn weiterhin als Kringeldreher, dem einfach die Dynamik für den Spielstil in der DEL fehlt. Vor allem defensiv mit einigen Fragezeichen behaftet.
Prognose: Technisch begabt, aber mit wenig Durchsetzungskraft ausgestattet bleibt es wohl eine Frage der Grundausrichtung des Teams, ob Pohl einen Anschlussvertrag in Wolfsburg bekommen wird. Da uns in Wolfsburg das Geld für eine hochtalentierte "Künstlertruppe" fehlt, stehen die Zeichen wohl eher auf Trennung.

Jeremy Welsh
Neben Sparre die wohl beste Nachverpflichtung der Grizzlys.
Zwar wirkt der gelernte Center im Rückwärtsgang mal ab und zu etwas verwirrt, aber ansonsten stimmt beim kanadischen Stürmer so ziemlich alles, was man sich wohl von ihm erwartet hatte: Stark am Bullypunkt, gutes Auge für den Nebenmann (Machacek/Sparre), ordentliche Physis. Im Abschluss könnte er noch den einen oder anderen mehr versenken, aber da ist er ja nicht allein...
Prognose: Man wird wohl versuchen, seine Reihe für die kommende Saison unter Vertrag zu halten. Eine eingespielte 2.Reihe (?) könnte beim Neuaufbau sicherlich sehr hilfreich sein.

Gerrit Fauser
Schwache Rückkehr von seiner schweren Verletzung. Dann wieder verletzt...und wieder schwach zurückgekehrt. Im Saisonendspurt knüpft der Wolfsburger Nationalspieler langsam wieder an gewohnte Leistungen an, die man in der kommenden Saison auch bitter nötig haben wird.
Prognose: Erfüllt natürlich seinen Vertrag und wird uns mangels Finanzkraft dann als letzter verbliebener Nationalspieler nach Mannheim, Nürnberg, München, Köln, Düsseldorf, Berlin oder Ingolstadt verlassen. Sollte VW nicht doch noch die Portokasse öffnen und beim Eishockey ernst machen, wird er für lange Zeit unser letzter gewesen sein...
Nach VfL-Herren mit Stadion, VfL-Damen mit Stadion, DfB-Pokal und "die Mannschaft" rechne ich allerdings eher mit einem Engagement im brandneuen Marktsegment des Hundefußballs (mit Stadion), als mit einer Etaterhöhung beim EHC.

Brent Aubin
Brennt Aubin? Nein. Er glüht höchstens - und zwar vor Wut über seine eigenen Leistungen und handelt sich dann saudumme Strafen ein. Nichts, was ich menschlich nicht nachvollziehen könnte, aber auch nichts, was für eine Fortführung des Vertragsverhältnisses sprechen würde.
Nachdem man mit Mark Voakes das absolute Gehirn dieses Teams hat gehen lassen, litt keiner so sehr unter dieser Umstellung, wie Torjäger Aubin. Magere fünf Tore kann der sonst so zielsichere Stürmer in der laufenden Saison vorweisen und hat eigentlich zu keinem Zeitpunkt erkennen lassen, dass sich so etwas wie Besserung ergeben könnte - egal mit wem als Reihenpartner.
Prognose: Die Wege trennen sich, der noch laufende Vertrag wird wohl aufgelöst. Nach den zuletzt angebotenen Leistungen wäre es nicht verwunderlich, wenn er sich die eine oder andere verbliebene Partie sogar von der Tribüne aus angucken muss.

Sebastian Furchner
Startete extrem schwach und oft auch unglücklich in die Saison. Streckenweise musste man wirklich Angst haben, wenn Furchis Reihe das Eis betrat. Schwächephasen hatte es bei ihm, wie bei jedem Sportler, schon öfter gegeben, doch deren Länge nimmt in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Gegen Mitte der Spielzeit nahm die Formkurve dann aber endlich wieder Kurs gen Norden, so dass der Kapitän das Team mittlerweile auch wieder durch Leistung führen kann.
Prognose: Furchi ist für das Team und die Organisation enorm wichtig, da erzähle ich hier keinem was Neues. Wird seinen Vertrag wohl tatsächlich auf dem Eis erfüllen, wenngleich mir ein Stammplatz mit dem Leistungsquerschnitt dieser Saison große Bauchschmerzen machen würde. Hoffen wir auf eine letzte große Willensleistung unserer Nr.17!

Cole Cassels
Brauchte etwas Zeit, um sich auf europäischem Eis zurechtzufinden. Als 3.Reihe-Center geholt, zeigte der 23 Jahre junge Cassels einige gute Ansätze, musste dabei gerade zu Beginn plötzlich viel mehr Verantwortung übernehmen, als man für ihn vorgesehen hatte. Sollte die in ihn gesetzten Erwartung vermutlich größtenteils erfüllt haben. Defensiv ausbaufähig.
Prognose: Könnte aus finanziellen Gründen auch in der kommenden Saison eine Option sein; zudem muss Haskins ja auch bestimmte Anlagen bei ihm gesehen haben, die im Laufe der nächsten Jahre voll zum Tragen kommen könnten. Nicht vergessen: Der Junge ist 23 und das erste Mal außerhalb Nordamerikas unterwegs!

Spencer Machacek
Wenn im Team der Grizzlys überhaupt irgendjemand mehr gezeigt hat, als man erwartet hatte, dann Spencer Machacek. Der robuste Kanadier sprang in die Bresche, als das Scoring der Grizzlys völlig zum Erliegen kam. Eigentlich als Zwei-Wege-Stürmer vorgesehen ist er mittlerweile Torschützenkönig der Grizzlys mit 14 Saisontoren.
Prognose: Eine Vertragsverlängerung erscheint mehr als wahrscheinlich. Sowohl die individuelle Leistung, als auch der Ertrag seiner Stammformation lassen dies erahnen.

