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EHC - Iserlohn Roosters 4:2

Hauptrundenausklang im Trainingsmodus

Lange Zeit sah es so aus, als bekämen die rund 100 mitgereisten Fans der Roosters nach einer katastrophal verlaufenen Saison noch einmal etwas zu Feiern. Iserlohn hatte im Laufe der Hauptrunde gleich zwei als Leistungsträger verpflichtete Akteure ihrer Wege ziehen lassen, nachdem sich sowohl Blair Jones als auch Matt Halischuk eher als Störfaktoren denn als große Verstärkung herausgestellt hatten. Der verbliebene, nach zahlreichen Abgängen in der Sommerpause qualitativ eher bescheidene Kader brachte die Saison ab Ende Januar mehr schlecht als recht über die Runden. Ohne Chance auf eine Qualifikation für die Play-offs in der Eisarena angetreten, sollten die Roosters doch zumindest Gelegenheit bekommen, an einem finalen Auswärtssieg zu schnuppern. Wolfsburg hingegen, längst direkt für das Viertelfinale qualifiziert, ließ es zunächst extrem entspannt angehen, wollte die Partie offenbar nur mit spielerischen Mitteln lösen...und scheiterte damit fast 40 Minuten lang kläglich.
In einem äußerst langatmigen ersten Drittel hatten zwar beide Teams ihre Chancen, doch man merkte schnell: 100 Prozent ist hier, mit Ausnahme der Torleute, keiner mehr bei der Sache. Nicht die besten Voraussetzungen für ein gutes und intensives Eishockeyspiel. Intensiv wurde es in der 10.Minute dann doch einmal - allerdings anders, als man sich das als Fan wünscht. Iserlohns Dziurzynski beförderte Jeff Likens übertrieben hart in die Bande und beendet damit die Partie für den Wolfsburger Verteidiger. Aber auch Dziurzynski hatte von da an Dienstschluss und musste mit einer 5 + Spieldauer Strafe frühzeitig die Kabine aufsuchen. Die folgende fünfminütige Überzahl gestalteten die Hausherren, ohne Likens und ohne Einstellung, reichlich chaotisch und wenig erfolgreich. Rallos Unterzahltreffer (12.) setzte dem Geschehen dann endgültig die Narrenkappe auf. Während die Grizzlys bei ihren wenigen Nachschuss-Chancen im Slot einfach zu inkonsequent wirkten, packten die Gäste ihr Glück beim Schopf und zogen den ersten Konter in Unterzahl eiskalt durch. Auch in den verbliebenen Powerplayminuten wie auch dem Rest des Drittels wollte beim EHC einfach nicht der Funke überspringen - es blieb eine reichlich blutleere Veranstaltung.
Im Mitteldrittel beließen es die Hausherren erneut bei einigen Alibi-Angriffen zum Auftakt, bevor wieder der IEC das Kommando auf dem Eis übernehmen durfte. Beim 0:2 durch Blank (25.) schien das gesamte Personal der Gastgeber auf einem Schlittschuh unterwegs zu sein, so langsam und halbherzig intervenierten die Grizzlys beim schnellen Gegenstoß der Roosters, der zum zweiten Torerfolg führen sollte. Es hätte in der Folgezeit locker noch das eine oder andere Mal im Netz der Grizzlys einschlagen können, doch die "Katze" verhinderte mit einigen sehenswerten Reflexen weiteren Schaden auf der Anzeigetafel. Wer weiß, ob der EHC noch einmal die Kurve gekriegt hätte, wenn mit Haskins und Aubin nicht doch noch zwei Akteure mit entsprechendem Ehrgeiz einen Geistesblitz ausgepackt hätten. Rund drei Minuten vor dem Ende dieses aus Wolfsburger Sicht quälenden Drittel startete Top-Torjäger Aubin direkt von der Strafbank in Richtung Pickard und bekam, sehr zur Freude der leicht angeödeten Heimfans, den Puck von seinem Kapitän blitzsauber in den Lauf gespielt. Blitzschnell feuerte Aubin den Handgelenkschuss in den Winkel und ließ die heimischen Fans aus ihrer Lethargie erwachen. Sollte hier doch noch so etwas wie ein richtiges Eishockeyspiel stattfinden? Die Angriffsmaschinerie der Grizzlys sprang jedenfalls deutlich sichtbar an, so dass die Anzahl der Grizzly-Chancen in den letzten drei Minuten des Drittels ungefähr den Chancen im gesamten Drittel entsprachen.
Das Schlussdrittel sorgte dann doch endlich wieder für etwas Spaß auf den mit rund 2300 Zuschauern eher dünn gefüllten Rängen (parallele VfL-Heldentaten und die feststehende Quali für das Viertelfinale zeigten Wirkung). Nachdem sich die Roosters noch einige Minuten lang gut aus der Affäre ziehen konnten und es somit Torszenen auf beiden Seiten zu verzeichnen gab, entschieden die zwei Dienstältesten das Spiel binnen drei Minuten zugunsten des Heimteams. Erst war Furchner mit seinem 23. Saisontreffer per Abstauber zur Stelle (49.), dann versenkte Höhenleitner ein Anspiel von Aubin in den Maschen, nachdem dieser den Puck vom Torhüter der Sauerländer "überreicht" bekommen hatte. Schade für den sonst gut aufgelegten Pickard im Tor der Gäste, schön für die Grizzlys, die so den 15. Heimsieg der Saison eintüten konnten.
9 Sekunden vor dem Ende gelang Wolfsburgs Furchner mit dem Schuss ins leere Tor sogar noch Saisontreffer Nr. 24 - der Routinier steigert sich somit im sechsten Jahr in Folge (10, 12, 17, 18, 21, 22 und nun 24+ Tore) und stellt nebenbei einen neuen persönlichen Torrekord auf. Ein Spiel hat er ja noch ;)
Mit dem späten Sieg machte der EHC nicht nur den fünften Tabellenplatz klar, sondern weiß nun auch, gegen wen es im Viertelfinale zu bestehen gilt. Mit den Kölner Haien wartet jetzt ein äußerst unangenehmer Gegner auf die Grizzlys, der sowohl im Tor als auch in der Verteidigung mit unglaublich viel Qualität ausgestattet ist. Während der Hauptrunde gewann in allen vier Duellen jeweils das Auswärtsteam, was auf einen spannenden Verlauf der Serie hoffen lässt. Rein von der Papierform her ist der Tabellenvierte vom Rhein allerdings relativ klarer Favorit - was das Team von der Aller in den vergangenen Jahren jedoch selten gestört hat.

