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EHC - Straubing Tigers 1:4

Eine Seuchensaison steuert auf ihr großes Finale zu


Der Verlauf des gestrigen Spiels lässt eigentlich keinen "normalen" Spielbericht zu, da das zuletzt Gesehene bei mir ganz andere Fragen aufgeworfen hat. Auf der einen Seite hat uns die zurückliegende Pause in Sachen Kaderstärke eher zurückgeworfen, als aufgebaut, auf der anderen Seite zeigen die verbliebenen Akteure einfach nicht den für eine (leicht verzweifelte) Rumpftruppe so typischen Biss. Offenbar hat die ständige Flickschusterei während des gesamten Saisonverlaufs eine bleibende mentale Ermüdung beim Team ausgelöst, die sich seit dem offiziell angekündigten Abschied unseres langjährigen Trainers massiv zu forcieren scheint. Mit Ausnahme des letzten Spiels vor der Olympia-Pause bleiben dabei vor allem die Heimspiele Veranstaltungen der blutleeren und wenig überzeugenden Art. Es spricht für die Entwicklung des Eishockeys in der Region, dass trotz dieser teils alptraumhaften Gurkenvorstellungen der letzten Monate weiterhin steigende Zuschauerzahlen zu verzeichnen sind. Und doch riecht es momentan nicht nur nach Umbruch, sondern auch nach vergebenen Chancen, die Grizzlys besser in der Region und darüber hinaus zu verankern. 
Auch gegen das durchaus beherzt aufspielende Team vom Tabellenende konnte der EHC somit zum wiederholten Male gegen ein wesentlich schwächer einzuschätzendes Team keine Werbung machen, lag nach 24 Minuten bereits mit 0:3 hinten. Die Tore der Gäste aus Straubing konnten dabei kaum sinnbildlicher fallen: Bei allen drei Treffern der Niederbayern standen die zuständigen Gegenspieler artig Spalier und fungierten eher als Escort-Service (Achtung: Neuer Banden-Sponsor), denn als ernst zu nehmender Gegenspieler.
Das Aufbäumen der letzten verbliebenen "Scorer-Reihe" wurde nach Fausers Ausscheiden (30.) schließlich endgültig im Keim erstickt. Der Wolfsburger Olympia-Held, vor dem Spiel noch mit Kollege Krupp von OB Mohrs geehrt, fällt nun mit schwerer Schulterverletzung für den Rest der Saison aus. Womit wir wieder beim Thema sind: Die unglaubliche Verletzungsserie der Grizzlys. Während wichtige Spieler wie Tyler Haskins und Kris Foucault trotz mehrwöchiger Pause einfach nicht wieder voll belastbar werden, fallen während zweier Testspiele mit Weiss, Pfohl und Ankert gleich die nächsten Leistungsträger aus.
Man muss den Tatsachen langsam ins Auge schauen: Wir entkommen der Spirale aus Verletzungen, Rückkehr und Überlastung der Verbliebenen mit weiteren Ausfällen offenbar bis zum Saisonende nicht mehr. Das, meiner Meinung nach, beste Wolfsburger Team aller Zeiten (zumindest auf dem Papier) wird nicht ein einziges Mal komplett antreten und sich zum Ende der Saison in ungewohnt großem Ausmaß verändern. Eine neue Ära bricht an und der Ausgang dieser Saison dürfte die Latte, zumindest kurzfristig betrachtet, nicht mehr ganz so hoch für den neuen Übungsleiter legen. Das ist aber auch schon fast das einzig Positive, was ich aus dem Verlauf der letzten Monate mitnehmen kann. Ansonsten lassen mich die bisherigen feststehenden und sich darüber hinaus andeutenden Personalentscheidungen etwas ratlos zurück. Während junge, aussichtsreiche Spieler wie Pfohl (angeblich nach Köln) und Roach (Kassel) den Verein relativ widerstandslos zu verlassen scheinen, verlängert man mit Jeff Likens um zwei (!) Jahre. So wichtig Jeff für das Mannschaftsgefüge auch sein mag - seine defensiven wie offensiven Leistungen sind derart rückläufig, dass ich es schon fast als fahrlässig ansehe, einen bald 33-Jährigen gleich für zwei weitere Spielzeiten an den Verein zu binden. Sein Auftritt, praktisch direkt nach der Verlängerung, sprach dann auch Bände...chaotisch, unbekümmert und was viel schlimmer ist: Teilweise sogar ohne letztes Engagement. Wenn man sich da nicht ein dickes Ei gelegt hat. Am besten man lässt mit Mark Voakes jetzt noch den letzten wirklich kreativ agierenden (aber ebenfalls recht alten) Spieler ziehen - dann ist man in diesem Bereich wirklich fast komplett blank.
Natürlich fehlen aktuell einige wichtige Spieler im Kader der Grizzlys, doch insgesamt ist das Abschneiden seit Bekanntwerden des Trainerwechsels mehr als auffällig. Vielleicht kann die Rückkehr des Kapitäns zu den Play-offs noch einmal den alten Grizzly-Spirit zurückbringen, bevor es dann (verfrüht?) in die Sommerpause geht. Ich rechne mir allerdings nach den letzten Auftritten in der Eisarena nicht mehr viel aus. Wenn ein Mark Voakes, eigentlich einer der ruhigsten Vertreter der gesamten Liga, die Fäuste sprechen lässt, dann sollte klar sein, was die Stunde geschlagen hat: Jenseits von Olympia bleibt Eishockey in Wolfsburg weiter mehr Frust als Lust. mb

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