header
Log in
A+ A A-

Spielberichte 15/16

F4 EHC - Red Bull München 3:5

  • Geschrieben von Martin
  • Zugriffe: 9891

Der Weg war zu weit

Nach drei Niederlagen in Folge sollte nun der erste Finalspielsieg überhaupt für die Grizzlys folgen. Ziel war natürlich die Serie in die Verlängerung zu schicken und das scheinbar Unmögliche möglich zu machen...gegen ein in den Play-offs bisher enorm starkes Team aus München.
Wem das als Ausgangssituation noch zu sonnig war, dem kamen spätestens beim Einlauf der Mannschaft die Regenbögen und Einhörner abhanden. Mit Hambly, Sharrow, Likens und Reiss konnte Wolfsburg ganze vier gelernte Verteidiger aufbieten, von denen – gerüchteweise – nur ein einziger ohne größere Verletzung aufs Eis gekommen war. Ergänzt durch Aushilfsverteidiger Höhenleitner war von der einst so hochgelobten Abwehr der Grizzlys nur noch ein (Bruch-)Teil übrig.
Bis zur Mitte des ersten Spielabschnitts sahen die 4500 Zuschauer jedoch erst einmal ein Spiel auf Augenhöhe. Beide Teams erspielten sich vorzeigbare Einschussmöglichkeiten, wobei der Gast immer einen Tick gefährlicher wirkte. Auch nach Söderholms Treffer (10.) zum 0:1 schüttelten sich die Gastgeber nur kurz, um dann die Zügel wieder anzuziehen.
Unerwartet spektakulär dann die Schlussphase des ersten Drittels: Jimmy Sharrow hatte gerade die Tür der Strafbank hinter sich geschlossen, da krachte es auch schon im Münchner Tor! Ganze acht Sekunden in Unterzahl und schon hatte Voakes von Fauser zum Breakaway geschickt den Ausgleich erzielt (17.). Kaum hatte der Hallensprecher unter dem Jubel der Heimfans den Spielstand ausgerufen, da rappelte es auch schon auf der anderen Seite. Wer jetzt aber dachte, Michi Wolfs Überzahltreffer (18.) zum 1:2 wäre das letzte Wort vor der Pause, der irrte sich gewaltig. Wieder schüttelten sich die Grizzlys, wieder schlugen sie wenige Sekunden später zurück. Erneut das kongeniale Duo Fauser – Voakes war es, das die Gastgeber wieder hoffen ließ. Diesmal legte „Magic“ Voakes für Gerrit Fauser zurück, der das Spielgerät erbarmungslos in die Maschen hämmern konnte.
Mit einem leistungsgerechten 2:2 ging es zum ersten Mal in die Kabinen.
Und siehe da: Die turbulenten Ereignisse zum Ende des ersten Drittels hatten den Grizzlys offenbar zusätzlichen Schwung verpasst. Mit einem deutlichen Chancenplus, eingeleitet durch eine Strafe gegen Oberdrecksack Pinizotto wegen Vortäuschen eines Fouls, ging es in den Mittelabschnitt. Als dann erneut Mark Voakes mutterseelenallein an der gegnerischen blauen Linie bedient wurde, hieß es plötzlich sogar: Führung für die Grizzlys! Wieder hatte der Wolfsburger Stürmer dem Münchner Spitzengoalie im eins gegen eins keine Chance gelassen (34.) und diesen eiskalt umspielt. Ein eher untypischer, aber umso wichtigerer Überzahltreffer und damit eine absolute Rarität gegen die Unterzahlspezialisten von Red Bull.
Das schien allerdings der endgültige Weckruf für die bis dahin eher kontrolliert auftretenden Gäste zu sein. Umgehend erhöhten die Bullen den Druck auf das Gehäuse der Gastgeber, Wolfsburg fand bis zur nächsten Drittelpause offensiv praktisch nicht mehr statt. Zu allem Überfluss gelang Kastner nur drei Minuten nach der ersten Grizzlyführung der 3:3 Ausgleich, nachdem das extrem gut organisierte Angriffsspiel der Münchner wieder einmal gegriffen hatte. Auch im Schlussabschnitt sah es schnell nach einem Abnutzungskampf zuungunsten der Grizzlys aus. Zwar bekam Wolfsburg durch ein Überzahlspiel (45.) zunächst wieder etwas mehr Zugriff auf das Angriffsdrittel, doch schon bald entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor – das der Gastgeber.
So machten sich die nachlassenden Kräfte der vor allem im Defensivverbund arg dezimierten Grizzlys immer deutlicher bemerkbar. Das letztlich entscheidende vierte Tor der Gäste war denn auch eher eine Direktvorlage eines völlig erschöpften Wolfsburgers, als eine herausgespielte Einschussmöglichkeit. Pinizottos Schuss an den Pfosten drückte schließlich Keith Aucoin zum 3:4 über die Linie (48.) – es roch bereits nach Sommerpause.
Dass dann mit Pinizotto ausgerechnet ein Spieler, der eigentlich eine Sperre hätte absitzen müssen, den Deckel auf diese Saison (auch als Saiosn bekannt) machte, passte leider ein wenig ins Bild der letzten Begegnungen. Wie um den Verantwortlichen ihren Fehler noch einmal vor Augen zu führen, ließ es sich der Münchner „Sportsmann“ im Anschluss an seinen Treffer nicht nehmen, noch einmal sein Gift zu verspritzen. Mit seiner Jubelfahrt direkt vor der Wolfsburger Bank kochten die bereits verblassten negativen Emotionen erneut hoch. Pinizotto und Widing gingen für je 10 Minuten zum Abkühlen in die Box, die Zeche für Pinizottos Deppenauftritt zahlte schließlich Teamkollege Seidenberg, der vom sichtlich verärgerten Likens unsanft in die Bande befördert wurde. Weniger als angemessenes Strafmaß, denn als Verhinderung einer Eskalation ging es für den Übeltäter direkt zum Duschen. Die folgenden fünf Minuten Überzahl (ab 51.) spielten die Gäste kontrolliert in Richtung Titelgewinn herunter, eine im Anschluss folgende Strafe gegen Sharrow (56.) ließ dann auch kaum einen Gedanken in Richtung Aufholjagd zu. Aufgrund der nun verhaltenen Spielweise der Münchner gelang den Grizzlys zwar selbst in Unterzahl noch die eine oder andere gefährliche Aktion vor dem gegnerischen Tor, doch schon vor dem regulären Ende war eigentlich längst klar: Der neue Meister kommt aus München.
Hoch verdient setzten sich die unglaublich geschlossen und mit einer schier erdrückenden Leistungsdichte ausgestatten Münchner in dieser am Ende deutlichen Serie durch.
Wir gratulieren an dieser Stelle den roten Bullen recht herzlich und halten fest, dass Serien gegen Don Jacksons Mannschaften für uns offenbar immer klare Angelegenheiten bleiben.

Teamcheck

Statt der üblichen Ausführungen zu einzelnen Akteuren möchte ich an dieser Stelle ein paar allgemeine Worte an unser Team richten.
Ihr habt uns in dieser Spielzeit einmal mehr gezeigt, was man schaffen kann, wenn alle zusammenhalten und sich vorbildlich unterstützen. Jeder, der dem Geschehen in unserem Verein etwas länger folgt, weiß, dass in diesem Verein und dieser Mannschaft eine ungeheure Kameradschaft herrscht. Das macht es Neuzugängen so leicht in Wolfsburg Fuß zu fassen und das macht es jungen Spielern leichter den nächsten Schritt zu gehen.
Ich hoffe, dass VW in Zukunft erkennt, was für ein Image-Juwel sie da in ihrem Portfolio haben und die Grizzlys mithilfe besserer PR-Möglichkeiten aus ihrem Nischendasein heraustreten können. Es bedarf nur vergleichsweise (Fußball!) kleiner organisatorischer und finanzieller Unterstützungen, um aus den Grizzlys in Zukunft eine Topadresse des deutschen Eishockeys zu machen. Eine zusätzliche Eisfläche wäre die einzig größere Veränderung, derer es bedarf. Verantwortliche, die aus wenig viel machen und seriös, aber keinesfalls unterkühlt auftreten, haben wir bereits.
Danke für diese Saison an alle Spieler und alle Mitarbeiter unserer Grizzlys. Die Vorfreude auf die kommende Saison könnte bei mir nicht größer sein. Das ist das größte Kompliment, das ich nach einer so langen Spielzeit machen kann. Bildet euch ruhig was drauf ein! mb

 

