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Spielberichte 17/18

VF4 EHC - Eisbären Berlin 1:3

  • Geschrieben von Martin
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Manchmal muss es kein Sieg sein

Spaß hatten die rund 4150 Zuschauer am Mittwochabend sicherlich alle, wenn auch mit recht unterschiedlicher "Endstimmung". Die rund 250 mitgereisten Eisbärenfans konnten schließlich mit der berechtigten Hoffnung auf ein baldiges Weiterkommen nach Hause reisen, die Grizzlys waren - völlig berechtigt - enorm stolz auf ihre kleine Schar verbliebener Krieger in orange.
Zwar standen mit Robbie Bina und Kris Foucault zwei zusätzliche Akteure im Kader der Gastgeber, doch im Gegenzug hatte sich mit Fabio Pfohl bereits der vierte etatmäßige Center ins Lazarett begeben. Zudem spielte Wolfsburgs Toptorjäger bei seiner Rückkehr sichtbar unter größeren Schmerzen, konnte dabei im Mittelabschnitt streckenweise gar nicht eingreifen und musste pausieren.
Trotzdem wirkten die Gastgeber vom Start weg dominant, ließen sich durch einen frühen Gegentreffer (4.) der Gäste auch keineswegs schocken oder gar von ihrer Linie abbringen.
Bukarts hatte gleich den ersten Schuss der Eisbären unhaltbar in die Maschen abfälschen können und damit seine Farben in Führung gebracht. Die Grizzlys reagierten mit unermüdlichem Anrennen, offenbarten in ihren immer zahlreicher werdenden Abschlüsse aber ihr größtes Manko: Das Fehlen von reichlich Firepower (insgesamt 134 Hauptrunden-Punkte) machte sich besonders vor dem gegnerischen Tor und im Powerplay bemerkbar. Nachdem ein erster Treffer (9.) nach Videobeweis keine Anerkennung gefunden hatte (Tor vor dem Schuss verschoben), war es in der 16.Minute endlich soweit - Christoph Höhenleitner fälschte nun seinerseits einen Schuss von Alex Weiß unhaltbar ab und ließ die prall gefüllten Ränge tüchtig feiern.
Überhaupt konnten es die Wolfsburger Anhänger kaum glauben, wie gut die Überreste ihres Teams sich nach der 8:1 Klatsche gegen den Titelaspiranten behaupten konnten.
Mit dem für die Gäste etwas schmeichelhaften 1:1 ging es dann auch in die erste Pause.
Dort schien Berlins Trainer das eine oder andere deutliche Wort gefunden zu haben, denn die Eisbären präsentierten sich nun ein ganzes Stück aktiver. Zwar blieben die Hausherren weitgehend auf Augenhöhe, doch es sollte "kompliziert" für die Grizzlys werden.
Nach einer feinen Einzelaktion konnte Berlins Kapitän zunächst diese gute Phase mit der erneuten Führung veredeln (27.), wenig später (28.) hieß es obendrein fünf Minuten Überzahl für seine Farben. Was sich bei Rankels Treffer bereits angedeutet hatte (Kuhn hatte den Puck aus der Drehung fast noch mit der Kelle über das Tor lenken können), sollte nun minutenlang die Fans in Atem halten: Sowohl die Wolfsburger Defensive als auch ihr überragender Goalie warfen alles in die Waagschale, um dieses Spiel nicht frühzeitig aus den Händen zu geben. Sogar eine zusätzliche Strafe gegen Philip Riefers überstanden die Gastgeber ohne Schaden, während das Publikum den aufopferungsvollen Kampf der blockenden Feldspieler und die teils atemberaubenden Saves ihres Goalies feierten.
Was war passiert? Nach einem eher mit überschaubarer Intensität vorgetragenen Check durch Stephen Dixon, blieb Berlins Ziegler zunächst regungslos vor der Bande liegen. Zur Erleichterung aller Beteiligten konnte der junge Eisbär dann doch eigenständig zur Bank fahren, auch wenn es für ihn erst einmal ins Krankenhaus ging. Streng genommen hätte es in dieser Szene nicht einmal eine 2-Minuten-Strafe geben dürfen, denn der Eisbär hatte sich erst mit dem Gesicht Richtung Bande gedreht, als Dixon bereits zum Check angesetzt hatte. Die Füße des Wolfsburgers blieben ebenfalls am Boden und vom Anlaufnehmen war Dixons Bewegungsablauf meilenweit entfernt. Angesichts der Verletzung wollten es die Referees aber wohl offenbar nicht bei der schlichten Feststellung "Pech gehabt" belassen. Korrekt wäre sie aber wohl gewesen...
So büßten die Gastgeber mit Dixon auch noch ihren letzten einsatzfähigen Center ein und ließen sicherlich einen nicht ganz unerheblichen Teil ihrer Kraftreserven in den folgenden fünf Minuten Dauerunterzahl.
Unter Standing Ovations ihrer Fans starteten die Grizzlys nach dieser kritischen Phase zur erneuten Aufholjagd, um die Serie mit dem Ausgleich zurück nach Berlin zu schicken.
In einer eigenen Überzahl sollte in den folgenden Szenen allerdings schnell klar werden: Das könnte heute richtig eng werden! Denn Wolfsburg blieb nicht nur im Abschluss einfach zu harmlos - das ganze Überzahlspiel krankte am Fehlen vieler Schlüsselakteure, immer wieder endeten Anspiele, die normalerweise zur Direktabnahme führen, in den Kufen des jeweiligen Empfängers. Es sollte Wolfsburgs Verhängnis an diesem Abend werden.
Nach einem vergeigten Start ins letzte Drittel (fing gleich mit einem Berliner Alleingang an), fanden die Grizzlys erst gegen Mitte des Abschnitts zurück zu ihrem Spiel, hatten bis dahin vor allem durch Kuhns Glanztaten noch nicht die Chance auf ein Comeback vergeben.
Als Wolfsburg dann ab der 52. Minute ganze sechs Minuten hintereinander in Überzahl gestalten durfte, entschied sich die Partie wegen der bereits erwähnten Probleme zugunsten der Gäste. Schuss um Schuss feuerte Wolfsburg auf Berlins Vehanen ab - ohne Erfolg.
Als die nun immer müder wirkenden Grizzlys gegen Ende alles auf eine Karte setzten, gab es schließlich den Knock-out durch Aubrys Schuss ins leere Tor (60.).
Etwas enttäuscht, aber doch mächtig stolz ging es für die Grizzlys zurück in ihre Höhlen - mit der mehr als vagen Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen. So realistisch muss man wohl bleiben.

Teamcheck

Tor
Jerry Kuhn mal wieder in Galaform. Fast schon leicht irre, was der Wolfsburger Goalie da zwischen den Pfosten veranstaltet. Ohne seine außergewöhnliche Leistung wäre es wohl ein nicht mal annähernd spannender Eishockeyabend geworden.

Verteidigung
Beans ab Mitte der Partie als Stümer für Dixon - das sagt alles über den Stand der Dinge.
Trotzdem gerade von unserer Defensive ein ordentlicher Job mit Ausnahme von 3-4 Situationen die zu Alleingängen führten. Ich muss gestehen: In den Play-offs ruled Likens einwandfrei das Eis. Wenn er mal ab und zu während der Saison so spielen würde! Hat ja jetzt zwei Jahre Zeit, das mal nachzuholen. Allen weiß ebenfalls zu gefallen - schnell, robust und in der kommenden Saison wohl mit immer mehr Übersicht. Dürfte wohl ein Verlängerungskandidat sein.

Sturm
Ohne vier, dann ohne fünf Center blieb den Grizzlys eigentlich nur noch der Kampf und das bedingungslose Laufspiel. Angesichts der kurzen Bank nicht die sinnvollste Alternative, aber drei, dann vier Reihen ohne gelernten Mittelstürmer - das kann nicht wirklich gut strukturiert ablaufen. Von eingespielt wollen wir erst gar nicht anfangen. Toll, wie Höhenleitner und Dixon den Rest mit enormem Einsatz anführen und man auch ohne den Powerplayknipser (Fauser) hin und wieder mal ein Überzahltor erzielen kann. Nur: Es reicht halt gegen, zumindest auswärts, alles andere als überzeugende Eisbären am Ende nicht. mb

VF2 EHC - Eisbären Berlin 5:2

  • Geschrieben von Martin
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In der Hitze des Gefechts

