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Spielberichte 18/19

EHC - Adler Mannheim 4:3 n.V.

  • Geschrieben von Martin
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Vorweihnachtliche Freuden

Es war ein doch eher reservierter Empfang, den das Wolfsburger Publikum seinem ehemaligen Erfolgstrainer, aber auch dem eigenen Team bereitete. Zu sehr hatten die vergangenen Wochen an der Moral der Fans gezehrt, zu sehr hatte auch die Einstellung - sonst ein Merkmal der Grizzlys - in den letzten beiden Partien zu wünschen übrig gelassen.
So gestaltete sich der erste Spielabschnitt auch irgendwie seltsam gehemmt. Beide Teams, jeweils um 8 bzw. 7 Stammspieler reduziert, traten recht kontrolliert und ohne die letzte Durchschlagskraft auf. Im Falle der Gastgeber durchaus eine Verbesserung, im Falle der Adler doch etwas überraschend, da wenig zwingend.
Trotz des leichten spielerischen Übergewichts der Adler waren es zunächst die Grizzlys, die den ersten "Hundertprozenter" verbuchen und leider auch vergeben konnten. Dennis Endras im Tor der Gäste, der einen absoluten Sahnetag erwischte, parierte (7.) erst gegen den frei zum Abschluss kommenden Furchner, um dann per Hechtsprung auch noch den Rebound durch den aufgerückten Likens abzuwehren.
Fast im Anschluss wanderte allerdings mit Furchner einer der Hauptbeteiligten dieser Szene auf die Strafbank - keine gute Idee gegen das beste Powerplay der Liga.
Das 0:1 durch Desjardins lies dann auch nicht lange auf sich warten, so dass dem ohnehin sehr zurückhaltenden Publikum wohl Übles schwante. Doch da sollten sich die Pessimisten (oder Realisten?) unter den Grizzlyfans täuschen! Wolfsburg blieb stabil, hielt gut mit und konnte sogar eine zweite Unterzahl, fast im direkten Anschluss, schadlos überstehen. Vorangegangen war ein Hip-Check durch Jeff Likens, der vermutlich dramatisch schief gegangen war: Statt am Oberschenkel soll der Wolfsburger Verteidiger seinen Kontrahenten Plachta am Knie oder darunter erwischt haben (Clipping), worauf dieser mit einer Beinverletzung das Eis verlassen musste.
Kaum war die besagte Unterzahl überstanden, da kehrten die Grizzlys durch einen unhaltbar abgefälschten Raabe-Schuss (15.) auch auf dem Scoreboard voll in die Partie zurück. Kapitän Furchner hatte dem Schuss des Wolfsburger Eigengewächs' die entscheidende Richtungsänderung verpasst - die überschwänglichen Gratulationen gingen trotzdem eher an Raabe, als an den Torschützen.
Mit etwas Glück und nicht ganz unverdient ging es mit 1:1 in die erste Pause dieser unerwartet knappen Begegnung.
In der Unterbrechung hatte es wohl deutliche Worte in der Adler-Kabine gegeben, denn die zuvor leichte Überlegenheit der Gäste sollte sich in eine wesentlich klarere verwandeln. Nachdem die Gastgeber, auch dank einer frühen Strafe gegen Mannheim (23.) noch etwas mitspielen durften, war spätestens nach Ablauf dieses Powerplays nur noch der Gast am Drücker.
Mit viel Einsatz und Geschick, aber auch etwas Glück gelang es den Grizzlys trotzdem das Spiel offen zu halten. Nach Kolariks Treffer (29.) zum 1:2 mussten die Gastgeber noch ganze sechs Minuten Unterzahl bis zur nächsten Pause überstehen und lösten diese Aufgabe vorbildlich. Bei eigener Überzahl (35.) verbuchten sie dabei sogar eine weitere Riesenchancen, doch fast ähnlich spektakulär wie im ersten Spielabschnitt rettete Dennis Endras, dieses Mal gegen Aubin, als er blitzschnell die Seiten in seinem Gehäuse wechselte und den One-Timer rechtzeitig entschärfen konnte.
Die weiterhin überraschend enge Partie ging also mit einer verdienten, aber eben denkbar knappen Führung für die Gäste in die zweite Unterbrechung.
Wieder gehörte der Auftakt eines Drittels den Grizzlys, wieder sollten die sich ergebenden Hochkaräter (Pfostenknaller durch Bergman) nicht zu Zählbarem führen...und wieder übernahmen die Gäste das weitere Geschehen auf dem Eis. Doch ein ums andere Mal scheiterten die Adler am Wolfsburger Mann zwischen den Pfosten: David Leggio hatte erneut den Vorzug vor dem in Nürnberg zuletzt derangiert wirkenden Kuhn erhalten und machte seine Sache mehr als ordentlich.
Als Wolfsburgs Cassels dann bei einem schnellen Konter nur noch regelwidrig gestoppt werden konnte (51.), witterte Wolfsburgs Team samt Fans noch einmal Morgenluft. Und tatsächlich: Cassels gelang es im folgenden Penalty den bis dahin unüberwindlich scheinenden Endras mit einem schönen Diagonalschuss zum 2:2 zu überwinden. Die Halle erwachte jetzt endgültig zum Leben, die Grizzlys schienen nun richtig in Schwung zu kommen! Doch schon zwei Minuten später sollte eine fragwürdige Entscheidung gegen Wolfsburgs Möchel wegen Beinstellens den aufkommenden Elan der Gastgeber jäh zum Erliegen bringen. Da die Flugeinlage seines Mannheimer Gegenspielers ungeahndet blieb, ging es für Möchel folglich allein auf die Strafbank. Die Grizzlys kämpften zwar tapfer die zwei Minuten von der Uhr, kassierten aber 16 Sekunden nach Ablauf der Strafe (56.) trotzdem das 2:3 durch Mannheims Möser (der heißt wirklich so). Wolfsburg musste sich sichtbar schütteln, um diesen Tiefschlag noch einmal zu verdauen und doch: Sie kamen noch einmal zurück! Kaum war Leggio per spektakulärem Hechtsprung hinter der Bande der Spielerbank verschwunden, schon klingelte es hinter seinem Gegenüber (59.). Der klassische Versuch, mit einem sechsten Feldspieler die Begegnung zu drehen, war erfolgreich gewesen. Aubin hatte per No-Look-Pass seinen Mitspieler vor dem Tor gefunden, Machacek schickte die Halle mit seinem Treffer dann in die erste Stufe der Glückseligkeit. Kaum hatten die Grizzlys den durchaus glücklichen Punkt über die Zeit gerettet, da setzte mit Daniel Sparre ausgerechnet ein Ex-Adler das finale Ausrufezeichen. Ein vergleichsweise rasant vorgetragenen Spielzug der Grizzlys reichte, um die Verlängerung nach gerade einmal 38 Sekunden auch gleich wieder zu beenden. Sparres Knaller zündete in einer gigantischen Explosion die zweite Stufe der Feierlichkeiten dieser zu Beginn reichlich frostigen Partie.
Bleibt zu hoffen, dass das Team aus der Gaudi nach Abpfiff endlich wieder einen Teil des nötigen Selbstbewusstseins und der nötigen Zuversicht gewinnen kann, um diese bescheidene Saison für alle Beteiligten noch in etwas Erträgliches zu verwandeln. Indes die Hoffnung erst einmal eine sehr vage bleibt - denn der nächste Gegner heißt dann auch gleich mal Red Bull!