F2 EHC - Red Bull München 4:5

  • Geschrieben von Martin
  • Zugriffe: 9735

Achterbahnfahrt mit Looping

Das war am Ende schon ein Schlag ins Gemächt, wie die Grizzlys dieses spektakuläre Spiel durch zwei Doppelschläge noch aus der Hand gaben.
Zunächst hatte alles so stimmungsvoll (Gänsehaut-Choreo vor Spielbeginn) begonnen, die Hausherren den Gast aus der Weißwurstmetropole geradezu überrannt.
Frühe Tore durch Aubin (2.) und Mayer hatten die Stimmung zum Überkochen gebracht, München zwischenzeitlich jede Kontrolle über das Spielgeschehen verlieren lassen. Hatte Aubin den durch Münchner Konfusion entstandenen Freiraum noch zum ungehinderten Abschluss genutzt, so stellte Mayers Treffer das Resultat einer blitzschnelle Passkette aus dem eigenen Drittel dar, die durch Mayers Direktabnahme unter der Giebel ihre Veredlung gefunden hatte.
Doch schon bald sollte sich Fortuna zum Team der roten Brausebullen gesellen: Drei Minuten nach Wolfsburgs absolut verdienter 2:0 Führung übersah das Schiedsrichtergespann einen hohen Stock gegen Wolfsburgs Goalie, dessen Maske sich durch Seidenbergs Schlag von oben gelockert hatte. Dem reklamierenden Brückmann rutschte daraufhin die Maske vom Kopf, während fast zeitgleich der Puck hinter ihm einschlug. Ein regulärer Treffer, da die Referees nur bei heruntergefallener Maske abpfeifen dürfen – die Ereignisse aber leider recht zeitnah vonstatten gingen. Der übersehene hohe Stock hingegen passte schon eher in das aus Spiel 1 bekannte Muster der gepfiffenen Revanchefouls der Grizzlys. Unglücklich...bestenfalls. Ab diesem Moment sollten die Schiedsrichter diese sich abzeichnende Tendenz allerdings komplett einstellen!
In doppelter Überzahl wollten die Gastgeber noch vor Ende des ersten Spielabschnitts (16.) den aufkommenden Schwung der Münchner endgültig wieder zum Stillstand bringen...es sollte nicht einmal ansatzweise gelingen. Mit einem ganz schwachen und vor allem schussarmen Auftritt ließen die Grizzlys die Bullen schließlich ungeschoren davonkommen, gaben in dieser hin und her wogenden Partie schließlich sogar das Momentum komplett aus der Hand.
Wieder eine ausgelassene Überzahlgelegenheit der Grizzlys läutete dann die erste heftige Drangphase der Gäste ein. Zwar konnten diese ihrerseits ebenfalls eine Überzahl nicht in Zählbares verwandeln, doch zur Mitte der Begegnung war es dann soweit. Per Doppelschlag nutzte München die ersten Schwächen in der Abstimmung der mittlerweile umgebauten Reihen der Gastgeber (Furchner und Bina waren verletzt in der Kabine geblieben). Der allseits „beliebte“ Pizzaotto vollstreckte bei 3 auf 1 ins kurze Eck (33.), Seidenberg stellte gegen die Bewegungsrichtung von Brückmann eine Minute später auf 2:3 für die Gäste.
Wildes coast-to-coast Hockey folgte, mit Chancen auf beiden Seiten – Wolfsburg blieb erneut in Überzahl glücklos, beide Teams verbuchten kurz vor der Pause jeweils noch einen Treffer am Torgestänge. Der Puls bei allen auf und neben dem Eis raste längst in ungeahnten Höhen!
Besonders eine Szene aus der 37.Minute erhitzte dabei die Gemüter zusätzlich. Jeff Likens hatte den vermeintlichen 3:3 Ausgleich per Schlagschuss erzielt, doch dem Treffer wurde nach Videobeweis die Anerkennung entzogen. Mayer hatte mit einer Schlittschuhbewegung den Puck in die Maschen abgelenkt. Da, dank einer deutschen (!) Spezialregelung, eine Kickbewegung nicht mehr nötig ist, um den Treffer irregulär zu machen, entschieden die Referees mithilfe von Videojudge Brüggemann korrekt auf „kein Tor“. Bitter, und dem normalen Zuschauer – wie so vieles im Eishockey – kaum zu vermitteln.
Der Schlussabschnitt sollte Wolfsburg zunächst deutlich entgleiten. Einer frühen Strafe gegen Armin Wurm folgte zwar noch einmal eine Gelegenheit bei eigener Überzahl, aber der Spielrhythmus der Grizzlys war zunehmend abhanden gekommen. München hingegen profitierte schließlich von Wolfsburger Unbeherrschtheiten – McLean nach Stockschlag (super überflüssig) und Wurm nach unkorrektem Körperangriff saßen ab der 53.Spielminute gemeinsam auf der Strafbank. Eiskalt nutzten die Bullen die doppelte und anschließend auch die einfache Überzahl, um die Treffer 4 und 5 zu realisieren (53./54.). Der Drops schien nach Jaffrays und Kahuns Treffer gelutscht – doch weit gefehlt! In dieser wilden Partie war immer noch keine entgültige Entscheidung gefallen, denn eine Zeigerumdrehung später jubelte endlich auch der Anhang in orange wieder einmal! Sharrows trockener Hammer in die linke untere Ecke ließ den letzten Funken Hoffnung auf Seiten der Grizzlys weiter glühen. Mit vollem Risiko und letztem Einsatz drängten die Hausherren schließlich ohne Goalie und mit sechstem Feldspieler auf den Anschluss – und erzielten ihn sogar! Tim Wallace bediente den mutterseelenallein vor Leggio campierenden Voakes, der dem Münchner Goalie den Puck cool durch die Schoner schieben konnte (59.). Atemberaubend spannende Schlusssekunden fanden in einem weiteren Abschluss durch Mark Voakes ihren Höhenpunkt...an den Pfosten und vorbei! Ein wenig Pech, aber vor allem schwaches Powerplay und zwei saudumme Strafen im Schlussabschnitt hatten den Grizzlys diese völlig überflüssige Niederlage beschert.
Mit der schweren Hypothek eines 0:2 Rückstands geht es für den dezimierten Wolfsburger Kader nun zum vorentscheidenden Spiel 3 nach München.

Teamcheck

Tor
Brückmann wieder mit einigen großartigen Reflexen. Legt allerdings nicht seine beste Leistung in dieser wichtigen Partie hin. Ohne Reklamation (oder mit dem sofortigen Hinschmeißen der Maske oder seiner selbst) wäre der Anschluss der Münchner nicht gefallen.
Etwas ungeschickt...
Auch Treffer Nr.2 wirkte als Einschlag im kurzen Eck nicht unbedingt souverän. Was soll’s – Mund abwischen und weiter geht’s!

Verteidigung
Ohne Bina machte sich die Umsortierung schon ein wenig bemerkbar. Auch wenn Höhi als Verteidiger ein guter Ersatz ist – es fehlen natürlich die Automatismen.
Während bei Likens seit einigen Spielen leider wieder der Wahnsinn die Oberhand über das Genie zu gewinnen droht, dreht Jimmy Sharrow immer weiter auf. Einfach geil, was der in der Saison so durchschnittlich agierende Neuzugang in den Play-offs aus sich rausholt.
Sein Treffer zum 3:5 war da nur das Ausrufezeichen hinter eine auch defensiv überragende Partie.
Von der einen oder anderen überflüssigen Strafzeit abgesehen setzt Armin Wurm seinen Aufwärtstrend auf hohem Niveau fort. Brutal gute Defensivarbeit!
Hambly und Reiss halten dem extremen spielerischen Niveau der Gäste allerdings nur mit viel Mühe stand, im Spiel nach vorne fehlt dann hin und wieder der freie Kopf für die richtige Entscheidung (siehe Likens).
Insgesamt nicht nur wegen der fünf Gegentreffer kein Saisonhighlight der Defensivabteilung.

Sturm
In den Anfangsminuten von allen überragende Arbeit. Haskins zieht komplett mit Vollgas durch. In der Schlussphase gibt sich keiner auf. Soweit die guten Nachrichten. Ab dem durch eine Regelwidrigkeit eingeleiteten ersten Gegentreffer ging zunächst die Dominanz der Grizzlys flöten. Ab dem Ausfall von Furchner und Bina und den zahlreichen damit verbundenen Umstellungen (Höhi in die Verteidigung, Pfohl aus der vierten Reihe raus, dafür Stas in den Spielbetrieb rein usw.) schien die sonst so gut geölte Backchecking-Maschine der Grizzlys zusätzliche Probleme zu bekommen. Die quasi weggeschenkten Gegentreffer Nr. 2 und 3 kann man gegen eine Spitzenmannschaft wie München eigentlich nicht mehr wieder gut machen. Dass es den Grizzlys, trotz zweier weiterer Gegentreffer, fast noch gelungen wäre, spricht dann doch wieder für unser Team. Mit neu gewonnener Ordnung werden sie den Bullen auch in Spiel 3 wieder alles abverlangen, da bin ich mir sicher.
Wenn der bisher so überzeugende McLean dann auch noch solche Dummheiten wie seinen Stockschlag abseits des Spielgeschehens lässt, brauchen wir uns vielleicht nicht wieder über eine vergebene Chance auf den ersten Sieg in einem Finalspiel ärgern. mb

 

HF5 EHC - T. Sabo Ice Tigers 2:3 n.V.