Nach dem einigermaßen lauem Auftakt in Spiel eins des Bärenduells, sollte die zweite Episode ein echter Knaller im Stile des letzten Heimspiels (7:4) werden.
Zwar zeigten sich die Kontrahenten in Sachen Torausbeute etwas sparsamer, teilten aber in Sachen Emotionen und Härte wesentlich großzügiger aus.
Kurz gesagt: Ein Riesenspaß für die ganze (Bären)familie - sofern sie einen orangen Pelz trug.
Die Gäste, mit ca. 800 Fans nicht ganz so zahlreich wie sonst angereist, sollten vor allem im ersten Drittel nicht viel zu lachen haben. Zwar hatte auch ihr Team reihenweise gute Einschussmöglichkeiten, die Tore indes schossen meist die Grizzlys. Gleich die ersten beiden Überzahlgelegenheiten konnten die weiter arg dezimierten Hausherren zur frühen Führung nutzen. Nachdem Höhenleitner (7.) und Pfohl (12.) zur allgemeinen Überraschung dem Wolfsburger Powerplay die nötige Effizienz verliehen hatten, ließ Neuzugang Allen mit seinem Premierentreffer (13.) endgültig das Hallendach wegfliegen. Gästecoach Krupp nahm umgehend eine Auszeit, um sein mittlerweile doch etwas desorientiert wirkendes Team neu zu ordnen und natürlich auch den Wolfsburger Spielfluss zu unterbrechen. Mit Erfolg. Wenig später war es Louis-Marc Aubry, der im Nachschuss seinen Farben neues Leben einhauchen konnte. Es schien auch irgendwie zu einfach für die Grizzlys...
Prompt drehte der Wind und die Gäste waren nun am Drücker, scheiterten aber ein ums andere Mal am fantastisch aufgelegten Jerry Kuhn im Wolfsburger Gehäuse.
So ging es für die Gastgeber, zwar zunächst in Unterzahl, aber mit einer angenehmen 3:1 Führung in den Mittelabschnitt. Nach überstandener Unterzahl kam eine Phase, die das Spiel durchaus zu Ungunsten der Grizzlys hätte entscheiden können. Nach einer Strafe gegen Berlins Richmond (23.) landete wenig später Baxmanns Kelle schmerzhaft im Gesicht von Stephen Dixon (24.). Die folgende 2+2 Strafe wurde sogar noch durch eine weitere (25.) gegen Berlins Aubry ergänzt, so dass Wolfsburger nun die Chance hatte in fast fünf Minuten Überzahl das Spiel frühzeitig zu entscheiden. Nichts dergleichen sollte geschehen. Wenig inspiriert mühte sich das Powerplay der Grizzlys zu immerhin einem Lattentreffer durch Aubin und ein bis zwei weiteren Großchancen. Doch genauso gut hätte den Gästen, die immer wieder gefährliche Konter fuhren, der Anschluss gelingen können.
Wenn man derartige Möglichkeiten auslässt, Dann wurde es richtig wild: Zunächst reißt Höhenleitner nach einem grenzwertigen Check gegen sich den Stock hoch (36.) und soll zur Strafbank. Auf dem Weg dorthin bekommt Wolfsburgs Urgestein erst einmal die Faust von Fischbuch ins Gesicht, kaum dort angekommen schießt auch noch Buchwieser auf die noch offene Tür der Strafbank, trifft dabei fast einen Linesman. Ab diesem Moment war definitiv reichlich Gift im Spiel!
Dem anschließenden 4 gegen 4 folgten drei Minuten Überzahl für die Gäste, da die Strafe des Wolfsburgers nachträglich auf Spieldauer korrigiert wurde (sein Gegner blutete offenbar am Kinn). Diese Gelegenheit wiederum ließen sich die Eisbären nicht entgehen und stellten durch Backmans Treffer (39.) zum aus Grizzlysicht denkbar ungünstigen Zeitpunkt den Anschluss her.
Doch wieder nahmen sich die Gäste das Momentum selber aus der Hand, glänzten pünktlich zum Pausenpfiff mit weiteren Unbeherrschtheiten. Nachdem Dixon per Haken eigentlich die doppelte Überzahl für die Gäste "klargemacht" hatte, riss Berlins Backman prompt den Stock gegen seinen Gegenspieler hoch. Der Treffer im Gesicht wurde, wie schon wenig zuvor bei Höhenleitner, mit einer Spieldauer geahndet. Wurm und Sheppard lieferten sich zudem ein gleichmäßig bestrafte Boxeinlage.
Der Rest der Höhenleitner-Strafe war noch nicht aus der Uhr, da setzte sich zum Auftakt des Schlussabschnitts mit Oppenheimer der nächste Eisbär auf die Strafbank. In der 43.Minute meldete sich das formidable Überzahlspiel der Grizzlys aus Abschnitt Nummer eins zurück: Alex Weiß hebelte den Puck zum 4:2 in die Maschen und brachte seine Farben damit endgültig auf die Siegerstraße.
Das Spiel wurde nun zunehmend wilder und unstrukturierter, dafür noch eine bisschen schneller und spektakulärer. Doch außer Petersons Rückhandschuss an den Pfosten (54.) ging nichts mehr am Wolfsburger Goalie vorbei. Dafür schlug es hinter Berlins Vehanen noch einmal ein, als die Grizzlys erneut in Überzahl (56.) durch Aubin vollstrecken konnten. Vorangegangen waren zwei handfeste Auseinandersetzungen (52. u. 56.) in deren Verlauf die Gäste einmal mehr die Mehrzahl der Strafminuten kassiert hatten. Aubins Treffer löste dann wohl beim Team aus der Hauptstadt die letzte Bremse in Sachen Disziplin: Die Eisbären sammelten bis zum vielumjubelten Schlusspfiff drei weitere 10-Minuten-Strafen, allesamt wegen unsportlichem Verhalten.
Den Grizzlys war es recht, konnten sie doch durch dieses Verhalten vor allem zu Beginn des Schlussabschnitts ein Kippen des Spiels verhindern. Somit steht es in der Best-of-seven Serie nun 1:1. Das dritte Aufeinandertreffen steigt bereits Sonntag ab 15.00 Uhr in Berlin.


Teamcheck

Tor
Jerry Kuhn ist ein Faktor. Und zwar ein ganz gewichtiger zugunsten der Grizzlys. Mit teils atemberaubenden Reaktionen und Bewegungsabläufen irgendwo zwischen Eishockey und Bodenturnen sichert der Wolfsburger Goalie seinem Team den Sieg. Ganz starker Auftritt!

Verteidigung
Alle Mann im Play-off-Modus - mehr kann man nicht verlangen. Jeff Likens hat bereits mit dem ersten Pre-Playoff Spiel umgeschaltet und ist, nun mal für den Gegner, eine echte Qual. Hochkonzentriert und mit der nötigen Aggressivität bringt er tüchtig Feuer in die Sache. Ganz entgegen seinen Gewohnheiten zieht er keine dummen Strafen - im Gegenteil: Die Gegenspieler wandern häufiger als er in die Box.
Auch Conor Allen kommt langsam auf dem großen Eis an und kann seine Ungenauigkeiten mittlerweile gut minimieren. Dafür gelingen ihm zunehmend sehenswerte Offensivaktionen bis hin zum ersten Tor für die Grizzlys.
Ankert soll in den kommenden Spielen auch irgendwann wieder voll eingreifen können. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Seine letzten Auftritte wirkten reichlich hölzern, fast schon schüchtern. Bina weiter nicht dabei.

Sturm
Jede der bunt zusammengewürfelten Reihen trifft. Vor allem Dixon, Pfohl und Höhenleitner machen ordentlich Betrieb in des Gegners Hälfte, treffen unglaublich viele gute Entscheidungen. Aubin trifft weiter regelmäßig, aber auch Altmeister Furchner und der gerade erst wieder einsatzbereite Alex Weiß sind rechtzeitig voll da, um den Grizzlys die nötige Torgefahr auch in der Breite zu geben. Einzig Kamil Kreps agiert irgendwie nicht auf dem bereits von ihm gesehenen Niveau und ist ein wenig vom Pech im Abschluss verfolgt. Insgesamt aber die einzige Enttäuschung in einem in den Play-offs ansonsten beherzt auftretenden Team. Das Spiel in Berlin vergessen wir einfach mal... mb

EHC - Augsburger Panther 3:2 n.V.

  • Geschrieben von Martin
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Das letzte Aufgebot

Dank der schon fast unheimlich anmutenden Verletzungsmisere der Grizzlys stehen den Wolfsburgern mittlerweile nur noch drei Angriffsreihen zur Verfügung. Dem "Zugang" Fabio Pfohl folgten mit Mark Voakes und Gerrit Fauser (Saisonende) erneut zwei Ausfälle.
Binas Hilfsjob im Angriff war daher wohl gecancelt worden, so dass er als siebter Verteidiger und nicht als zehnter Angreifer zum Einsatz kam.
Ohne vier ihrer fünf Topscorer stellte sich das Team von Pavel Gross also dem Gast aus der Fuggerstadt für den es in diesem Spiel um die letzte Chance auf eine Play-off Teilnahme ging.
Entsprechend engagiert kam Augsburg aus den Startlöchern und setzte die Grizzlys vor über 3300 Zuschauern zunächst mächtig unter Druck. Gleich reihenweise musste der bestens aufgelegte Brückmann im Tor der Gastgeber eingreifen, um den frühen Rückstand seiner Farben zu verhindern. Etwas überraschend gelang Wolfsburg in dieser Augsburger Druckphase der Führungstreffer (6.) durch Tyson Mulock, der den AEV-Goalie aus spitzem Winkel überwinden konnte. Da dieser bereits auf dem Hosenboden saß, konnte er dem Abschluss des Deutsch-Kanadiers nur tatenlos zusehen.
Doch wie so oft in dieser Saison dauerte es kaum eine Minute, da hatten die Gäste durch LeBlanc auch schon wieder ausgeglichen. Man merkte Augsburg deutlich an, dass es für sie ein "Do or Die" Spiel war, Tempo und Intensität blieben entsprechend hoch.
Den kühleren Kopf bewahrten allerdings in dieser Phase die Grizzlys, die durch Fuchners Überraschungsschuss in der 15.Minute den nächsten Torjubel lostreten konnten. Während wohl jeder in der Halle, inklusive des Augsburger Torhüters, einen Querpass erwartet hatte, zog der Wolfsburger Stürmer einfach mal Richtung Tor ab - prompt schlug der Puck neben dem verdutzt im langen Eck stehenden Roy ein.
Druckvolle Wolfsburger Minuten sollten folgen, an die die Gastgeber auch im Mittelabschnitt zunächst anschließen konnten. Doch während die Grizzlys nun ihre stärkste Phase, unter anderem mit zwei Überzahlspielen, ausleben durften, wurde immer deutlicher klar: Das Spiel der wild zusammengewürfelten Reihen blieb holprig und das Fehlen von fünf Stammkräften im Powerplay ließ sich einfach nicht kompensieren,
Doch Wolfsburg kämpfte diesmal aufopferungsvoll, machte die lauwarme Vorstellung gegen Straubing dabei weitestgehend vergessen. Dass es am Ende nicht zu drei Punkten reichte, war auf der einen Seite dem ebenfalls sehr beherzten Auftritt der Gäste, auf der anderen Seite auch einer kleinen Portion Doofheit der Hausherren zuzuschreiben.
Natürlich war der ungeahndete Mehrfach-Crosscheck gegen Wolfsburgs Aubin (40.) noch in der Pause völlig zurecht ein weit verbreitetes Gesprächsthema - doch wer den Punktverlust an den beiden Schiedsrichtern festzumachen suchte, der hatte die letzten Minuten der Begegnung vielleicht doch etwas zu sehr durch die orange Brille betrachtet.
Während die Grizzlys ihre Effizienz aus dem Anfangsdrittel weiter vermissen ließen, hatten die Panther in der 49.Minute den nicht unverdienten Ausgleich bejubeln können. Zunächst hatte Wolfsburgs Sharrow den enteilten Holzmann noch stoppen können - allerdings nur unter Zuhilfenahme unerlaubter Mittel. Den fälligen Penalty versenkte der Augsburger Stürmer völlig entspannt per Rückhand.
Dann, mitten in den Wolfsburger Schlussspurt hinein, begann die "unkluge" Phase der Grizzlys. Erst wanderte Karachun unter allgemeinem Protest wegen Beinstellens auf die Strafbank (56.), dann folgte ihm zur allgemeinen Erleichterung mit Parkes ein Gästespieler auf selbige (56.). Beides Strafen aus der Kategorie "Eistanz", die bei den Gastgebern aber keinesfalls die Alarmglocken angehen ließen. Schon wenig später (57.) verfing sich der Gegenspieler von Neuzugang Allen in dessen Schläger und ließ diesen unter aufgeregtem Protest (herzlich willkommen in der DEL - das kann Dir leider keiner erklären...) in die Kühlbox wandern. Und als Sahnehäubchen musste Armin Wurm einem bereits vom Torhüter-Handschuh bedeckten Puck (58.) nachgehen, was neben einem filmreifen Auftritt des Gästegoalies auch eine weitere Strafe gegen Wolfsburg zur Folge hatte. Schlau geht anders.
Mit etwas Glück und gestützt auf einen überragend agierenden Felix Brückmann überstand der EHC diese kritische Phase, um dann pünktlich zur folgenden Verlängerung wieder vollzählig agieren zu können.
Und wie! Nach nur 22 Sekunden sicherte Brent Aubin nach schönem Zuspiel durch Fabio Pfohl den Zusatzpunkt und ließ die stattliche Kulisse in Jubelschrei ausbrechen.
Nach der langen Durststrecke seit dem letzten Heimsieg gegen Köln (07.01.18) konnten die Fans endlich einmal wieder mit ihrem Team ausgelassen feiern. Ob dies vor der Sommerpause noch öfter geschehen wird, hängt wohl sehr von der Personalsituation und vor allem auch vom Ausgang des letzten Hauptrundenspiels in Schwenningen ab.
Die Pre-Playoffs sind mit einem derart geschundenen Kader tunlichst zu vermeiden!