Teamcheck

Tor
Leggio endlich mit einer stabilen, streckenweise sogar starken Leistung. Unabdingbar, wenn man irgendwie noch den Weg aus dem Keller finden will. Mit Konstanz sind wir in diesem Mannschaftsteil ja bisher nicht gerade gesegnet...da machte sein Kollege Kuhn zuletzt leider auch keine Ausnahme.
Nun gilt es auch auswärts mal eine Bombenpartie hinzulegen und dem Team die Chance auf weitere Überraschungen zu geben.

Verteidigung
Nach der mädchenhaften Vorstellung in Augsburg präsentierten sich Krupp und Bergman tatsächlich nicht nur verbessert, sondern gleich richtig gut. Zweikampfhärte und Nähe zum Gegner stimmten jedenfalls wieder einigermaßen und Bergmans Vorarbeit zum entscheidenden Treffer (Puckrettung und scharfer Pass) war gleich mal eine Aktion aller erster Kajüte!
Steven Raabe ist mit seinem Assist natürlich über jeden Zweifel erhaben ;)
Trotzdem freue ich mich, wenn Wrenn zügig zurückkehrt und das Wolfsburger Nachwuchstalent wieder im Sturm zum Einsatz kommt. Von den physischen Voraussetzungen sehe ich ihn dort in den kommenden Jahren schneller den Anschluss finden.

Sturm
Ordentliches Backchecking steht hier auf der Haben-Seite, die Passgenauigkeit befindet sich hingegen weiter tief im Soll. So oft, wie sich da gegenseitig der Puck in die Schlittschuhe geschossen wird, stolpert noch mal einer drüber...und verletzt sich natürlich.
Gegen die erschöpft wirkenden Adler reichten eine Handvoll präzise vorgetragener Angriffe, um trotzdem eine beachtliche Menge an hochkarätigen Chancen heraus zu spielen. Wäre Endras nicht in Top-Form gewesen, so wären vermutlich sogar drei Punkte in Wolfsburg geblieben, was das Spiel noch einen Tick absurder gemacht hätte.
Wirklich herausstechen konnten aus dem gewissenhaft arbeitenden Kollektiv lediglich Sparre und Cassels, die mittlerweile konstant gute Leistungen abrufen. Ansonsten kann ich, bei aller Freude über den Sieg, hier keine wirklichen Fortschritte erkennen.
Da München offenbar ähnlich wie Mannheim momentan wenig konstant abliefert, hoffe ich auf weitere Motivations-Spritzen für unser arg gebeuteltes Team (Elkins, Albert, Ohmann, Foucault, Höhenleitner, Weiß und Latta fallen weiter aus). Auch wenn diese Hoffnung ein wenig vermessen erscheinen mag. mb