  • Geschrieben von Martin
  • Zugriffe: 9191


Der letzte Schritt ist der schwerste

Wenn Spiele so hart umkämpft sind, wie die zwischen Grizzlys und Ice Tigern, dann bewahrheitet sich diese Eishockey(binsen)weisheit umso mehr.
Nachdem Wolfsburg beim letzten Besuch im Frankenland die Nürnberger so fahrlässig vom Haken gelassen hatte, sollte auch dieser Abend kein Happyend für diese hart umkämpfte Serie bringen.
Gelang Wolfsburg der Auftakt in Spiel Nr.5 noch respektabel, so spielte nach zwei frühen Wolfsburger Chancen erst einmal fast nur der Gast.
Ob die später gezählten 20 (!) Torschüsse der Tigers den Tatsachen im ersten Drittel entsprachen, darf zwar bezweifelt werden, den Spielverlauf bildete diese Statistik jedoch recht eindrücklich ab. Immer wieder überraschten die Gastgeber sich dabei selbst mit unsortiertem Stellungsspiel und absoluten Harakiri-Pässen. Lediglich Felix Brückmann im Tor der Grizzlys konnte nach seiner weniger überzeugenden Vorstellung in Spiel 4 wieder vollends begeistern und sein Team bis zur ersten Pausensirene im Spiel halten. Bei Oblingers Riesenchance (4.) war er zwar schließlich machtlos, doch der Pfosten sollte für die ins Schwimmen geratene Wolfsburger Mannschaft retten. Zwischenzeitlich hätte Christoph Höhenleitner den Verlauf der ersten zwanzig Minuten sogar vollständig auf den Kopf stellen können – doch den ihm in der 14 Minute zugesprochenen Penalty konnte der zuletzt so groß aufspielende Stürmer nicht verwandeln.
Mit einem aus Wolfsburger Sicht äußerst glücklichen 0:0 ging es zum ersten Mal in die Kabinen und der Gastgeber bekam eine Möglichkeit, sein Spiel neu zu justieren.
Das sollte gelingen! Die Grizzlys starteten gewohnt überzeugend in ihr „Sahnedrittel“ setzten die Gäste sofort unter Dauerdruck. Und das sollte sich auszahlen: Nach längerer Druckphase und einigen ausgelassenen Chancen klingelte es zum ersten Mal hinter Nürnbergs Beskorowany. Hamblys Schlenzer fand über Tyson Mulocks Kelle den Weg in den Kasten der Gäste (30.), die Halle stand zum ersten Mal Kopf.
Wütende Nürnberger Angriffe sollten folgen... doch das nächste Tor ging erneut auf das Konto der Gastgeber. Drei Minuten nach dem Führungstreffer untermauerte Christoph Höhenleitner seine überragende Play-off Form mit seinem dritten Treffer in dieser Serie (33.).
Vincenz Mayer hatte seinen Gegenspieler schön an dessen Tor festgenagelt und nahm pünktlich zu Höhenleitners Schuss den Schlittschuh aus dem Torraum. Der hat seinerseits das Gehäuse nach Puckeroberung schön umkurvt und ungehindert in den Winkel gelupft – die Sache schien für die Grizzlys Fahrt aufzunehmen.
Nürnberg hielt verzweifelt dagegen, die Dominanz der Grizzlys sollte bis zum nächsten Pausenpfiff aber nicht wieder in Gefahr geraten.
Auch der Auftakt ins (vermeintliche) Schlussdrittel gelang den Hausherren recht ansehnlich.
Knapp zwei Minuten war das Drittel erst alt, da hatte Wolfsburg schon die nächste Riesenchance. Doch Vincenz Mayer stand letztlich unglücklich zum Nürnberger Gehäuse und konnte die Scheibe nur parallel zur Torlinie am leeren Kasten der Gäste vorbeibewegen.
Verbissen und mit aller erlaubten Härte (und es war wirklich SEHR viel erlaubt) bekämpften sich die beiden Teams unten auf dem Eis, während die Kulisse längst unter Daueranfeuerung mehr Zeit im Stehen als im Sitzen verbrachte.
Nürnberg kämpfte nun mit aller Verzweiflung und Macht gegen den erneut drohenden Sommerurlaub, blieb dabei zunächst allerdings reichlich erfolglos.
Doch binnen 30 Sekunden sollten sich die Franken wieder im Geschäft um die Meisterschaft zurückmelden. Zunächst hatte der in dieser Serie ausgesprochen auffällig agierende Oblinger sehenswert in den Winkel vollstreckt (48.), kaum war der Treffer nach Videobeweis anerkannt, jubelten die Gäste auch schon zum zweiten Mal (49.). Brandon Segal hatte einen Abpraller am etwas aus der Position geratenen Brückmann vorbeischieben können, den Verdacht des Torraumabseits verwarfen die Schiedsrichter nach erneuter Sichtung der Videobilder.
Weiter ging die wilde Reise von Torszene zu Torszene auf beiden Seiten des Eises. Ein weiterer Treffer sollte aber keinem der beiden Teams gelingen.
Die erste Overtime hielt dann zwar nicht so viele Torchancen wie die vorhergehenden Drittel parat – aber das halbe Dutzend Gelegenheiten für jedes Team reichte, um die Nerven aller Anwesenden bis zum Zerreißen zu spannen. Besonders Gästekapitän Patrick Reimer sorgte ein ums andere Mal dafür, dass den Fans der Grizzlys der Atem stockte. Konnte Felix Brückmann seinen ersten gefährlichen Abschluss noch mit dem Rand der Fanghand am Tor vorbeibugsieren, so rettete Wolfsburgs Armin Wurm sein Team wenig später sogar mit dem Kopf vor dem drohenden Einschlag des Hartgummigeschosses!
Weiterhin unentschieden ging die Partie in die zweite Verlängerung...und die begann mit einem kleinen Schock: Mit Mark Voakes musste zu Beginn der 84.Minute tatsächlich der erste (!) Akteur den ungeliebten Gang auf die Strafbank antreten. Zuvor hatte es lediglich den Penaltyshot gegen Nürnberg (verursacht durch Printz) gegeben. Fingerspitzengefühl konnte man den Referees mit dieser Strafe zu diesem Zeitpunkt des Spiels wohl kaum unterstellen, hatten sie zuvor doch wirklich ALLES laufen lassen, was die Teams zum Teil weidlich ausgenutzt hatten.
Es kam, wie es kommen musste: Nürnberg setzte alles daran, die Partie nun endlich zu entscheiden, die Grizzlys warfen die letzten Kraftreserven zur Verhinderung der späten Niederlage in die Waagschale. Kaum war die Strafe abgelaufen, machte sich – wie schon in Spiel 4 – Partrick Reimer von Marco Nowak gut in Szene gesetzt auf die Reise, um das Spiel im Alleingang zu entscheiden. Eine der seltenen Lücken im Stellungsspiel der Grizzlys nutzend, vollstreckte der Gästekapitän zum 2:3 in der 86.Minute und brachte die bis dahin überragende Unterstützung von den Rängen abrupt zum Schweigen. Alle Arbeit hatte erneut nicht gereicht und das Momentum dürfte damit endgültig ins Lager der Franken gewechselt sein, die am kommenden Sonntag nun Spiel 7 erzwingen können.


Teamcheck

Tor
Felix Brückmann mit einer wirklich guten Leistung. Lediglich beim zweiten Gegentor agiert der Wolfsburger Goalie einfach zu unkontrolliert. Der Versuch dem eigenen Abpraller nachzugehen (oder das verlorene Gleichgewicht?) ermöglichte den zu einfachen Abstauber durch Joslin. Angesichts von 47 gehaltenen Schüssen ist das aber Kritik auf sehr hohem Niveau. Vielleicht sollte man in Nürnberg trotzdem noch einmal auf Basti Vogl setzen. Felix könnte ein wenig Kraft für ein eventuelles Spiel 7 sammeln und Vogl sollte bei Nürnberg keine guten Erinnerungen auslösen...