Teamcheck

Tor
The Cat is back! Der erste Auftritt der Saison, der hundertprozentig an den Brückmann der vergangenen Spielzeit herankommt. Ruhig, souverän, reaktionsschnell und ohne die seltsam hohe Ausflugsquote hinter das eigene Tor. Noch ein oder zwei Spiele von dieser Qualität und das Selbstbewusstsein reicht auch, um einen Penalty, wie den von Augsburgs Holzmann, einfach mal aggressiv zu attackieren (ich sage bewusst nicht "zu halten", das ist immer ein bisschen Glückssache). Top!

Verteidigung
Bina nach seiner Rückkehr immer noch etwas verträumt, kommt aber langsam wieder in Fahrt. Neuzugang Allen zeigt verständlicherweise Abstimmungsprobleme und verschätzt sich gerade bei langen Pässen doch mal gerne mit den Abständen (europäisches Eis). Wäre für mich eher ein Kandidat für die neue Saison oder als siebter Verteidiger, denn in der momentanen Phase kann jeder Ausrutscher weitreichende Konsequenzen haben. Hoffen wir auf eine schnelle Akklimatisierung. Likens angenehm unauffällig, Krupp, Dehner und Wurm mit guten Leistungen, während Sharrow ähnlich wie Bina gelegentlich etwas schwerfällig agierte.

Sturm
Die 9 Verbliebenen schlugen sich vorbildlich. Natürlich fackelten die uneingespielten Reihen kein Festival der Spielkultur ab, doch Kampf und energisches Backchecking trugen trotzdem ihre Früchte. Zwar waren die ersten beiden Treffer aus spitzem Winkel erst mit viel Glück möglich geworden, doch der gesamte Spielverlauf machte durchaus Mut für die letzte Begegnung in Schwenningen. Besonders Pfohl und Aubin präsentierten sich von ihrer besten Seite und machten somit nicht nur den Siegtreffer möglich. Vielleicht mal wieder in einer Reihe testen, auch wenn Voakes zurückkommen sollte (hoffentlich!). mb

EHC - Straubing Tigers 1:4

  • Geschrieben von Martin
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Eine Seuchensaison steuert auf ihr großes Finale zu


Der Verlauf des gestrigen Spiels lässt eigentlich keinen "normalen" Spielbericht zu, da das zuletzt Gesehene bei mir ganz andere Fragen aufgeworfen hat. Auf der einen Seite hat uns die zurückliegende Pause in Sachen Kaderstärke eher zurückgeworfen, als aufgebaut, auf der anderen Seite zeigen die verbliebenen Akteure einfach nicht den für eine (leicht verzweifelte) Rumpftruppe so typischen Biss. Offenbar hat die ständige Flickschusterei während des gesamten Saisonverlaufs eine bleibende mentale Ermüdung beim Team ausgelöst, die sich seit dem offiziell angekündigten Abschied unseres langjährigen Trainers massiv zu forcieren scheint. Mit Ausnahme des letzten Spiels vor der Olympia-Pause bleiben dabei vor allem die Heimspiele Veranstaltungen der blutleeren und wenig überzeugenden Art. Es spricht für die Entwicklung des Eishockeys in der Region, dass trotz dieser teils alptraumhaften Gurkenvorstellungen der letzten Monate weiterhin steigende Zuschauerzahlen zu verzeichnen sind. Und doch riecht es momentan nicht nur nach Umbruch, sondern auch nach vergebenen Chancen, die Grizzlys besser in der Region und darüber hinaus zu verankern. 
Auch gegen das durchaus beherzt aufspielende Team vom Tabellenende konnte der EHC somit zum wiederholten Male gegen ein wesentlich schwächer einzuschätzendes Team keine Werbung machen, lag nach 24 Minuten bereits mit 0:3 hinten. Die Tore der Gäste aus Straubing konnten dabei kaum sinnbildlicher fallen: Bei allen drei Treffern der Niederbayern standen die zuständigen Gegenspieler artig Spalier und fungierten eher als Escort-Service (Achtung: Neuer Banden-Sponsor), denn als ernst zu nehmender Gegenspieler.
Das Aufbäumen der letzten verbliebenen "Scorer-Reihe" wurde nach Fausers Ausscheiden (30.) schließlich endgültig im Keim erstickt. Der Wolfsburger Olympia-Held, vor dem Spiel noch mit Kollege Krupp von OB Mohrs geehrt, fällt nun mit schwerer Schulterverletzung für den Rest der Saison aus. Womit wir wieder beim Thema sind: Die unglaubliche Verletzungsserie der Grizzlys. Während wichtige Spieler wie Tyler Haskins und Kris Foucault trotz mehrwöchiger Pause einfach nicht wieder voll belastbar werden, fallen während zweier Testspiele mit Weiss, Pfohl und Ankert gleich die nächsten Leistungsträger aus.
Man muss den Tatsachen langsam ins Auge schauen: Wir entkommen der Spirale aus Verletzungen, Rückkehr und Überlastung der Verbliebenen mit weiteren Ausfällen offenbar bis zum Saisonende nicht mehr. Das, meiner Meinung nach, beste Wolfsburger Team aller Zeiten (zumindest auf dem Papier) wird nicht ein einziges Mal komplett antreten und sich zum Ende der Saison in ungewohnt großem Ausmaß verändern. Eine neue Ära bricht an und der Ausgang dieser Saison dürfte die Latte, zumindest kurzfristig betrachtet, nicht mehr ganz so hoch für den neuen Übungsleiter legen. Das ist aber auch schon fast das einzig Positive, was ich aus dem Verlauf der letzten Monate mitnehmen kann. Ansonsten lassen mich die bisherigen feststehenden und sich darüber hinaus andeutenden Personalentscheidungen etwas ratlos zurück. Während junge, aussichtsreiche Spieler wie Pfohl (angeblich nach Köln) und Roach (Kassel) den Verein relativ widerstandslos zu verlassen scheinen, verlängert man mit Jeff Likens um zwei (!) Jahre. So wichtig Jeff für das Mannschaftsgefüge auch sein mag - seine defensiven wie offensiven Leistungen sind derart rückläufig, dass ich es schon fast als fahrlässig ansehe, einen bald 33-Jährigen gleich für zwei weitere Spielzeiten an den Verein zu binden. Sein Auftritt, praktisch direkt nach der Verlängerung, sprach dann auch Bände...chaotisch, unbekümmert und was viel schlimmer ist: Teilweise sogar ohne letztes Engagement. Wenn man sich da nicht ein dickes Ei gelegt hat. Am besten man lässt mit Mark Voakes jetzt noch den letzten wirklich kreativ agierenden (aber ebenfalls recht alten) Spieler ziehen - dann ist man in diesem Bereich wirklich fast komplett blank.
Natürlich fehlen aktuell einige wichtige Spieler im Kader der Grizzlys, doch insgesamt ist das Abschneiden seit Bekanntwerden des Trainerwechsels mehr als auffällig. Vielleicht kann die Rückkehr des Kapitäns zu den Play-offs noch einmal den alten Grizzly-Spirit zurückbringen, bevor es dann (verfrüht?) in die Sommerpause geht. Ich rechne mir allerdings nach den letzten Auftritten in der Eisarena nicht mehr viel aus. Wenn ein Mark Voakes, eigentlich einer der ruhigsten Vertreter der gesamten Liga, die Fäuste sprechen lässt, dann sollte klar sein, was die Stunde geschlagen hat: Jenseits von Olympia bleibt Eishockey in Wolfsburg weiter mehr Frust als Lust. mb