Teamcheck

Tor
Felix Brückmann mit einer sehr stabilen Vorstellung, hält sein reichlich zahm agierendes Team im Rennen um die Punkte. Am Ende ein Garant für die vorzeitige Eroberung des fünften Tabellenplatzes. In den Play-offs klar gesetzt.

Verteidigung
So sehr man sich über Likens aufgrund seiner Risikobereitschaft in der Hauptrunde aufregen kann, so sehr würde er in den Play-offs fehlen! Hoffentlich kann unser Team in zwei Wochen wieder auf den verrückten Hund mit der Nr.9 zurückgreifen. Vor allem im Powerplay nicht zu ersetzen!
Ansonsten ist es bei so einer Kringeldrehervorstellung schwer zu beurteilen, wer gerade besonders gut oder weniger gut drauf ist. Einzig Alex Dotzler kann einem da, aufgrund der Gesamtschau der letzten Spiele, etwas Sorgen machen. Der sonst so extrem zuverlässig und robust spielende Dotzler wirkt seit seiner Verletzung reichlich verunsichert.
Binas Comeback darf hingegen als gelungen bezeichnet werden - zumindest gemessen an der mittlerweile fehlenden Wettkampf-Praxis.

Sturm
In einem zunächst sehr emotionsfreien Auftritt fiel kaum ein Akteur durch besonders großen Willen auf. Lediglich Furchi kann wohl nicht anders und Youngster Karachun wollte natürlich, wie eigentlich immer, jeden Moment nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Einen Willen, den man bei Philip Riefers leider nicht unbedingt sehen konnte, obwohl er neben Dibelka der einzige deutsche Akteur im Sturm der Grizzlys ist, der noch ohne Anschlussvertrag ist. Viel zu langsam und zahm agierend konnte er in Vertretung des erkrankten Fauser seine Chance neben Kapitän Haskins und Sebastian Furchner zu keinem Zeitpunkt nutzen. Besagter Dibelka verrichtet weiterhin geradezu geisterhaft unauffällig, aber auch recht zuverlässig seinen Dienst. Gegentore fallen bei Dibelkas Anwesenheit auf dem Eis jedenfalls kaum...
Am Ende ließen dann mit Furchner, Höhenleitner, Haskins und Aubin die üblichen Verdächtigen ihre Fähigkeiten aufblitzen. Magic-Mark hingegen legte wohl so etwas wie eine kreative Pause in Vorfreude auf die Play-offs ein. Ohne Hisey (überzählig wegen Bina-Spielpraxis), Pfohl (verletzt) und Fauser (krank) wirkten die um Seifert ergänzten Sturmreihen der Grizzlys jedenfalls reichlich müde und teilweise etwas wirr. mb

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