Verteidigung
Nach dem wackeligen Auftakt in die Partie fing sich der Abwehrverbund im zweiten Spielabschnitt und erinnerte wieder an die überragenden Phasen der ersten drei Spiele.
Vor allem Andy Reiss brauchte ein wenig, um in die Begegnung zu finden, während Jeff Likens mal wieder von allen guten Geistern verlassen schien. Erstaunlicherweise blieben sämtliche no-look Pässe zum Gegner ungesühnt, so dass die Grizzlys nicht schon im ersten Drittel teuer für den Leichtsinn ihres eigentlich besten Verteidigers bezahlen mussten.

Sturm
Defensiv ab der 21.Spielminute eigentlich gut auf der Höhe des Geschehens. Offensiv ließ die Reihe um den gewohnt starken Tyler Haskins diesmal einiges zu wünschen übrig. Einen mickrigen Torschuss hatte jeder der drei Akteure am Ende dieser knapp 86-minütigen Partie vorzuweisen – zu wenig; viel zu wenig für eine Paradereihe!
Positiv gefällt weiterhin EHC-Urgestein Höhenleitner, der trotz vergebenem Penalty sich nicht entmutigen ließ und seine klasse Leistung mit dem dritten Tor innerhalb der letzten beiden Spiele krönte.
Ebenfalls positiv fielen die stark verbessert auftretenden Pfohl und Mulock auf, die offenbar endlich in den Play-offs angekommen sind. Was bei Youngster Pfohl natürlich völlig nachvollziehbar scheint (erste DEL-Playoffs seiner Karriere), wirkte bei Tyson Mulock, trotz vorheriger Verletzungspause, seit einigen Wochen erstaunlich zäh.
Was Lubor Dibelka in den Play-offs will, bleibt indes ein Rätsel. Neben den auffällig agierenden Mulock und Pfohl blieb der praktisch körperlos spielende Tscheche wie so oft blass bis unauffällig, vergab seine einzige Torchance dabei obendrein etwas unglücklich. mb

HF3 EHC - T.Sabo Ice Tigers 3:0

  • Geschrieben von Martin
  • Zugriffe: 9741

Tag der geschlossenen Tür

Die Grizzlys schicken sich an mit ihrem Halbfinalgegner etwas ähnliches anzustellen, wie es ihnen schon mit der DEG gelungen ist. Wie gegen Düsseldorf kann das Team von Pavel Gross dabei mit fortlaufender Dauer der Serie die Produktivität des Gegners stetig herunterfahren. Während der Gegentorverlauf im Viertelfinale mit 4,2,1,1,0 noch relativ flach verlief, regelten die Grizzlys den Gegner aus dem Frankenland bereits im dritten Duell auf 0 herunter – nach zuvor zwei und einem Gegentor. Dabei liefert Wolfsburgs gesamte Mannschaft ein derart geschlossenes Defensivverhalten ab, dass einem der Gegner schon fast leid tun kann.
Dabei hatte es auch zum Start dieser dritten Partie zunächst gar nicht so schlecht für die Ice Tigers ausgesehen. Mit viel Druck und Präsenz konnten die Gäste sich im ersten Drittel ein vorzeigbares Übergewicht und vor allem auch brauchbare Torchancen erspielen, von denen Patrick Buzas (16.) die beste liegen gelassen hatte. Völlig freistehend konnte der nicht für seine Torgefährlichkeit bekannte Nürnberger den Puck nicht im leeren Tor unterbringen, da er das Anspiel nicht richtig unter Kontrolle bringen konnte. Dieser und einer Handvoll weiterer Chancen sollten die Gäste im Verlauf der nächsten beiden Drittel noch schwer nachtrauern.
Zu diesem Zeitpunkt hatten die Grizzlys nämlich noch nicht die gefürchtete Kontrolle über das eigene Drittel übernommen, dafür die erste größere Nachlässigkeit auf Seiten der Nürnberger mit dem 1:0 durch Daniel Widing (13.) bestraft. Nachdem Kapitän Haskins einen Aufbaupass des Gegners aufmerksam abgefangen hatte, vollendeten seine beiden Reihenkollegen Furchner und Widing die 2 auf 1 Situation zum viel umjubelten Führungstreffer. Dass die rund 400 mitgereisten Gästefans mal eben gar nichts zu jubeln bekamen und auch nicht bekommen sollten, nahm im Laufe der Partie schon fast groteske Züge an.
Den besseren Start in den Mittelabschnitt erwischten zwar diesmal die Hausherren, aber im wesentlichen konnte keine der erspielten Chancen sich als hundertprozentig bezeichnen lassen – auch das sollte bis in die denkwürdigen Schlussminuten dieser Partie so bleiben!
Einzig unterbrochen von einer Strafe gegen Möchel (31.) erzwangen sich die Gäste nach dieser Auftaktphase ein immer deutlicher werdendes Übergewicht gegen die heimischen Grizzlys. Doch deren Defensivmaschine hatte nun endgültig Fahrt aufgenommen, ließ die Angriffe der Franken schon an der blauen Linie ins Stocken geraten oder nahm sämtliche Schusswege durch erbarmungslose Laufarbeit und Blockbereitschaft weg. Als Nürnberg ab der 37. Minute dann zum dritten Mal in dieser Begegnung ein Powerplay aufzuziehen versuchte, zeigte sich der (positive) Wahnsinn auf Seiten der Grizzlys endgültig in seinem vollen Ausmaß. Was die Gastgeber an Opferbereitschaft gegen die aus allen Rohren feuernden Tigers an den Tag legten, nötigte wohl jedem in der Halle allerhöchsten Respekt ab.
Mit der denkbar knappsten Führung ging’s für Wolfsburg zum zweiten Mal in die Kabinen, die Verzweiflung der Gäste war zu diesem Zeitpunkt fast schon greifbar...ungläubig schüttelte wohl so mancher in Team und Anhang der Nürnberger das sorgenvolle Haupt. Die Festung der Grizzlys schien uneinnehmbar.
Und sie blieb es auch! Fast schon unverschämt, wie die Hausherren zwei sich bietende Überzahlgelegenheit eher zum Luftholen und Zeit von der Uhr nehmen nutzten, als irgendetwas in Sachen zweites Tor zu unternehmen.
Mit dem Mute der Verzweiflung warfen die Gäste nun alles in die Waagschale, was sie hatten. Und das war gar nicht so wenig: Neben dem Einsatz ihrer ohnehin vorhandenen physischen Überlegenheit, versuchten die Ice Tigers ihr Spiel auch immer wieder zu variieren. Allerdings: Flinkes Passspiel, dump and chase, extremer Zug zum Tor (crash the net) u.s.w. – es half alles nichts, das von Felix Brückmann exzellent gehütete Tor der Grizzlys schien wie vernagelt. Zwar streuten die Gastgeber in Person von Sebastian Furchner und dem stark verbesserten Daniel Widing ihrerseits noch zwei vorzeigbare Einschussmöglichkeiten ein, doch insgesamt bedurfte das Eis im Defensivdrittel der Gäste nach dem Schlusspfiff wohl nur sehr übersichtliche Pflege durch die Eismeister...
Gut zwei Minuten vor dem Ende wäre diese so spannende und insgesamt gut geleitete Partie dann doch noch fast aus der Bahn geraten: Yasin Ehliz hatte sich beim Versuch Tyson Mulock einen Cross-check zu verpassen den eigenen Stock ins Gesicht gerammt. Wolfsburgs Stürmer hatte das eigene Spielgerät derweil auf dem Eis beim Puck gelassen – das Spiel lief zunächst also regelkonform weiter. Doch wenige Augenblicke später folgte schon die Unterbrechung mit einhergehender Beratung der vier Offiziellen. Das Ergebnis hatte dabei schon slapstickartige Ausmaße: Tyson Mulock musste wegen hohen Stocks mit Verletzungsfolge vom Eis, die fälligen zwei Minuten Überzahl waren somit in fünf Minuten Unterzahl gewandelt – ein Skandal zeichnete sich in groben Formen ab, hatte doch offenkundig keiner der Referees zunächst einen Regelverstoß seitens des Wolfsburgers bemerkt.
Doch die Grizzlys antworteten auf diese Ungerechtigkeit mit der ihnen in diesem Spiel eigenen Art: Kalt wie eine Hundeschnauze nahmen die Wolfsburger den haarsträubenden Entscheid der Schiedsrichter hin, konzentrierten sich umgehend auf die neue Aufgabe...und warteten auf das leere Tor der Gäste.
Kaum war eine Minute von der Uhr, zogen diese auch prompt die Option eines sechsten Feldspielers und ließen das eigene Gehäuse unbewacht. Ein Fehler, wie Mark Voakes gleich zweimal (!) unter Beweis stellen sollte. Sowohl in der 59. als auch in der 60. Minute jagte „Magic Mark“ den Puck, völlig tiefenentspannt, von einem Ende der Eisfläche zur nächsten in die Maschen – die Eisarena glich einem Tollhaus! Die Hälfte (also „lediglich“ ein empty net goal) dieses Kunststücks hatte der kanadische Ausnahmestürmer bereits zuvor beim knappen 1:3 in Nürnberg vollbracht. Vermutlich einmalig in der Geschichte der DEL!
Völlig frustrierte Gästespieler und –fans mussten schließlich das 3:0 in der Serie gegen Wolfsburg quittieren und sehen sich nun vier Matchpucks seitens der Grizzlys gegenüber.
Egal, was noch in dieser Serie kommen mag: Wer die bisherigen Spiele gesehen hat weiß, dass es in dieser Serie keinen einfachen Sieg geben wird. Spannung ist auch am morgigen Dienstag (live auf ServusTV) und bei eventuell folgenden Terminen garantiert. Zu ausgeglichen und knapp gestalteten sich die bisherigen Aufeinandertreffen der Rivalen um den Finaleinzug.