EHC - Adler Mannheim 3:7

  • Geschrieben von Martin
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Tag der offenen Tür in Wolfsburg

Die Pleitenserie der Grizzlys ist um eine weitere Episode länger.
Wer gehofft hatte, dass Wolfsburgs Eishockeycracks endlich wieder ein Heimspiel eher im Stile der letzten Auswärtsspiele gestalten würden, sah sich getäuscht.
Nicht, dass die letzten Auswärtsspiele punkte-technisch so viel Zählbares geliefert hätten, doch mit der Ausrichtung des Spiels auf die Defensive hielt man meist die Option auf Punkte bis zum Schlusspfiff offen. Diese Illusion hatten die Grizzlys ihren (erstaunlich) zahlreich erschienenen Fans gegen Mannheim bereits nach 40 Minuten geraubt.
Gegenüber dem letzten Heimspiel stellte die Begegnung sogar einen weiteren Rückschritt dar, war den Gastgebern dort doch erst im Schlussabschnitt die Puste ausgegangen.
So erlebten die rund 3150 Zuschauer eines der wildesten und undiszipliniertesten Drittel, das es in der jüngeren Wolfsburger Eishockeygeschichte in der Eisarena zu bestaunen gab. Zuerst, wie so oft in letzter Zeit, war es der Wolfsburger Gegner, der etwas Zählbares auf das Scoreboard bringen konnte. Mit Desjardins frühem (3.) Treffer zum 0:1 sollte der muntere Torreigen des ersten Drittels frühzeitig beginnen. Gut drei Minuten später sollten die Grizzlys das erste Mal jubeln, als Aubin den Puck unhaltbar an Endras vorbei abfälschen konnte. So ging es dann bis zum ersten Pausenpfiff weiter: Mannheim erzielte seine Tore durch Hungerecker (8.) und erneut Desjardins (14.) fast schon spielerisch leicht stets mit dem fast identischen Spielzug, Wolfsburg glich durch Dehner (12.) und Pfohl (14.) wieder aus.
Während der EHC offensiv durchaus gefällig variierte und seine Tore auf unterschiedlichste Weise erzielen konnte (Abfälscher, Hintertor, Abstauber), so agierten große Teile der Mannschaft defensiv eher auf Oberliga-Niveau. Stets mit allen Feldspielern plus Torhüter auf den puckführenden Spieler fixiert, ließen sie die Stürmer der Adler unbehelligt zum langen Pfosten marschieren. Die Quittung folgte im ersten Drittel gleich dreimal und auch im folgenden Spielabschnitt sollte sich kein Lerneffekt bei den Gastgebern einstellen.
Zum Auftakt des Mittelabschnitts meldete sich dann auch der treueste und gleichzeitig überflüssigste Begleiter der Grizzlys wieder zurück an Bord: Das Pech.
Voakes' Lattenknaller eröffnete die nächste Drangphase der Gastgeber, die erst mit zwei - reichlich dämlichen - Strafen wegen Spielverzögerung einen Bruch erhalten sollte. Tore fielen bis dahin, natürlich, keine; ein weiterer Pfostentreffer durch Mulock kam hinzu.
Nach formidabel überstandener doppelter Unterzahl (26.-28.) fanden die Wolfsburger Chaostage im Drittel der Grizzlys dann leider ihre Fortsetzung. Das 3:4 durch Hungerecker (33.) war dann auch prompt wieder der One-timer am langen Pfosten, den man seit der 14.Minute so gar nicht vermisst hatte...
Drei Minuten später nutzte eben jener Hungerecker einen Wolfsburger Puckverlust im Angriffsdrittel, um per Alleingang (36.) seinen Hattrick zu vollenden. Zu allem Überfluss setzte Kuhn im Kasten der Grizzlys wenig später (38.) noch einen obendrauf und ließ einen harmlosen Distanzschuss von Kolarik bei freier Sicht über die Stockhand springen. Das war die Vorentscheidung. Als Riefers kurz vor der zweiten Pause zum dritten Mal nur das Gestänge erwischt hatte, schwand deutlich sichtbar auch der letzte Rest Glaube an eine Wende.
Zum Start des Schlussabschnitts fand im Wolfsburger Tor dann der längst überfällige Wechsel statt: Brückmann ersetzte den zunehmend unkonzentriert agierenden Kuhn zwischen den Pfosten und bestätigte in den folgenden 20 Minuten seine aufsteigende Form.
Lediglich einen weiteren Gegentreffer gab es bis zur Schlusssirene zu beklagen (52.), wiederum durch einen schnellen Konter der Mannheimer. Luc Adams Tor zum 3:7 setzte den unrühmlichen Schlusspunkt unter eine nur noch trostlos vor sich hin plätschernde Partie, die von den Hausherren längst ad acta gelegt worden war. Zwar ergaben sich durch Höhenleitners Alleingang und eine späte doppelte Überzahl noch weitere Gelegenheiten zur Ergebniskosmetik, doch auch in diesen Situationen blieb Mannheims Endras Sieger.
So fühlte man förmlich die Erleichterung im weiten Rund und auf dem Eis, als das Spiel endlich vorüber war.


Teamcheck

Vorweg möchte ich auch an dieser Stelle betonen, dass ich davon überzeugt bin, dass unser Team momentan aus konditionellen Gründen große Probleme hat, ein überzeugendes Spiel über 60 Minuten abzuliefern. Ohne unser überragendes Laufpensum gerät der gesamte Wolfsburger Spielansatz unter die Räder, wie die letzten Wochen eindrucksvoll demonstrieren. Komprimierter Spielplan und Verletzungsmisere holen uns schließlich auf der Zielgeraden ein - da kann kaum ein Akteur gut aussehen.

Tor
Kuhn mit seiner ersten wirklich schlechten Leistung. Antizipierte genauso wenig die Mannheimer Spielzüge wie seine Vorderleute, bot beim 3:4 viel zu früh eine Ecke an und fing sich wenig später mit Kolariks Schlenzer eine 1a Kappe aus dem Torhüter-Gruselkabinett.
Die gute Nachricht: Felix bestätigte in den folgenden 20 Minuten seine zuletzt aufsteigende Form und wurde dabei nur einmal Opfer der kaum existenten Wolfsburger "Verteidigung". Schönes Ding - weiter so!

Verteidigung
Wenn jemand unsere Verteidigung gefunden hat: Bitte in der Eisarena im Allerpark abgeben! Wird dort schmerzlich vermisst. Bei Auswärtsspielen soll sie sich allerdings gelegentlich zur Mannschaft gesellen.
Bina mit zwei Leuten im Slot überfordert (wo sind die Mitspieler?), Sharrow turnt hinterm gegnerischen Tor rum und kann hinter dem eigenen kaum einen Puck kontrollieren, Ankert ständig zu weit weg vom Gegenspieler und ohne die nötige Härte im Zweikampf usw. usw....
Insgesamt Laufpensum und Übersicht im eigenen Drittel auf Oberliga-Niveau. Erschreckend. Vertragsverlängerungen sollten wohl erst einmal auf Eis liegen.

Sturm
Während Voakes und Aubin erste Lebenszeichen senden, können mich vom Rest der Mannschaft nur Pfohl und mit Abstrichen Kreps und Höhi überzeugen. Karachun zeigt weiterhin gute Ansätze im Pass- und Körperspiel (!) - bitte mit Fabio zusammen verlängern, damit wir in der kommenden Spielzeit nicht die älteste Mannschaft der DEL-Geschichte aufs Eis schicken müssen. Einen Spielmacher und einen Power-Forward der Zukunft hätte man somit bereits in den eigenen Reihen, mb

EHC - Iserlohn Roosters 1:2

  • Geschrieben von Martin
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Der Heimspielmurks geht weiter

Fast sah es nach Besserung aus - aber leider nur fast. Die Grizzlys schenkten ihren Anhängern zunächst ein furioses Auftaktdrittel, in welchem sie die Gäste aus Iserlohn in Grund und Boden rannten. Minutenlang waren die Roosters damit beschäftigt, irgendwie den Weg aus ihrem Drittel zu finden. Der Wolfsburger Forecheck lief zwanzig Minuten lang mit begeisternder Intensität, aber leider nur mit minimalem Ertrag. Philip Riefers hatte einen starken Auftritt mit seinem ersten Saisontor (6.) gekrönt und die Grizzlys frühzeitig in Führung gebracht. Es sollte das einzige Tor für die Wolfsburger in einer weitestgehend überlegen geführten Partie bleiben!
Wenig später fälschte Höhenleitner einen Dehner-Schuss ans Gestänge ab, dann legte Voakes für seine Reihenkollegen Weiß und Aubin auf, die an Dahm im Roosters-Tor scheiterten. Selbst als dem bestens aufgelegten Goalie der Gäste einmal der Puck durch die Schoner rutschte, war Weiß im Rennen um den Puck nur zweiter Sieger.
So verteidigte der IEC den knappen Rückstand mit Glück und Geschick bis zur ersten Pause und ging wohl reichlich erleichtert in selbige.
Zwar gelang den Gastgebern auch der Start ins Mitteldrittel recht gut, doch schon nach einigen Minuten merkte man den leise voranschreitenden Verschleiß in den Köpfen der Grizzlys. Das kleine bisschen weniger Aufwand sollte an diesem Nachmittag schon reichen, um die Partie zum Kippen zu bringen. Während Wolfsburg seine Überzahlgelegenheiten trotz Dauerdruck nicht zu glasklaren Chancen nutzen konnte, brauchte der Gast aus dem Sauerland nur einen Anlauf. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn Jason Jaspers nahm einfach mal im eigenen Drittel Schwung und ließ einfach alle Grizzlys stehen. Auch Torhüter Brückmann ließ er beim trockenen Abschluss (28.) keine Chance und besorgte damit den alles andere als verdienten Ausgleich für seine Farben,
Die Roosters durchlebten in den Folgeminuten prompt ihre einzige wirklich starke Phase und gingen nun ihre offensiven Aktionen etwas zielstrebiger an. Fünf Minuten später sollte der neu entdeckte Offensivdrang erneut Früchte tragen. Wolfsburgs Roach hatte nach Puckeroberung das Spielgerät zu lasch hinter dem eigenen Tor entlang gespielt, Salmonsson nahm selbiges auf und Larsson versenkte den folgenden Pass zur 1:2 Führung. Sprachlosigkeit machte sich auf den Rängen breit - zumindest rund um den Iserlohner Block, der sein Glück kaum fassen konnte.
Das Schlimmste sollte aber noch kommen: Iserlohn lieferte bis zum Schlusspfiff ein fast perfektes Auswärtsspiel zwischen destruktiver Verteidigung und kleinen offensiven Nadelstichen ab. Wolfsburg hingegen rannte sich auch im Schlussabschnitt, nun weniger gefährlich wie im Auftaktdrittel, an der Iserlohner Verteidigung wund und sollte kaum noch brauchbare Einschussgelegenheiten erzeugen. Quälende 20 Minuten verbrachten die, trotz der zuletzt ernüchternden Ergebnisse, über 3000 anwesenden Fans der Grizzlys, bis der Schlusspfiff sie und das sich tapfer bemühende Team erlöste.
Spaß geht anders.