Daniel Sparre
Meist ein Quell der Freude für das leidgeprüfte Wolfsburger Publikum. Der 34jährigen Nachverpflichtung merkte man sein Alter zu keinem Zeitpunkt an, im Gegenteil: Häufig glänzte er durch enorme Schnelligkeit und den unbedingten Willen den Puck vor das gegnerische Tor zu bringen. Eigenschaften, die Teile des Teams immer wieder einmal komplett vermissen ließen. Manchmal etwas eigensinnig und defensiv nicht immer so verantwortungsvoll wie man es sich vielleicht wünschen würde. Top-Scorer und Top-Verpflichtung in dieser Spielzeit - und das mit deutschem Pass!
Prognose: Sparres Alter könnte bei einer Weiterverpflichtung hilfreich sein. Wenn man finanziell zusammenfindet, wird der kleine Flügelflitzer wohl in Wolfsburg bleiben.

Fazit:
Kann man die Reihe um Welsh halten, dann wird es wohl nur in der potentiell 1.Reihe mit 2 oder 3 Ausländern einen kompletten Neuaufbau geben. Ich würde hier 2 Ausländer bevorzugen, um 4 Lizenzen im Bereich Defensive vergeben zu können. Das Aufbauspiel unter Druck MUSS besser werden und mit dem bestehenden Personal sehe ich da kaum Grund zur Hoffnung.
Bei den deutschen Spielern im Sturm würde mich mehr als ein (U23) Zugang stark wundern. Bleiben wir mit unserem Verletzungsaufkommen endlich einmal im gängigen Rahmen, mache ich mir da auch nicht so große Sorgen. Die künftige Scoring-Line dürfte letztlich über das Wohl und Wehe der kommenden Saison entscheiden.
Ich wünsche unserem Manager für diese Aufgabe, dass er im richtigen Moment am richtigen Ort ist und vielleicht einmal wieder ein paar echte Volltreffer für uns landen kann!

Trainerstab

Cheftrainer
Hans Kossmann hat sich mit der Mission Play-offs in Wolfsburg keine große Freude gemacht. Das merkt man dem knorrigen Kanadier mit Schweizer Pass eigentlich bei jedem seiner Interviews an. Ähnlich reserviert reagiert der Wolfsburger Coach, der unter der Saison vom mangels Erfolg gefeuerten Pekka Tirkkonen übernahm, wenn ihn die Presse auf seine Zukunft in der VW-Stadt anspricht.
Während das angepeilte Ziel, die Play-offs, droht krachend deutlich verfehlt zu werden, wurden die angebotenen Leistungen des Teams im Laufe der Zeit deutlich stabiler. Nachdem nun wenig Hoffnung auf die Teilnahme an der schönsten Zeit des Jahres besteht, kommt es wohl doch noch zu Auflösungserscheinungen (s. letztes Spiel gegen Ingolstadt).
Prognose: Kossmann hat offenbar keine Lust auf die Grizzlys und die DEL. Ein Nachfolger ist hoffentlich schon in Arbeit. Sein Konzept der fest vergebenen Spiele für die beiden Goalies darf er gerne mitnehmen, ansonsten würden wir einen ausgesprochen kompetent agierenden Headcoach verlieren, der u.a. mit Steven Raabes Berufung auch positive Erinnerungen an dieses üble Saison zurücklassen würde.

Assistenztrainer
Niklas Gällstedt ist für die Defensive zuständig. Wir sind die Schießbude der Liga, selbst, nachdem sich unsere Personalsituation gefestigt hat. Mehr muss man eigentlich nicht schreiben. Will man Ergebnis und Verantwortliche nicht komplett entkoppeln und alles, wirklich alles auf die Umstände schieben, dann ist diese Personalie völlig klar.
Prognose: Der schmale Etat ließ wohl andere Baustellen zunächst wichtiger erscheinen. Die Wege der Grizzlys und Gällstedt trennen sich. Meiner Meinung nach einige Monate zu spät.
Eine Verpflichtung von Miloslav Horava wäre für mich, nebenbei bemerkt, ein echtes Highlight. Noch nie habe ich die Auswirkungen eines Defensivcoaches so deutlich sehen dürfen, wie in der kurzen Zeit, in der der tschechische Defensivspezialist bei uns 2016/2017 seinen Dienst verrichtete. Gerade die momentanen Sorgenkinder Wurm und Krupp agierten damals wie verwandelt und glänzte durch viel Autorität und gut koordiniertes Körperspiel. Nur so 'ne Idee...

Fazit:
Auf den Trainerpositionen kommt es wohl zum nächsten Neuanfang. Untypisch für die sonst so stoisch agierenden Grizzlys (Mikes, Krinner, Gross).
Konnte man Tirkkonen noch als Bob-Leslie-Äquivalent abtun, so wäre ein erneuter Wechsel schon etwas gefährlich, muss man sich doch frühzeitig für die erste Saison mit Abstieg (20/21) präparieren! Denn eins scheint fest zu stehen: Ohne überragendes Teambuilding, klare Identität und den einen oder anderen Volltreffer auf dem Transfermarkt, gehören wir schon rein von unseren finanziellen Möglichkeiten immer zu den gefährdeten Teams. Mit steigender U23 Zahl wird sich die Lücke zwischen armen und reichen Clubs zudem weiter öffnen und ohne zweite Eisfläche besteht auch hier nur wenig Hoffnung auf hausgemachte Lösungen. Viel Arbeit für Charly in den nächsten Jahren! mb