Teamcheck

Tor
Felix Brückmann kehrte, nachdem ein Trauerfall seinen Einsatz in Spiel 2 verhindert hatte, zwischen die Pfosten zurück. Nach Vogls überragender Vorstellung in eben dieser Partie, zeigte sich der eine oder andere wohl durchaus verwundert über diese Entscheidung – doch bereut hat sie wohl trotzdem keiner. Von offizieller Seite bekräftigte man im Nachgang, dass dieser Wechsel so abgesprochen gewesen sei, was über den Starting-goalie im 4.Spiel einigen Raum für Spekulationen eröffnet haben dürfte. Kommt da eventuell der nächste Wechsel?
Was bleibt ist die Erkenntnis, dass beide Torhüter momentan in bestechender Form sind und jederzeit – aus welchem Grund auch immer – einander vertreten können. Ein Luxus, den nur wenige DEL-Vereine ihr eigen nennen können, zumal beide keine Kontingentstelle belegen!

Verteidigung
Andy Reiss fügt sich mal locker flockig in die Monsterdefensive der Grizzlys ein, nachdem er monatelang als Stürmer aktiv und dann verletzt war. Abgefahren. Krupps Ausfall lässt die Personaldecke in diesem Mannschaftsteil zwar auf sechs nominelle Akteure schrumpfen...aber wir haben mit Höhi ja noch eine Geheimwaffe in petto.
Robbie Binas Formkurve zeigt auch endlich wieder nach oben, was will man mehr? Vielleicht, dass Herr Likens endlich aufhört, die Funktionalität sämtlicher Herzschrittmacher in der Halle regelmäßig zu überprüfen! Sein Hang zum „außergewöhnlichen“ Pass hält die Konzentration bei allen Beteiligten jedenfalls stets ganz oben...

Sturm
Das Back-Checking ist einfach nur aus einer anderen Welt. Während die ersten beiden Reihen das (übersichtliche) Scoring übernehmen, schmeißt sich da jeder in jeden Schuss, arbeitet das Uhrwerk der Grizzlys mit so erbarmungsloser Präzision, dass der Frust der Gegner stets kurz vor der Explosion zu stehen scheint. Lediglich das Wissen um die immer wieder aufblitzende Powerplaystärke der Grizzlys verhindert in dieser Serie bisher die schlimmsten Frustfouls. Ob das so bleibt, hängt viel vom Verlauf der kommenden Partien ab. Eine frühe hohe Führung für Wolfsburg (wie auch immer das zustande kommen soll) könnte da wohl gefährlich werden.
Was mich besonders freut: Erst Aubin und nun auch Widing melden sich eindrucksvoll im Kreis der Spielentscheider zurück. Wäre schön, wenn nächstes Jahr beide wieder das Grizzlyfell überstreifen dürften!
Ach, so: Falls Mark Voakes so weiter macht, dürfte er der erste Spieler werden, der bei gegnerischer Überzahl einen Bewacher bekommt! Sehr geil, der Mark. Weiter so – verbunden mit der Hoffnung, dass Vincenz Mayer nicht ernsthaft verletzt ist und uns im vierten Spiel wieder zur Verfügung steht! mb

VF5 EHC - Düsseldorfer EG 4:1

  • Geschrieben von Martin
  • Zugriffe: 9415

Mit Vollgas ins Halbfinale

Nach dem zweiten Auswärtssieg in Folge sollte nun das Gleiche daheim gelingen. Doch das Auftaktdrittel dieser fünften Begegnung erinnerte eher an das erste Aufeinandertreffen mit Düsseldorf. Mit viel Tempo, aber auch mit ungewohnt wenig Balance zwischen Angriffsbemühungen und defensiver Verantwortung gingen die Grizzlys in diese Partie, erspielten sich auch sogleich die ersten klaren Torgelegenheiten...um sie nicht zu nutzen.
Zweimal verwandelten die Stürmer der Gastgeber am langen Pfosten nicht ins blank gespielte Netz, im Gegenzug kam der Gast vom Rhein seinerseits immer wieder zu guten Chancen. Besonders effizient zeigte sich Düsseldorf in Überzahl. Gleich die erste Gelegenheit, nach einem dusseligen Foul von Jimmy Sharrow nutzte die DEG zur gut herausgespielten 0:1 Führung. Torschütze Ebner (10.) hatte schließlich keine Mühe den Puck im langen Eck zu versenken – Torhüter und Box der Grizzlys waren komplett auf der anderen Seite des Tores.
Wolfsburg versuchte weiterhin das Tempo hochzuhalten, ließ dabei aber auch immer wieder Lücken für die Gäste, die wenig später scheinbar zum zweiten Mal zugeschlagen hatten! Der Videobeweis offenbarte zum Glück für Wolfsburg nur einen Pfostentreffer. Mit einem knappen Rückstand ging es für die Gastgeber zum ersten Mal in die Kabine.
Dann begann die große Zeit der Grizzlys! Fand Hamblys Hammer ins Kreuzeck (22.) noch wegen Torraumabseits keine Anerkennung, so setzten die Hausherren nun erbarmungslos nach. Strafe gegen Norm Milley – 1:1 durch Likens Schlenzer durch den Verkehr vor Niederberger im Tor der Gäste (24.). Strafe gegen Lewandowski – 2:1 durch Gerrit Fauser, der den nächsten Kracher von Tim Hambly unhaltbar in die Maschen abfälschen konnte (25.) In der nun aufkommenden allgemeinen Euphorie unter den rund 4100 Zuschauern rollten die Grizzlys praktisch über die DEG hinweg: Dem dritten Treffer innerhalb von drei Minuten, wiederum erzielt durch Jeff Likens (27.), hatten die Gäste kaum etwas entgegenzusetzen. Einige wenige Versuche auf das Wolfsburger Tor fanden in Felix Brückmann ihren Meister, während der EHC weiter an der Vorentscheidung von Spiel und Serie arbeitete.
Gleich in den Anfangssekunden des Schlussabschnitts sollte dies dann gelingen. Mark Voakes bezwang den Goalie der Gäste nach gerade einmal 19 gespielten Sekunden mit einem Schuss aus der Halbdistanz und stellte mit dem 4:1 alle Zeichen auf Sieg. Düsseldorf hatte dem Wolfsburger Tempo nun nichts mehr entgegenzusetzen, ließ sich in der Folgezeit zu sage und schreibe sechs Strafzeiten hinreißen und dokumentiert damit letztlich überbordenden Frust und Hilflosigkeit. Der Drops war gelutscht, die Halbfinalparty auf den Rängen längst in vollem Gange und die Grizzlys spielten die klare Führung nun kontrolliert und abgeklärt nach Hause.
Die Siegesfeierlichkeiten fielen, wie unter Pavel Gross gewohnt, nach dem Gewinn einer Serie eher moderat aus. Keine Raupe, Welle, LaOla oder andere liebgewonnene Rituale aus der Hauptrunde gibt es bei den Grizzlys in dieser Phase der Saison. Während Feierlichkeiten nach einzelnen Spielen einer Serie für alle Teams traditionell kein Thema sind, beließen es die Grizzlys diesmal nach dem Halbfinaleinzug bei einer einfachen Ehrenrunde - vermutlich um deutlich zu machen, dass man erst am Ende des Wegs wirklich feiern will.