Teamcheck

Tor
Felix mit einer seiner besseren Leistungen in dieser Saison, hatte aber nicht halb so viel zu tun wie sein Gegenüber.
Trotzdem ein Silberstreif am Horizont dieser bisher so traurig verlaufenden Saison für unsere Katze. Meine Prognose: Wenn er dieses Tal durchschritten hat, kommt er noch stärker zurück! Und wenn es bis zur nächsten Spielzeit dauert: Drauf geschissen! Felix, Du schaffst das!

Verteidigung
Individuelle Fehler bringen die Gegentore. So ist das nun mal. Das Bild, das Sharrow und Likens beim 1:1 abgaben, stimmt aber schon etwas nachdenklich. Die Spielsituation sollte den beiden Routiniers jedenfalls bekannt sein.
Dass Roach seine eigentlich gute Leistung mit dem Fehler zum 1:2 zunichte macht, ist da nicht annähernd so tragisch, fehlt dem Deutsch-Kanadier doch die Spielpraxis seiner Kollegen. Oft fehlt Roach (für mich nicht nachvollziehbar) auf dem Spielberichtsbogen, oder verbringt die Spiele nur als Bankwärmer. Generell gefällt mir der Umgang mit dem jungen Verteidiger seitens unseres Trainers als eine der wenigen Ausnahmen so gar nicht. Ihn nach dem Patzer nicht mehr spielen zu lassen - trotz Ausfall von Wurm - ich verstehe es wirklich nicht...
Stattdessen setzte man immer wieder mit Philip Riefers auf einen Spieler, der seit Jahren auf der Stelle tritt und nun schon in die zweite, wenig berauschende Saison in Wolfsburg geht.

Sturm
Besagter Riefers spielt eines der wenigen wirklich guten Drittel im Dress der Grizzlys. Das ist die gute Nachricht des Spiels. Der sonst eher mit der Aggressivität eines Gänseblümchen ausgestattete Riefers zeigte beim 1:0 echten Biss und Zug zum Tor, stand beim Rebound dadurch goldrichtig. Auch sein Distanzschuss lies seine zweifellos vorhandenen Qualitäten zum wiederholten Male durchscheinen. Leider baute der Wolfsburger Stürmer in der Folge genauso schnell wie seine Kollegen ab und konnte kaum noch Akzente setzten. Einzig die Reihe um Mark Voakes konnte über die gesamte Dauer der Partie so etwas wie Torgefahr ausstrahlen. Der Rest, vielleicht mit Ausnahme von Fabio Pfohl, leider einfach nur harmlos und ineffektiv. Kreps hat noch längst nicht wieder an seine letzte Form anschließen können und Furchis Tor gegen Köln scheint leider auch nur ein Strohfeuer gewesen zu sein.
Auch in diesem Mannschaftsteil erhoffe ich mir, zumindest in der kommenden Saison, ein festes Einbinden von Alex Karachun, dessen kraftvolle Spielart mir momentan doch irgendwie fehlt. Keine Tore schießen können andere jedenfalls mittlerweile genauso gut. mb

EHC - Kölner Haie 3:0

  • Geschrieben von Martin
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Eistanz in Wolfsburg

Ob das Schiedsrichterduo der Partie Wolfsburg gegen Köln mit frisch angepasster Regelauslegung im Gepäck oder direkt vom Dameneishockey kam, man wird es wohl auch im Nachhinein nicht klären können. Zumindest schafften es die Herrn Melia und Schrader, das Spiel und seinen Verlauf maßgeblich zu prägen, wie man es lange nicht mehr bewundern durfte.
Gleich in der Auftaktminute setzten sie dann auch schon mit einer Strafe wegen Stockschlags gegen Kölns Ehrhoff ein erstes Ausrufezeichen in Sachen Regelauslegung.
Die erste Botschaft des Abends lautete: Könnte heute kleinlich werden...
Nach schadlos überstandener Unterzahl sahen sich die Gäste jedoch wenig später (5.) erneut in Unterzahl - Gogulla war in Wolfsburgs Voakes hineingefahren und hinderte ihn somit an der Verfolgung des puckführenden Spielers.
Zweite Botschaft des Abends: Heute ganz ohne Anfassen!
Um es vorweg zu nehmen: Köln verstand die Botschaft nicht, Wolfsburg kam ein oder zweimal mit einer Aktion jenseits der erkennbaren Linie durch - fertig war ein Spiel zum Aufregen. Vor allem für die Fans der Haie.
Zu allem Überfluss gingen die Hausherren in Besagter zweiter Überzahl gegen die Unterzahlkönige aus Köln in Führung. Aubin hatte sich in den hohen Slot freigeschlichen und eine schnelle Kombination seiner Nebenleute eiskalt vollstreckt (6.). Zum ersten und leider auch letzten Mal hatte das zuletzt so hochgelobte Wolfsburger Powerplay zugeschlagen,
Dann kassierte Wolfsburg die erste Don't touch - Strafe. Pfohls Stock hatte das gegnerische Spielgerät von oben berührt (also kein stick lift, immerhin!) - Stockschlag, na klar.
Diese, wie auch eine weitere Strafe gegen Kapitän Haskins überstanden die Gastgeber, ihrerseits die zweitbesten in Unterzahl in der Liga allerdings schadlos, nur um dann ihrerseits wieder zwei Überzahlgelegenheiten ungenutzt zu lassen.
So geriet dieses Spiel letztlich zur Schlacht der Unterzahlformation, wobei Köln fortan immer einmal öfter den Geschmack der Schiedsrichter nicht treffen konnte.
Das 2:0 fiel dann aber, zur allgemeinen Überraschung, bei numerischem Gleichgewicht auf dem Eis. Ausgerechnet Wolfsburgs momentan verhinderter Torjäger konnte eine dieser seltenen Gelegenheiten nutzen (25.), um seine gefühlt eine Ewigkeit dauernde Torflaute zu beenden. Dementsprechend euphorisch fiel die Jubeltraube um Furchi aus, der die Glückwünsche seiner Kameraden erleichtert entgegen nahm.
Nachdem sich Verteidiger Wurm hinter dem Kasten der Gäste vorbildlich durchgesetzt hatte, schalteten Kölns Goalie und Furchner gleichzeitig - der Puck wählte zwischen den beiden Kellen allerdings den Weg in den Kasten der Haie.
Dann nahm der Strafzeitenwahnsinn weiter seien Lauf: Zweimal erwischte es auf Seiten der Haie den Rückkehrer Bolduc - einmal wegen des zarten Andeuten eines Hakens (37.), einmal wegen Blödheit bzw., hohen Stocks (40.). Als wäre das alleine aus Sicht der Haie nicht schon ärgerlich genug, wurde Bolducs "Lauf" auch noch durch eine absolute Witzstrafe (38.) gegen Kölns Mo Müller ergänzt. Müller hatte den vor Kuhn parkenden Haskins nach Abpfiff mit der Hand umgeschubst - eine Szene, wie es sie in den Play-offs dutzendfach in jedem Spiel zu sehen gibt. Angesichts der bis dahin durchgezogenen Linie der beiden Schiris allerdings auch eine Aktion der Marke "Gehirnakrobatik"...
Dank seines überragenden Penalty Killings blieb der KEC trotzdem im Geschäft. Die Gastgeber hingegen ließen nun zunehmend den letzten Biss und die gewohnte Kreativität im Powerplay vermissen. Knapp vier Minuten doppelte Überzahl sollten sie bis zum Ende dieser Partie liegenlassen, ohne den Sack zuzumachen.
Köln zeigte im Schlussabschnitt dann endlich auch einmal offensive Qualitäten, brachte sich in seiner besten Phase dann aber wieder durch unnötige Frustfouls selber aus dem Tritt. Gar nicht mehr einkriegen konnte sich dabei Blair Jones (49.) der erst seine eigene Strafe wegen unnötiger Härte überbordend kommentierte (+10), dann die folgende Strafe gegen Mannschaftskollege Sulzer (50.) erneut, diesmal von der Strafbank, mit entsprechender Begeisterung "feierte". Die zweite Diszi schickte ihn vorzeitig zum Duschen, die Schlussoffensive der Haie erlebte er nur noch im Kabinengang.
Richtig heiß wurde es dabei noch einmal knapp drei Minuten vor dem Ende. Kapitän Haskins hatte nur regelwidrig über die hohe Glasbande klären können, die Haie nutzten seine Strafzeit, um den Torhüter zu ziehen.
Doch auch mit sechs Feldspielern blieben die Haie an diesem Abend den kleinen Tick zu zahnlos, um Jerry Kuhn noch den fünften Shut-out der Saison zu vermiesen.
Im Gegenteil: Wolfsburgs Magier wandelte ein von ihm selbst gewonnenes Bully zum Torerfolg aus der eigenen Verteidigungszone (59.). Der Deckel war endgültig drauf und mit den Haien einer der gefährlichsten Verfolger auf Platz 4 deutlich distanziert,
Den über 200 mitgereisten Kölner Fans hatte es, nachvollziehbarer Weise, ordentlich die Petersilie verhagelt. Wolfsburg feierte den wichtigen Sieg ihrer Grizzlys nach zuletzt eher quälenden Auftritten vor heimischer Kulisse.
Angesichts der nach oben und unten etwas losgelösten Tabellensituation nicht immer eine mental leichte Aufgabe für das Team in orange...anders kann man sich die Leistungen der letzten Heimspiel gar nicht erklären.


