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Spielberichte 18/19

EHC - Iserlohn Roosters 5:4 n.V.

  • Geschrieben von Martin
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Erfolgreiches Chaos zum Dessert

Zum Abschluss dieser eher unverdaulichen Saison reichten die Grizzlys ihren Fans noch einmal einen Querschnitt der meist ärgerlichen Ereignisse der vergangenen Monate zum Nachtisch. Eine der wenigen positiven Erkenntnisse, dass das Team von der Aller nie aufgibt, sollte dann aber doch für ein ebenso unterhaltsames wie versöhnliches Ende sorgen.
So bekam die mit 3662 Zuschauern mehr als gut gefüllte Arena in den ersten 20 Minuten also den ersten Anschauungsunterricht, warum sich in der kommenden Spielzeit so einiges ändern muss und vermutlich auch wird: Wolfsburg agierte weitgehend harmlos gegen läuferisch überlegene Roosters und konnte sich beim seit Wochen überragend agierenden Leggio bedanken, dass bis dahin lediglich Lean Bergmann (8.) einen Torerfolg für die Gäste verbuchen konnte. Als Iserlohn sich schließlich selber schwächte und durch drei dumme Strafen (13./16.+18.) ganze sechs Minuten in Unterzahl verbringen durfte, führten die Grizzlys ihre gefürchteten Powerplaykünste vor und kassierten fast selber den elften Shorthander der Saison durch Justin Florek. Das sollte allerdings noch gelingen...
Im Mittelabschnitt nahm zunächst die Dominanz der Roosters weiter zu. Im Minutentakt musste Wolfsburgs Bester im Tor der Grizzlys sein Können unter Beweis stellen, um seine Farben im Spiel zu halten. Als dann, reichlich überraschend, Wolfsburg tatsächlich der Ausgleich im Powerplay (!) gelang, mischte sich wohl bei so manchem auf den Rängen ein Schmunzeln in den Jubel. Machacek hatte unhaltbar zum 1:1 abfälschen können (33.) und leitete prompt die erste vorzeigbare Phase der Grizzlys ein. Mit einem trotzdem reichlich absurden Unentschieden ging es zum zweiten Mal in die Kabinen.
Weiter ging die muntere Fahrt über den Rummelplatz, der diese Saison darstellen sollte. Nächste Attraktion: Geisterbahn. Wie schon in Straubing erneut zu bewundern, ließ sich das Team von der Aller innerhalb von 1,5 Minuten das Spiel komplett aus der Hand nehmen - bei eigener Überzahl! Das 1:2 durch Florek (41.) stellte dabei den elften Shorthander der laufenden Spielzeit und damit Ligarekord dar, fiel in leider ebenfalls bekannter Weise völlig unglücklich als Abpraller vom zurückgeeilten Fauser - der Puck blieb schließlich exakt hinter der Linie liegen. Kaum war Caporusso von der Strafbank zurück, war er auch schon am 1:3 durch Camara beteiligt. Ganze 78 Sekunden lagen zwischen den Treffern und so mancher sehnte wohl längst das Ende des Spiels und der Saison herbei. Doch die Begegnung hatte noch einiges für die treuen Fans der Grizzlys parat! Nächstes Fahrgeschäft: Achterbahn.
Dan Sparre hatte noch nicht genug. Wild entschlossen schnappte sich der Topscorer der Grizzlys das Spielgerät an der eigenen blauen Linie von einem Gegenspieler (44.) und eilte Richtung gegnerisches Gehäuse. Kleine Bremsung, Gegner und Mitspieler rauschen vorbei, Puck landet im Winkel - Halle tobt!
Und es kam noch besser: Zwei Minuten später gelingt es Gerrit Fauser auch auf der anderen Seite einzunetzen, als er einen Rebound aus nächster Nähe über den geschlagenen Hovinen bugsieren kann. Der kaum für möglich gehaltene Ausgleich war Wirklichkeit geworden.
Ein offener Schlagabtausch mit extrem hohen Unterhaltungswert entwickelte sich nun, der als nächstes wieder die Gäste jubeln ließ. Topstürmer Matsumoto gelang nach einem Wolfsburger Puckverlust die nunmehr dritte Führung (53.) für seine Farben und nutzte somit eine der nur allzu bekannten individuellen Schwächen der Wolfsburger Defensive eiskalt aus.
Es folgte die letzte Station auf dem Rundgang über den Jahrmarkt am Allersee: Das Märchenland.
Wie nach einem der allseits beliebten Disney-Rezepte gestrickt entfaltete sich schließlich das versöhnliche Ende dieser Saison. Ausgerechnet Kris Foucault, der nach schier endlos langer Verletzungspause sein erstes Saisonspiel seit den Anfängen dieser Spielzeit machen konnte, sollte der Partie die endgültige Wende bringen. Sein Treffer zum 4:4 Ausgleich (56.) zog neben Riesenjubel auf den Rängen zunächst eine Karawane an Gratulanten nach sich, die allesamt zur erfolgreichen Rückkehr aufs Eis gratulieren wollten. Als Wolfsburgs verhinderter Top-Torjäger dann nach 14 Sekunden Verlängerung auch den 5:4 Siegtreffer markieren konnte, gab es kein Halten mehr und eine wirklich üble Saison fand einen schon fast seltsam euphorisch anmutenden Ausklang.
Tatsächlich bleibt nach den inkonsistenten Auftritten 2018/2019 nur die Hoffnung auf Besserung, die in den letzten Wochen in entsprechenden Interviews immer wieder beschworen wurde.

Teamcheck

Tor
Schade, dass Leggio keinen deutschen Pass hat. Seit Wochen in überragender Form und auf jeden Fall eine Option, falls mit den zwei deutschen Goalies über den Sommer doch noch etwas schief geht. Hoffen wir, dass diese Phase in unserem Verein nun überstanden ist...

Verteidigung
Eigentlich kann man nach dieser Saison (und auch nach diesem Spiel) keinen der aktuellen Verteidiger ernsthaft weiter unter Vertrag halten. Bestenfalls Wrenn konnte in den letzten Wochen so etwas wie Zuverlässigkeit und Konstanz vorweisen, Dehner vielleicht mit kleineren Abstrichen noch im grünen Bereich. Was alleine Wurm und Bergman für Klöpse in einem Spiel fabrizieren, das reicht normalerweise für 3-4 (schlechte) Wochen. In aktueller Verfassung Verteidiger Nr.7 und Nr.8 - egal wer da noch kommt oder geht.
Likens nach stabiler Saison doch wieder mit steigender Zahl an Chaosanfällen an der gegnerischen Blauen, Krupp weit unter seinen Möglichkeiten.

Sturm
Foucault mit Traum-Comeback, macht zwei Tore und zeigt ganz nebenbei, wie ein Ausnahmekönner die entscheidenden Punkte für die Grizzlys hätte einfahren können.
Die Reihe um Welsh macht weiter einen guten Job, wobei Sparres unbedingter Wille zu jedem Zeitpunkt doch noch ein Tor zu erzielen (Zug zum Tor!) besonders Freude bereitete.
Insgesamt hat außerhalb dieser Reihe kein Akteur ohne laufenden Vertrag zusätzlich auf sich aufmerksam machen können. Die Verträge von Aubin und Latta sind darüber hinaus weiterhin diskutabel geblieben.

Auf ein Neues in der Saison 2019/2020! Die Teilnahme an den Play-offs wird wohl etwas von ihrer Selbstverständlichkeit eingebüßt haben - und das ist gut so! mb