Teamcheck

Tor
Felix Brückmann mit einer absolut abgeklärten und fast fehlerfreien Leistung. Beim ersten Gegentreffer kam der Wolfsburger Schlussmann zwar überhaupt nicht mehr aus der rechten Ecke seines Tores zum Schützen hinüber – das galt allerdings auch für seine etwas zu passiven Vorderleute. Ansonsten fischte er alles, was es zu halten gab weg und verhinderte somit vor allem in der ersten Spielhälfte eine höhere Führung der DEG bzw. deren Rückkehr ins Spiel. Insgesamt natürlich nicht annähernd so gefordert wie sein Gegenüber.

Verteidigung
Weiterhin das Glanzstück der Grizzlys. Dank der überragenden Laufleistung unserer Stürmer und der guten Abstimmung innerhalb der Blöcke bleibt Wolfsburg ein harter Brocken für jede gegnerische Sturmreihe. Nach dem misslungenen Auftakt in die Serie konnten die Grizzlys den Torhunger der DEG auf im Schnitt ein Gegentor herunterregeln – überragend.
Die, offenbar vom Trainer verordnete, offensivere Rolle für Bina gefällt mir zwar weiterhin nicht, aber der zusätzliche Druck auf das gegnerische Aufbauspiel war wohl gerechtfertigt.
Ansonsten alle Verteidiger mit hervorragenden Leistungen in dieser Serie. Jeff Likens und Tim Hambly sogar mit absoluten Sahnetagen – vor allem in den offensiven Aktionen. Das wichtigste Element für erfolgreiche Play-offs läuft weiterhin mehr als gut!

Sturm
Die ersten beiden Reihen deckten die DEG derart mit Schüssen ein, dass man wohl lediglich die Anzahl der bei 5 gegen 5 erzielten Tore kritisieren muss. Während das Powerplay der Grizzlys im Mittelabschnitt die Partie praktisch entscheiden konnte, blieben die Bemühungen bei numerischem Gleichgewicht zu oft fruchtlos. Das dritte Tor fiel durch einen Verteidiger, das vierte Tor war dann endlich das Produkt einer erfolgreich abgeschlossenen Kombination unter den Stürmern der Voakes-Reihe.
Insgesamt erfüllten aber alle ihre Aufgaben fast perfekt. Während Fauser und Aubin ihre tolle Form offenbar konservieren können, zeigen mit Pfohl und Widing zwei weitere Akteure einen Aufwärtstrend. Während Pfohl offenbar einfach nur in die neue Erfahrung DEL-Playoffs reinwachsen muss, zeigt Widing endlich wieder neben großem Kampfgeist mehr Selbstbewusstsein im Abschluss. Wie es der schwedische Klassestürmer allerdings schafft, seit etlichen Spieltagen einer Torbeteiligung aus dem Weg zu gehen, erschließt sich mir einfach nicht. Normalerweise dürfte eine punktemäßige Explosion bei ihm (rein statistisch) nur eine Frage von wenigen weiteren Spielminuten sein...
Insgesamt eine sehr gute und ab dem zweiten Drittel auch defensiv überragende Vorstellung der Wolfsburger Stürmer. Lediglich Rekonvaleszent Mulock scheint noch etwas Anlaufzeit zu benötigen. mb

VF3 EHC - Düsseldorfer EG 5:1

  • Geschrieben von Martin
  • Zugriffe: 9766

Mit viel Anlauf zurück zur Ordnung

Was zunächst recht nüchtern klingt, fand im Rahmen eines extrem intensiv und unterhaltsam geführten Eishockeyspiels statt. Fast das komplette erste Drittel ließen die Gastgeber dabei genau jene Ordnung vermissen, die sie im Laufe der Saison bis auf Platz 4 mit entsprechendem Heimrecht gebracht hatte. Dieses Heimrecht (ein Heimspiel mehr bei voller 7 Spiele Distanz) hatten die Grizzlys bereits im ersten Spiel, mit einer reichlich unsortierten Vorstellung, an Kontrahent Düsseldorf abgegeben und mit viel Mühe im ISS-Dome zurückerobert.
Jetzt galt es also erneut den Heimvorteil zu verteidigen, den Fans mit mehr taktischer Disziplin und Härte in den Zweikämpfen den eigenen Siegeswillen zu demonstrieren.
Es sollte in den ersten 17 Minuten der Partie beim Versuch bleiben. Gleich zum Auftakt konterten die Gäste einen Puckverlust nach Stockbruch von Wolfsburgs Armin Wurm. Kollege Likens und Felix Brückmann im Tor der Grizzlys verhinderten das Schlimmste, wehrten die 2 auf 1 Situation mit Mühe ab.
Wenig später durften die Grizzlys zunächst in einfacher (2.), dann sogar in doppelter (3.) Überzahl agieren...und ließen die hervorragende Gelegenheit Ruhe und Sicherheit zu gewinnen leider liegen. Das wenige, was auf Niederbergers Kasten kam, hatte der Goalie der Gäste sicher klären können, die DEG ging eher gestärkt aus dieser formal bedrohlichen Lage hervor. Düsseldorf erhöhte prompt die Kontrolle über weiter unkonzentriert wirkende Wolfsburger, kam seinerseits zu zwei nahtlos aneinandergereihten Überzahlspielen – und traf.
Olimbs Treffer zum 0:1 markierte in der 11.Minute die bis dahin absolut verdiente Führung der Gäste, die diesem ersten Ausrufezeichen weitere Großchancen folgen ließen. Allein Felix Brückmann und eine gute Portion Glück hielten die Grizzlys bis zur Schlussphase des Drittels auf Schlagdistanz! Erst in den letzten drei Minuten des Drittels gelang es den Hausherren Ordnung in ihre Bemühungen zu bekommen und die Flut an Tempogegenstößen der Gäste unter Kontrolle zu bringen. In einem mit mörderischem Tempo und Intensität geführten Auftaktdrittel setzten die Grizzlys die letzten Duftmarken, Niederberger rettete schließlich bravourös das 0:1 in die erste Verschnaufpause der Begegnung.
Und weiter ging die wilde Reise: Schnelles Coast-to-coast Hockey mit zunächst wieder deutlichen Vorteilen für die Gäste vom Rhein folgte. Gleich zweimal wanderten die Gastgeber in den ersten Minuten des Drittels auf die Sünderbank, kamen natürlich entsprechend in Bedrängnis...und kippten das Spiel!
Während der zweiten Unterzahl sollte es in der 28.Minute zum entscheidenden Aha-Erlebnis der Grizzlys kommen. Zur Überraschung der Gäste war dem forecheckenden Höhenleitner mit Kurtis McLean ein weiterer Kollege zur Hilfe gekommen, der mit seinem Pass zur anderen Seite des Eises die Verwunderung auf Seiten der DEG sogar noch einmal steigern konnte. Extrem offensiv und entsprechend risikoreich hatten die Hausherren den Aufbau der Gäste unterbunden, der zusätzlich nach vorne eilende Sharrow nagelte den Querpass humorlos diagonal in den Winkel. Die Halle explodierte förmlich nach dem bis dahin erfolglosen und mit durchaus viel harter Arbeit verbundenen Verlauf der Partie.
Als wäre dies der Weckruf für die Grizzlys gewesen rannten die Wolfsburger nun dem Gast die Bude ein – mit etwas mehr Struktur als zuvor, aber immer noch alles andere als defensiv gut abgesichert. Das spektakuläre Hin und Her ging weiter und während die DEG wiederum beste Gelegenheiten ausließ, gelang den Grizzlys sogar die erste Führung vor heimischer Kulisse. Mulocks energische Arbeit zum Tor war zunächst erfolglos geblieben (36.), doch Düsseldorfs Olimb klärte den frei hinter Niederberger liegenden Puck entgegen allen ungeschriebenen Eishockeyregeln zur Mitte – direkt zum nachrückenden Tyler Haskins. Das 2:1 katapultierte Gastgeber und Fans in die nächste Stufe der Eskalation – der Grizzlyzug war bis zum Ende der Partie nun kaum noch zu stoppen.
Kaum nach der zweiten Pause wieder angepfiffen, nahm das Spiel eine für diese Serie ungewohnt einseitige Entwicklung.
Die Grizzlys übernahmen jetzt das Kommando auf dem Eis, drängten weiter auf den vermutlich entscheidenden dritten Treffer. Während Düsseldorf zunächst weiterhin zu brauchbaren Gelegenheiten kam, erdrückten die Gastgeber die DEG von Minute zu Minute mehr mit ihrem Angriffswirbel. Eine doppelte Überzahl ließen die Grizzlys zum zweiten Mal in diesem Spiel zwar liegen, aber in der 54.Minute war es dann soweit: Eine sehenswerte Kombination über Aubin und Voakes vollstreckte der völlig blankgespielte Fauser zum verdienten 3:1. Gut zwei Minuten später, die Grizzlys mittlerweile erneut in Überzahl, knallte wiederum Fauser das Spielgerät ein zweites Mal unhaltbar in die Maschen – der Drops war gelutscht, die 2:1 Führung in der Serie eingetütet. Furchners 5:1 zwei Minuten vor der Schlusssirene machte den Spaß für die Grizzlyfans komplett, lautstark feierten sie ihr Team noch weit nach Abpfiff und ließen den „Man of the match“ Gerrit Fauser noch während seines fälligen Interviews gehörig hochleben...