Teamcheck

Tor
Kuhn weiter über jeden Zweifel erhaben. Nachdem das Team Felix im ersten Drittel in Augsburg so hängengelassen hat, dürfte sich an der Hierarchie erst einmal nichts ändern...

Verteidigung
Alles im grünen Bereich. Allein, dass Sharrow nicht ein wenig durch Roach entlastet wurde, fand ich nicht wirklich nachvollziehbar. Jimmy spielt mit so viel Hingabe, blockt wie ein Verrückter und gibt wirklich immer alles - da wundert es mich nicht, dass er momentan ein wenig überspielt wirkt und die eine oder andere suboptimale Entscheidung trifft. Genauso wie ich Riefers defensiv einfach nicht vor Roach sehe. Ich finde, da vergibt man ein wenig Entwicklungspotential bei Roach, der einfach viel mehr aus seinem Körper machen könnte - eine Hoffnung, die bei Riefers nur zwischenzeitlich einmal kurz bei mir aufflammte.

Sturm
Damit fließend der Übergang zur Abteilung Attacke. Mir fehlt Karachun. Riefers scheint seine Anflüge von Körperspiel aus seiner Zeit in der Verteidigung schon wieder vergessen zu haben. Keine Torgefahr gibt's gratis dazu. Stellt für mich aktuell sowohl hinten als auch vorne keinen Mehrwert dar.
Die Ausfälle von Kreps und erneut Foucault (verletzte sich beim Warmspielen) wiegen vor allem im Powerplay schwer. Im Prinzip fehlt mit Foucault - Kreps - Karachun eine Reihenvariation, die mir über Wochen hinweg mit am meisten Spaß gemacht hat. Hoffentlich bald wieder!
Furchis Tor bildet natürlich das Highlight in dieser Kategorie, da es die Hoffnung auf eine Wende in sich trägt. Und wir wissen ja, was passiert, wenn die Nr. 17 in Fahrt kommt...
Der Magier mit aufsteigender Formkurve punktet doppelt, Fabio hält seine gute Rückkehrer-Verfassung. Insgesamt viel harte Arbeit und bei allen der nötige Biss in Sachen Back-Checking. Solche Auftritte gerade zuhause bitte wieder öfter!

Trainer
Aus gegebenem Anlass einmal eine kleine Erweiterung des Teamchecks.
Pavel Gross wird morgen seine Entscheidung bezüglich der Verlängerung in Wolfsburg oder eines Wechsels nach Mannheim bekanntgeben.
Außer einer neuen Herausforderung dürfte nur das liebe Geld ein Argument für die Kurpfälzer als nächste Trainerstation des in Wolfsburg so verehrten Pavel Gross sein.
Sportlich lockt nur oberflächlich betrachtet ein größerer Etat - die Verteilung eben dieser Gelder geschieht in einem schon seit vielen Jahren nur mit Kopfschütteln zu betrachtenden Chaos aus Kompetenzgerangel und teils schlicht inkompetenten sportlichen Entscheidungen. Mit Bill Stewart als drohender Manager-Lösung kann der Wahnsinn der SAP-Geldverbrennung eigentlich nur noch zusätzlich Fahrt aufnehmen.
Vielleicht entscheidet sich Gross ja morgen doch zur Überraschung nicht gerade weniger für den eher seriös und mit wesentlich mehr Geduld arbeitenden Standort Wolfsburg, wo ihm und der Mannschaft auch am Tabellenende von Fans und Offiziellen der Rücken gestärkt wurde und wird. mb

EHC - Straubing Tigers 3:4

  • Geschrieben von Martin
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Zuhause weiter keine Macht

Als einziges DEL-Team haben die Grizzlys mittlerweile 20 ihrer Heimspiele absolviert - dank des "originellen" Spielplans mehr als jede andere Mannschaft in der Liga. Die Ausbeute ist mit 32 Punkten dabei reichlich durchwachsen, wobei vor allem der Dezember den Schnitt ordentlich in den Keller gezogen hat. Ganze zwei der letzten sieben Partien vor heimischer Kulisse konnten die Wolfsburger für sich entscheiden, denn auch das Aufeinandertreffen mit dem nächsten Kellerkind (nach Krefeld) sollte in einer insgesamt enttäuschenden Niederlage enden. Enttäuschend, da auch das Spiel gegen Straubing den letzten Willen bei den Grizzlys vermissen ließ, der bei den Siegen gegen Teams von der Tabellenspitze (Nürnberg und Berlin) durchaus zu erkennen war.
Zusätzlich kämpft das Team von Pavel Gross mit erneuten Verletzungs- und Krankheitssorgen. Neben den verletzten Ohmann, Ankert und Kreps war zunächst Brückmann krankheitsbedingt ausgefallen. Pünktlich zum Aufeinandertreffen mit dem Schlusslicht fielen mit Voakes und Foucault zwei der Topscorer dem grassierenden Grippevirus zum Opfer, das zuvor schon Likens und Fauser kurzfristig außer Gefecht gesetzt hatte. Vermutlich befindet sich der eine oder andere Akteur aus diesem Grund nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, was neben den Reihenumstellungen den Auftritt gegen Straubing erklären könnte.
Bemüht, aber wenig zusammenhängend und ohne rechte Durchschlagskraft starteten die Grizzlys in dieses Donnerstagabendspiel. Einzig während einer Überzahlsituation kam es zu zwingenden Szenen vor dem von Ex-Grizzly Vogl gehüteten Gehäuse.
So passte das 0:1 der Gäste gut in den Spielverlauf, der auch auch auf den Rängen in eher gedämpfter Atmosphäre daherkam. Wolfsburg, eigentlich ein Top-Team in Unterzahl, bekleckerte sich im Penaltykilling nicht gerade mit Ruhm und blieb über das gesamte Spiel einfach zu passiv vor dem eigenen Kasten. Mike Zalewski war schließlich der Glückliche (10.) der den Puck von Kuhns Schoner in Ruhe aufnehmen und einschieben konnte. Der Wolfsburger Goalie hatte, ebenso wenig wie seine Vorderleute, das Spielgerät rechtzeitig dort orten können. Der Treffer fiel für die Gäste fast beiläufig entspannt. Genauso selbstverständlich fiel drei Minuten später das 0:2 durch Oblinger, der einen Abpraller im hohen Slot energisch in die Maschen befördern konnte. Straubing nutzte praktisch, nach einem vergebenen Alleingang, die zweite und dritte Chance in diesem Spiel gleich zu Toren. Der Abend schien eine ähnlich deprimierenden Verlauf wie gegen Krefeld zu nehmen - nur schlimmer. Da half Sharrows Anschlusstreffer aus der 15.Minute natürlich erst einmal, um die erste aufkommende Resignation auf den Rängen zu verscheuchen. Doch zu mehr sollte es zunächst nicht reichen.
Das Mitteldrittel stellte dann, wie schon gegen Schwenningen, das "Prunkstück" der Begegnung dar. Mehr Krampf als begeisterndes Eishockey auf beiden Seiten, wobei die Tigers sogar das Chancenplus für sich verzeichnen konnten. Erst gegen Ende des zweiten Abschnitts konnte Wolfsburg, in Überzahl, wirklich nennenswerte Akzente setzen. Fausers Lattenknaller kurz vor der zweiten Unterbrechung blieb dabei das Highlight von zwanzig Minuten zum Vergessen.
Zum Glück bekamen die über 3500 Zuschauer dann doch noch etwas Eishockeyspaß geboten. Zum Auftakt des Schlussabschnitts schienen die sonst eher schlapp wirkenden Hausherren doch noch ihre letzten Kraftreserven gefunden zu haben. Nach kurzer Anlaufphase (Rest-Unterzahl aus dem 2.Drittel) stürmten die Grizzlys endlich wieder so, wie man es von ihnen eigentlich kennt. Trotz diverser Ausfälle und Umstellungen gelang schließlich der Ausgleich durch Jeremy Dehner, der in Überzahl das Spielgerät durch Freund und Feind an Vogl vorbeibringen konnte (48.). Zwei Minuten später veredelte Höhenleitner einen schönen Doppelpass mit Aubin im Nachschuss sogar zur 3:2 Führung - die Grizzlys schienen nun endgültig aufgewacht! Falsch gedacht. Das Spiel fiel umgehend in den zähen Verlauf der ersten 40 Minuten zurück - mit dem bereits bekannten Ergebnis. Straubing nutzte dabei einen Geistesblitz von Renner, der Röthke mit einem Spitzenpass von hinter dem Tor tiefenentspannt zum Ausgleich (53.) einschieben ließ. Vorausgegangen war eine slapstickartige Entscheidung der Referees: Aubin hatte Steven Zalewski hart, aber regelkonform in die Bande befördert, was dieser mit einem Stock zwischen die Kufen des wegfahrenden Aubins quittierte. Aubin rappelte sich in der Folge auf und fuhr zu Zalewski, um per kleinem Schubser mitzuteilen, was er von der Aktion hält. Die Diving-Einlage des Straubinger Stürmers wäre vermutlich etwas für den Jahresrückblick gewesen, hätte sie nicht die Anerkennung der Schiedsrichter gefunden, anstatt zur Strafe gegen Straubing zu führen (zusätzlich zum Beinstellen).
Damit nicht genug. Auch der eine Punkt sollte nicht in Wolfsburg bleiben. In der Schlussminute gelang den Gästen sogar noch das 3:4 - erneut in Überzahl, erneut durch René Röthke, der somit seine Saisontore gegen Wolfsburg verdreifachen konnte. Wieder war von der sonst so erbarmungslos arbeitenden Unterzahl der Grizzlys nichts zu sehen, der Treffer bahnte sich fast selbstverständlich an.
Zusammenfassend kann man nur hoffen, dass die Grippe tatsächlich der Grund für diesen desolaten Auftritt des EHC darstellt. Der Tabellenletzte spielte auch wie einer und konnte allein über Kampf und Konzentration alle Punkte aus der Eisarena entführen. Betrachtet man die Auftritte gegen Schwenningen, Krefeld und Straubing in der Gesamtschau, so hat man hier alles andere als Werbung betrieben. Einzig der Auftritt gegen Berlin macht da etwas Hoffnung...


Teamcheck

Tor
Kuhn mit einer ungewohnt mäßigen Partie. Das erste Gegentor geht klar auf seine Kappe.
Lässt sich beim Ausgleich wie seine Vorderleute narren - bei dem perfekt getimten Pass aber kein wirklicher Fehler.

Verteidigung
Sharrow und Krupp, völlig ungewohnt, das anfälligste Verteidigerpaar der Grizzlys. Konsequenz und Stellungsspiel in entscheidenden Momenten leider mangelhaft. Aber auch der Rest wirkte irgendwie angeschlagen und etwas müde.
Lediglich Jeff Likens, der die Grippe bereits hinter sich hat, setzte einige Ausrufezeichen und lieferte auch sonst eine gut Partie ab.

Sturm
Nach diversen Umstellungen konnten mich neben Fauser und Pfohl nur unser Kapitän und Höhenleitner überzeugen.
Die verbliebenen sieben schlichen weitgehend blass über das Eis und konnten kaum Akzente setzen (Aubins Doppelpass mit Höhenleitner ausgenommen).
Besonders erschöpft kam der seit Längerem ohnehin glücklos agierende Furchner rüber, der momentan auch die dicksten Einschussmöglichkeiten im Brustpanzer des Goalies vergräbt bzw. auf die Tribüne schickt. Ohne Foucault, Voakes und Kreps eine ausgesprochen dünne Vorstellung.

Insgesamt ergeben Krankheitswelle und Leistungsloch im Dezember ein wenig erbauliches Bild. Leider bietet der enge Spielplan keine Gelegenheit zur Regeneration - alles muss sich im Prozess finden, ohne die verbliebenen gesunden Spieler zu überlasten. Schlecht für unsere Grizzlys, bei denen schon der gesamte Saisonverlauf bisher von enormem Verletzungspech geprägt war. In dieser Mannschaft steckt, meiner Meinung nach, mehr, als in jeder Mannschaft, die wir bisher in Wolfsburg aufs Eis schicken konnten! Hoffen wir, dass man davon im nächsten Jahr wieder etwas mehr zu sehen bekommt. mb

EHC - Schwenninger Wild Wings 2:3 n.V.

  • Geschrieben von Martin
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Weck mich, wenn es vorbei ist

Die Vorzeichen für diese Partie standen denkbar schlecht: Drittes Heimspiel innerhalb von sechs Tagen, ein extrem elektrisierendes Spiel direkt zuvor, Wochentags-Spiel und als Krönung das Schwenninger Anti-Eishockey zu Gast.
Und was soll man sagen - das Spiel hielt, was es nicht versprochen hatte.
Stolze 40 Minuten lang lieferten die Gastgeber eine völlig entspannte Vorstellung mit Wohlfühlgarantie ab...allerdings für den Gegner.
Gleich zum Auftakt (2.) ließen sie sich mit zwei schnellen Pässen überrennen, wobei Dehner völlig falsch positioniert die rechte Angriffsseite für Andreé Hult öffnete. Der umkurvte den wie festgefroren dastehenden Brückmann spielerisch zum frühen 0:1.
Damit nicht genug. Die Grizzlys hatten durch ein (leider fruchtloses) Powerplay gerade etwas Schwung aufgenommen, da setzte es auch schon den nächsten Nackenschlag.
Diesmal wollte der Wolfsburger Goalie nicht nur zusehen, sondern aktiv in Giliatis Querpass vor sein Tor eingreifen (8.). Leider stimmte der Aufstellwinkel der Torhüterkelle nicht, so dass der Puck als Bogenlampe im eigenen Tor landete.
Was folgte war die Höchststrafe für das, zum Glück nur spärlich erschienene, Publikum. Die von unglaublich vielen Abspielfehlern und viel zu wenig Aggressivität gekennzeichnete "Aufholjagd" der Grizzlys drohte die Anwesenden bis zur zweiten Drittelpause in den Tiefschlaf zu spielen. Schwenningen hingegen tat bis weit ins letzte Drittel exakt 0,0 für den weiteren Unterhaltungswert dieser Begegnung - als Auswärtsmannschaft und mit der bekannten Spielanlage der Schwarzwälder natürlich völlig nachvollziehbar.
Außer zwei weiteren Powerplays zum Vergessen konnte man das zweite Drittel getrost als non-event ignorieren. Man hätte so viel Schönes an diesem Abend machen können...
Zum Glück belohnten die Grizzlys alle Wachgebliebenen mit einem dritten Drittel, das zumindest ansatzweise an die letzten Auftritte des EHC erinnerte.
Mit klar veränderter Körpersprache und deutlich robusterem Auftreten im Zweikampf kamen die Hausherren aus der Kabine und sollten auch umgehend belohnt werden.
Bartalis Hinterteil hatte die Strafbank gerade berührt, da durfte der Ungar in Diensten der Schwäne auch schon zurück zu seinen Teamkollegen. Gerrit Fauser hatte die ganze "Powerplaysache" einfach mal per Distanzschuss abkürzt (43.) und nach sieben Sekunden eingenetzt. Jetzt ging tatsächlich der vielzitierte Ruck durch die Wolfsburger Mannschaft, die nun endlich mit voller Intensität zum Sturm auf das von Dustin Strahlmeier gehütete Gehäuse blies. Eben jener Strahlmeier war es dann auch, der die beherzt kämpfenden Gäste ein ums andere Mal mit seinen Paraden im Spiel hielt. Sowohl Foucaults Alleingang, als auch je zwei völlig freistehende Abschlüsse durch Furchner und Wurm parierte der Goalie der Gäste vorbildlich bzw. durfte auch auf Ungenauigkeiten der Schützen bauen. Völlig am Puck vorbeigedroschen hatte da bereits Christoph Höhenleitner, der kurz nach Fausers Anschlusstreffer einen Querpass nicht im leeren Tor unterbringen konnte. Es war zum Durchdrehen. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit (58.) ließen ausgerechnet zwei Verteidiger die Halle dann doch noch einmal richtig feiern. Dehners Schuss hatte Robbie Bina unhaltbar zum 2:2 Ausgleich abgefälscht, das Spiel schien nun endgültig eine Wendung zu erfahren!
Doch die Euphorie wich schnell wieder neuem Kopfschütteln. Durch zwei Strafen im direkten Anschluss (58.) und in der folgenden Verlängerung nahmen sich die Grizzlys auf der Zielgerade die Chance auf weitere Punkte.
Auch wenn die Strafe gegen Alex Weiß (63.) vermutlich nicht einmal im Dameneishockey gepfiffen wird, ging die Punkteteilung zugunsten der Gäste absolut in Ordnung. Will Acton durfte den Siegtreffer (64.) nach gelungener Überzahlkombi eintüten, nachdem Brückmann seinen ersten Versuch kurz zuvor noch spektakulär abgewehrt hatte.
Etwas genervt, aber nun doch nicht mehr komplett enttäuscht, ging es für die Grizzlys zurück in ihre Höhlen.


Teamcheck

Tor
Das Warten auf einen Aufwärtstrend geht weiter. Beim ersten Gegentreffer einfach zu passiv, beim zweiten...tja, zu aktiv? Die einfachsten Automatismen scheinen dem immer nervöser wirkenden Brückmann nicht mehr von der Hand zu gehen. Zuviel Kopf, zu wenig Instinkt. Da dürfte der Mentalcoach noch einiges zu tun haben...
Den Nerv, gegen den Spitzenreiter und die Nr.5 mit dem aktuell formschwächeren Goalie anzutreten, muss man auch erst einmal haben. Mit 15 Einsätzen kam Wolfsburgs nominelle Nr.1 bisher auch insgesamt nicht zu kurz - da ziehe ich meinen Hut vor der Linie unseres Trainers!

Verteidigung
Dehner entwickelt sich immer mehr zum Offensivmonster, spielt vom Scoring her seine beste DEL-Saison...lässt dafür aber defensiv ungewohnt oft was anbrennen!
Ansonsten bin ich nach wie vor von der Entwicklung bei Roach sehr angetan. Unglaublich solide und findet immer die Lücke, um den Puck zum Tor zu bringen. Klare Verpflichtung für die Zukunft!
Likens, der mittlerweile seine 10te DEL-Saison spielt, hält seine Chaos-Quote erstaunlich niedrig, bringt aber im Spielaufbau leider nicht mehr annähernd den Mehrwert, wie noch vor einiger Zeit.