Teamcheck

Tor
Brückmann fährt langsam, aber beständig zu Höchstform auf. Ein Faktor, den die DEG vermutlich noch zu spüren bekommen wird. Falls nicht: Der zweite Spitzengoalie in unseren Diensten scharrt schon mit den Kufen ;)
Hielt die Grizzlys vor allem im ersten Drittel, aber auch später bei manchem brandgefährlichen Konter im Spiel.

Verteidigung
Insgesamt gute Leistung der Defensive, wenn auch noch nicht auf dem Niveau der Hauptrunde. Bemerkenswert: Ausgerechnet Mr. Zuverlässig, Robbie Bina, läuft dem Geschehen immer mal wieder etwas hinterher, soll an der Seite von Krupp aber wohl etwas offensiver spielen. Im Powerplay funktioniert das bekanntlich hervorragend, bei 5 gegen 5 scheint das nicht ganz angebracht.
Dafür liefert nun ein von mir immer wieder kritisch beäugter Grizzlys mächtig Play-off Hockey ab: Jimmy Sharrow spielt seit der Schlussphase der Saison auffällig verbessert und zeigt endlich das, wofür man ihn verpflichtet hat. Nach dem Motto: Besser spät, als nie.

Sturm
Die Reihen 1 und 2 wirken recht gut abgestimmt. Ganz klassisch strahlen die beiden ersten Reihen dabei die gewünschte Torgefahr aus. Vor allem Fauser, Furchner und Haskins sorgten für reichlich Alarm im Torraum der Gäste. Die Reihen 3 und 4 glänzten nicht nur mit solider Defensivarbeit, sondern streuten ihrerseits immer wieder Torchancen ein, die leider nicht zum Erfolg führten. Besonders auffällig hier: Christoph Höhenleitner. Eine Play-off-Kampfsau wie sie im Buche steht! Wenn das Wolfsburger Urgestein so energisch weitermarschiert wird zwangsläufig wohl das eine oder andere Tor dabei herausspringen.
Das gleiche würde man auch gerne über Daniel Widing sagen, der mittlerweile schon aufgrund statistischer Wahrscheinlichkeit einen Treffer verbuchen müsste. Die Einstellung indes stimmt beim mittlerweile verhinderten Goalgetter der ersten Saisonhälfte, der aber immer wieder mit seinen Aktionen das kleine bisschen neben der Ideallösung liegt.
Während Mark Voakes momentan etwas zu unauffällig für seine Verhältnisse agiert, zeigt Neuzugang McLean immer wieder seine Klasse. Spielübersicht, Antizipation, aber auch Einsatz sind beim Lenker der dritten Reihe vom Allerfeinsten. Empfiehlt sich seit dem ersten Einsatz für einen Anschlussvertrag bei den Grizzlys! Vermutlich werden die 3. und 4.Reihe in den kommenden Partien noch ein wenig umgestellt. Rein vom Papier her sollte da in Sachen Torgefahr (McLean, Pfohl, Mulock) noch einiges mehr gehen! mb

VF1 EHC - Düsseldorfer EG 1:4

  • Geschrieben von Martin
  • Zugriffe: 9477

Das passt irgendwie nicht

Mit einer etwas seltsam anmutenden Vorstellung sind die Grizzlys in die diesjährigen Play-offs gegen die Düsseldorfer EG gestartet.
Das mit Spannung erwartete erste Viertelfinalspiel sah zunächst rasant aufspielende Gastgeber, die bereits nach wenigen Sekunden eine doppelte Einschusschance durch Kapitän Haskins und Sebastian Furchner zu verzeichnen hatten. Doch die Grizzlys schienen schlichtweg übermotiviert, ja vielleicht sogar etwas zu nervös, um das Spiel mit ihrem Anfangsschwung unter Kontrolle zu bringen. Im Gegenteil: Zwei frühe Strafzeiten (2. und 5.Min.) brachten eher den Gegner ins Spiel, der nun reichlich Zeit bekam, um Stück für Stück in die Partie zu finden. Kaum waren die Strafzeiten schadlos überstanden, setzte es für die Gäste praktisch eine Strafe nach der anderen (7./11./15.) und der EHC konnte nun seinerseits den Zugriff auf die Partie erhöhen. Doch Gästegoalie Niederberger zeigte eindrucksvoll, warum er vor Kurzem zum Torhüter der aktuellen Saison gewählt worden war: Mit beeindruckenden Reflexen und vorbildlichem Stellungsspiel parierte er das gesamte Bombardement der aufgedreht wirkenden und durchaus gefällig kombinierenden Gastgeber.
Ein Treffer blieb den Grizzlys somit bis zur ersten Unterbrechung verwehrt. Ein Schuss ans Gestänge des von Felix Brückmann gehüteten Wolfsburger Tors meldete die DEG schließlich zurück im Spiel, bevor es torlos zum ersten Mal in die Kabinen ging.
Was dann folgte, ist eigentlich nur schwer zu erklären. Vom Anpfiff des Mitteldrittels an wirkten die Gastgeber praktisch wie paralysiert. Als hätte jemand den Strom abgestellt waren die Grizzlys volle 20 Minuten in nahezu jedem Zweikampf nur zweiter Sieger, konnten das – keineswegs halsbrecherische - Tempo der Gäste plötzlich nicht mehr mitgehen und standen regelmäßig zu weit weg vom jeweiligen (eigentlich von jedem) Gegenspieler. Dmitrievs Treffer zum 0:1 stellte nach einer ersten Düsseldorfer Druckphase (23.) nur die logische Konsequenz der Wolfsburger Passivität dar. Doch wie erwähnt: Auch der Gegentreffer weckte die Grizzlys nicht aus ihrer Lethargie, die Gäste blieben bis zum zweiten Pausenpfiff das spielbestimmende Team, ließen dabei sogar einiges an Chancen aus. Erst kurz vor dem Pausenpfiff patzte schließlich auch noch der Wolfsburger Goalie. Nachdem er einen Schuss von Lewandowski hinter das Tor abgewehrt hatte, bekam Brückmann beim anschließenden Anspiel vors Tor nicht die Torwartecke zu – 0:2 in der 39.Minute durch Van der Gulik! Zwar waren die Gastgeber ihrerseits nicht wirklich chancenlos (u.a. vergab Fauser einen Alleingang gegen den erneut stark agierenden Niederberger), doch als Heimteam geschweige denn als ein in den Play-offs befindliches Team waren die Grizzlys nicht zu erkennen.
Das sollte sich im Schlussdrittel zum Glück erst einmal ändern: Wolfsburg wollte es offenkundig nun doch noch einmal wissen und schraubte das eigene läuferische Niveau endlich wieder zwei Stufen höher. Der Lohn war der verdiente Anschlusstreffer zum 1:2 durch Brent Aubin. Als einer der Lichtblicke im Team der Grizzlys hatte der wiedererstarkte Stürmer einen Schuss von Robbie Bina in die Maschen gelenkt (42.) und die Aufholjagd (vorläufig) eröffnet. Und tatsächlich: Wolfsburg machte jetzt endlich wieder den Druck, den man sich über die gesamte Spieldauer gewünscht hätte. Doch Niederberger behielt ein ums andere Mal die Oberhand, wehrte im nun immer wilder hin und her wogenden Spielgeschehen auch die größten Wolfsburger Chancen souverän ab. Ab der 55. Spielminute überschlugen sich schließlich die Ereignisse – und keines davon sollte den Wolfsburgern Freude bereiten. Zum Auftakt gelang den Gästen, nach leichtsinnigem Puckverlust durch Mark Voakes, das 1:3. Blitzschnell hatte Fischbuch zur Mitte durchgesteckt, sein freistehender Kollege Preibisch schnörkellos vollstreckt. Eine Zeigerumdrehung später schien es zunächst so, als hätte der überragend agierende Gästekeeper seinen ersten folgenschweren Fehler begangen. Doch der Videobeweis zeigte: Der fallengelassene Puck hatte nicht komplett die Linie überquert – Niederbergers erster Wackler blieb somit ungesühnt. Als dann wiederum eine gute Minute später die Wolfsburger Hintermannschaft mit einem Icing-Pfiff rechnete (der ausblieb), vollstreckte Düsseldorfs Fischbuch (58.) völlig unbedrängt zum 1:4 Endstand. Ein ausgesprochen enttäuschender Play-off Auftakt fand sein ebenso enttäuschendes Ende. Die Grizzlys bleiben somit im Jahr 2016 weiterhin ohne Sieg gegen die DEG und werfen allmählich die Frage auf, ob Trainer Pavel Gross das passende Rezept gegen Düsseldorfs vorhersehbare Spielweise irgendwie verlegt hat. 