Sturm
Hm. Furchis Ladehemmungen halten an. Versucht wie in seinen Wolfsburger Anfangszeiten Löcher in den Brustschutz der Goalies zu schießen. Was soll's, die Phase geht eigentlich immer vorbei.
Wirklich gefallen haben mir neben Haskins eigentlich nur die Jungs aus der vierten Reihe. Alex Weiß ging mit entsprechender Einstellung voran, Ohmann und Riefers (!) mit guter Aggressivität taten es ihm gleich. Wenn die anderen Kollegen aus dem Bereich Attacke ebenso zu Werke gegangen wären - die Punkte wären allesamt in Wolfsburg geblieben.
Ohmann erinnerte mich zwischenzeitlich stark an Polo bzw, sogar ein bisschen an Christoph (The Artist Formerly Known As Paepke) Wietfeld - *Seufz*. mb

EHC - Eisbären Berlin 7:4

  • Geschrieben von Martin
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Play-offs im Dezember

Dank eines mehr als spektakulären Spielverlaufs mit jeder Menge sehenswerter Torchancen auf beiden Seiten und dem gewohnt starken Support aus der Hauptstadt wehte bereits zu diesem frühen Zeitpunkt ein Hauch von Play-offs durch die Eisarena.
Angefeuert von ihren rund 1000 mitgereisten Fans, legten die Gäste dabei trotzdem einen fulminanten Fehlstart hin. Schon in der fünften Minute feierten die Grizzlys das erste Mal den Hauptdarsteller dieser Partie, nachdem Bina bereits den Pfosten (3.) getroffen hatte: Kris Foucault hatte zum Abschluss eines wenig inspirierten Powerplays seiner Farben per Alleingang eingenetzt. Sein Schuss durch die Beine eines Verteidigers schlug unhaltbar im Winkel ein und brachte die Partie endgültig auf Touren.
Dass es keine schlaue Idee ist, gegen das statistisch beste Überzahlspiel der Liga Strafen zu nehmen, schien sich indes nicht bis Berlin herumgesprochen zu haben. Konnte man den hohen Stock mit Verletzungsfolge (2+2) von Buchwieser noch als Ungeschicklichkeit zu Lasten Armin Wurms werten, so stellte Olvers Faustschlag während der bereits laufenden Überzahl blanke Dummheit dar. Nachdem ein Pfostenknaller (9.) durch Jeff Likens nach Videobeweis naturgemäß keine Anerkennung gefunden hatte, ließen sich die Grizzlys kein zweites Mal bitten. So trug die doppelte Überzahl bereits nach 32 Sekunden Früchte und Fauser konnte eine geradezu entspannt vorgetragene Kombination zum 2:0 einschieben (11.).
Damit nicht genug. Björn Krupp sendete seinem Vater wenig später (14.) auch noch einen Gruß auf die Trainerbank und zeichnete, wenn auch extrem glücklich, für das 3:0 verantwortlich. Nach Doppelpass mit den Kufen eines Mitspielers hatte der Wolfsburger Verteidiger auch noch die Kufen eines Gegenspielers auf seiner Seite - der Puck ging unhaltbar abgefälscht ins Berliner Gehäuse.
Wer dachte, dass sich nun eine einseitige Partie entwickeln würde, der sah sich umgehend getäuscht. Der Kampfgeist der Eisbären war nun endgültig geweckt. Noch in die Toransage zum dritten Wolfsburger Tor hinein vollstreckte Berlins Rankel zum 3:1 nach Traumkombi über Oppenheimer und Buchwieser. Keine zwei Minuten später schlug der Kapitän erneut zu und überlistete Wolfsburgs Schlussmann mit einem Schuss aus spitzem Winkel. Das Spielgerät fand dabei irgendwie den Weg über Brückmanns Schoner ins Gehäuse der Grizzlys und hauchte den Bemühungen der Gäste weiteres Leben ein. Wobei dem Treffer nach Sichtung der Videobilder regelwidrig die Anerkennung zugesprochen wurde, obwohl Berlins Oppenheimer mit einem Fuß im Torraum stand und obendrein den Schläger des Wolfsburger Goalies an der Schaufel blockierte.
Mit viel Aufopferungsbereitschaft und noch mehr Mühe retteten die Hausherren den Rest des einst so stattlichen Vorsprungs in die erste Pause.
Was zunächst als Fortsetzung des Berliner Sturmlaufs begann, sollte auch im zweiten Spielabschnitt wieder als Backpfeifengewitter für die Eisbären enden. Foucaults Alleingang und sein spektakuläres Rückhandtor (22.) zum 4:2 läuteten dabei die nächste Eskalationsstufe dieser rasanten Partie ein. Die Gäste bekamen bei ihren Angriffsbemühungen einfach keine Balance in ihre Aktionen und ermöglichten den Grizzlys dabei immer wieder Chancen auf Alleingänge, die neben Foucault wenig später (25.) auch Mark Voakes zu nutzen wusste. Seine Handgelenkschuss fand präzise die Lücke im Tor der Eisbären, das bis zum Ende vom leicht verunsichert wirkenden Cüpper gehütete wurde. Und die Gastgeber blieben ihrer effizienten Linie weiter treu: Strafe gegen Noebels wegen Stockschlag (31.) - Tor durch Foucault (32.) im Powerplay.
Doch wie im ersten Drittel ließ der Druck der Gastgeber nach Treffer Nr.3 prompt wieder nach, die Angriffsbemühungen der Gäste hingegen blühten entsprechend auf.
Dies ging so weit, dass Coach Pavel Gross trotz deutlicher Führung noch vor der Pause eine Auszeit nahm, um den Eisbären den erneut aufkommenden Schwung aus den Segeln zu nehmen (36.). Zwar konnte ein weiterer Treffer der Gäste bis zur zweiten Pause verhindert werden, doch die Intensität der Begegnung war von dieser Unterbrechung unbeeindruckt weiter gestiegen. Spätestens nach dem sechsten Tor der Hausherren hatten die Eisbären nicht nur den Körpereinsatz, sondern auch den Härtegrad der sonstigen (eher weniger erlaubten) Aktionen massiv nach oben geschraubt. Wolfsburg hielt dagegen, vernachlässigte mit fortschreitender Spieldauer aber die eigenen offensiven Aktivitäten mehr und mehr.
So geriet der Schlussabschnitt den Grizzlys fast zur reinen Abwehrschlacht gegen ungerührt anrennende Eisbären. Die meldeten sich per Olver-Doppelschlag (44./46.) dann auch prompt zurück im Rennen um die Punkte. Wie im ersten Abschnitt war der erste Treffer die Krönung einer schönen Kombination, der zweite Treffer eher einer Unzulänglichkeit des Wolfsburger Torhüters geschuldet. Nach einem unkontrollierten Rebound hatte der Berliner Stürmer das Spielgerät per Tunnel unterbringen können.
Bis kurz vor Schluss tobte der erbitterte Kampf um diese Partie - vor allem im Drittel der Grizzlys, die nun mit allem was sie hatten den wichtigen Dreier verteidigten.
Erst in der Schlussminute erlöste der Schuss ins nun leere Tor der Gäste die mitfiebernden Heimfans von der Qual des letzten Drittels, welches der Tabellenführer komplett dominiert hatte. Mark Voakes hatte mit seinem zweiten Tor die Grizzlys schließlich in finale Jubelstürme und zu den Siegesfeierlichkeiten geleitet, die dem begeisternden Spielverlauf entsprechend euphorisch ausfielen. Während die Welle von "Debütant" Marcel Ohmann (erstes Spiel für die Grizzlys) angeführt wurde, war ein anderer Grizzly bereits seit der zweiten Drittelpause nicht mehr in der Eisarena. Kein geringerer als Kapitän Haskins hatte im letzten Spielabschnitt babyfrei bekommen, um im Krankenhaus seine Tochter Abigail Grace auf dieser Welt begrüßen zu können.

Wir gratulieren unserem Kapitän ganz herzlich zu diesem freudigen Ereignis und wünschen der ganzen Familie alles Gute!

Teamcheck

Tor
Felix findet einfach nicht zu seiner gewohnten Form. Wieder gelingt ihm kein Spiel ohne Unsicherheiten oder mittelgroße Aussetzer/Fehler. Sowohl das zweite als auch das vierte Tor gehen zu einem guten Teil auf seine Kappe - ein Vorbeikommen an Kuhn bleibt mit solchen Leistungen leider weiter Utopie. Ich drücke alles, was man drücken kann, dass unsere Katze wieder in den Fluss der letzten Saison finden kann! Dass Pavel immer wieder auf ihn setzt, ist auf jeden Fall der richtige Weg. Seine Vertragsverlängerung basierte sicherlich nicht zuletzt auf der Annahme, dass man ihn in schwierigen Zeiten fairer behandelt als bei anderen (hier nicht zu nennenden) Vereinen.

Verteidigung
Krupp und Sharrow - geile Show! Enorme Präsenz und gute Spielübersicht. Das war wirklich beeindruckend.
Aber auch sonst eine gute Vorstellung unserer übrigen Defensivkünstler - trotz vier Gegentreffern.
Gegnerische Kombinationen wie bei den Gegentreffern 1 und 3 lassen sich nur mit allen fünf Feldspielern effizient unterbinden und da haben sich unsere Verteidiger nicht viel vorzuwerfen. Wurm beim letztgenannten Tor vielleicht etwas zu weit aus der Position...

Sturm
Foucault entscheidet die Partie mit seinen drei Toren fast im Alleingang. Auch wenn der Wolfsburger Torjäger die Abwehrarbeit nicht erfunden hat, findet er immer besser ins System der Grizzlys und ist zudem "on fire". Die Anzahl der erzielten Tore ist aber auch insgesamt betrachtet wirklich bemerkenswert, denn außer der Haskins-Reihe hat keine der Wolfsburger Formationen in dieser Zusammensetzung in den letzten Wochen auf dem Eis gestanden. Die Ausfälle von Kreps und Pfohl, die Premiere von Ohmann nach langer Verletzung und die Abberufung Karachuns nach Crimmitschau hatten ordentlich Wirbel in die Reihenzusammensetzung der Grizzlys gebracht. Geschadet hat es jedenfalls nicht, wie die Leistung gegen eines der Spitzenteams der Liga gezeigt hat. Mark Voakes setzt weiter offensive Ausrufezeichen, kämpft aber auch weiter mit seinen defensiven Aufgaben (Gegentreffer 1). Insgesamt geht es für den Magier aber, wie beim gesamten Team, wieder aufwärts. mb