Teamcheck

Tor
Brückmann zeigte im Mittelabschnitt einige wirklich sehenswerte Paraden, leistete sich aber beim zweiten Gegentreffer auch eine kleine Nachlässigkeit – ganz im Stile seiner gesamten Vordermannschaft.
Insgesamt trotzdem eine gute Leistung, die allerdings Raum für einen Auswärtseinsatz von Sebastian Vogl lässt. Zuletzt agierten beide schließlich auf Augenhöhe.

Verteidigung
Reiss mit gelungenem Comeback. Ansonsten keine wirklichen Ausreißer im positiven wie negativen Sinne. Laufleistung und Zweikampfintensität waren im zweiten Drittel, wie auch nach dem Powerbreak des Schlussabschnitts, bei nahezu allen Akteuren unter aller Kanone. Das sollen Play-offs sein? Nicht wirklich, oder?! Die letzten beiden Gegentreffer sollten im Mannschaftsbus in Endlosschleife laufen, bis sich das nötige Wutpotential auf sich selber aufgebaut hat. Wer sich in der wichtigsten Phase der Saison solche leichten Tore einschenken lässt, hat den Schuss einfach nicht gehört...

Sturm
Nach einem akzeptablen, aber völlig überdrehten Auftaktdrittel, brach auch hier die Aggressivität fast völlig weg. Neben der ersten Reihe konnten zumindest Brent Aubin, Christoph Höhenleitner und Vinzenz Mayer einigermaßen ihren Rhythmus halten. Insgesamt folgten aber zu wenige Akteure dem Vorbild ihres durchgängig hart agierenden Kapitäns.
Besonders Mayer konnte einem schon ein bisschen leid tun: Zwischen dem geisterhaft agierenden Mulock und dem teilweise orientierungslos wirkenden Stas mühte sich Mayer zwar redlich, konnte am Ende aber nicht wirklich etwas bewegen. Pfohl ungewohnt unauffällig. Vor allem Voakes und McLean enttäuschten an diesem Abend, konnten keinerlei Akzente setzen. Wallace brachte bestenfalls das, was man von ihm erwarten kann.. In den Play-offs darf es aber gerne etwas mehr sein... das gilt für alle. mb

EHC - Augsburger Panther 8:1

  • Geschrieben von Martin
  • Zugriffe: 9845

Einer geht noch...

Das war schon ein ausgewachsener Gaumenschmaus, was die Grizzlys am Sonntagnachmittag ihren Fans servierten!
Was mit fleißiger Defensivarbeit und stark verbesserter Laufleistung begann, endete schließlich mit einem Schützenfest für den gastgebenden EHC. Wolfsburg sah sich zunächst einem engagiert auftretenden Gast aus Augsburg gegenüber, der in den Anfangsminuten tüchtig Druck auf das Gehäuse der Grizzlys ausübte. Doch die Panther, die aktuell jeden Punkt im Kampf um Platz 10 brauchen, konnten ihre Chancen einfach nicht nutzen. Nachdem ein Linesman durch einen Pucktreffer den Dienst quittieren musste (6.), schienen auch die Gäste irgendwie aus dem Rhythmus gekommen zu sein. Kaum wieder angepfiffen, geriet die Partie zu einem einzigen Sturmlauf der Hausherren. Wenige Augenblicke nach der unplanmäßigen Unterbrechung klingelte es auch schon das erste Mal (7.) hinter Panthergoalie Ben Meisner. Mark Voakes hatte den Puck halb kniend mit dem Unterschenkel abgefangen und umgehend Höhenleitners Alleingang eingeleitet. Der Wolfsburger Dauerbrenner hatte den Steilpass seines Teamkollegen eiskalt in den Winkel gesetzt und somit das erste Ausrufezeichen gesetzt. Es sollten noch so manche folgen...
Nur von vereinzelten Chancen der Gäste unterbrochen setzten die stark dezimierten Grizzlys (ohne sechs Stammspieler und den überzähligen Kontingentspieler Wallace angetreten) die Panther praktisch unter Dauerdruck. Deren Schwäche – die Defensive – kam nun Stück für Stück zum Vorschein. Als Gerrit Fauser einen Haskins-Schuss zum 2:0 ins Netz lenken konnte (12.) schwappte die Euphorie entgültig auf die Ränge über, die Gäste gerieten ebenso endgültig ins Schwimmen. Doch Gästekeeper Meisner, rückblickend die ärmste Sau auf dem Eis, hielt die Gäste auf Schlagdistanz und rettete diesen Zwischenstand bis in die erste Pause. Einen weiteren Schockmoment hatten die Panther allerdings noch vor der ersten Unterbrechung zu verdauen: Thomas Holzmann schied mit einer Kopfverletzung und zerstörtem Helm frühzeitig aus. Wie sich später herausstellte, hatte ihm ein Teamkamerad im Gewühl unglücklich auf den Kopf getreten und dabei einen Schädelbruch zugefügt. Die besten Genesungswünsche begleiten Thomas Holzmann natürlich durch die kommenden Wochen, in der Hoffnung, dass keine bleibenden Schäden eintreten werden. Daumen drücken ist angesagt!
Und wieder starteten die Gäste vorbildlich in den neuen Spielabschnitt...und wieder scheiterten die Abschlussversuche am gut aufgelegten Brückmann. Als die Grizzlys dann ab der 25.Minute ihre Lieblingsdisziplin (Überzahl) ausprobieren durften, gelang ihnen sogar etwas reichlich Ungewohntes: Ein Blueliner durch einen Stürmer! Selten in der Eisarena zu bewundern, vollendete Gerrit Fauser (26.) per Direktabnahme aus der Distanz zum 3:0 und markierte damit seinen zweiten Treffer an diesem Abend.
Die Abwehrbemühungen der Gäste wurden nun zusehends grotesker. Beim 4:0 herrschte blankes Chaos vor dem Augsburger Tor: Voakes unbedrängter Versuch landete noch beim bemitleidenswerten Goalie der Panther, der Nachschuss durch Aubin (29.) hingegen direkt im Netz – ebenso unbehelligt durch die Abwehr der Gäste. Einzig ein Shorthander durch MacKay (32.) sorgte in der Folgezeit für eine kurze Phase der Entlastung für das sichtbar angeschlagene Team aus Schwaben.
Zwei Strafen gegen Wolfsburg retteten die Panther schließlich über die restliche Zeit des zweiten Abschnitts - es blieb zunächst beim völlig verdienten 4:1.
Kaum war die verbliebene Reststrafe gegen Voakes abgelaufen, nahm das Unheil für die Gäste seinen vollen Lauf. Satte vier Tore schenkten die Gastgeber den Augsburger im Verlaufe des Drittels noch ein. Die Panther hingegen ließen die Zügel nun endgültig schleifen und ganz nebenbei auch ihren Torhüter ein ums andere Mal im Stich. Der schenkte zwar einiges an (teils unkontrollierten) Rebounds her, konnte aber im Endeffekt trotzdem nicht viel für die hohe Niederlage. Pfohl Schuss in den Winkel (43.), gefolgt von Fausers drittem Tor des Abends (46.) im Powerplay wurden schon längst durch Dauerparty auf den Rängen begleitet – und es ging noch weiter. Der demoralisierte Gast nahm nun Strafe um Strafe, kassierte mit Stas’ Bogenlampe (52.) zudem noch einen Treffer aus der Kategorie „Slapstick“ und sah beim 8:0 durch Aubin (53.) erneut alles andere als koordiniert aus. Wieder einmal hatten die Gäste ihren eigenen Goalie mehr behindert als ihm zu helfen – das Debakel war perfekt.
Ausgelassen feierten die rund 2600 Fans ihre so überzeugend auftretende Rumpftruppe und spendierten ihren Helden zur Feier des Tages eine kleine Humba.


Teamcheck

Tor
Felix Brückmann mit einer fehlerlosen Vorstellung. Beim einzigen Gegentreffer machtlos, ansonsten immer da, wenn die Gäste eine ihrer kurzen Drangphasen hatten. Es bleibt spannend im Kampf um den Platz im Tor!

Verteidigung
Top-Job. Hamblys übermäßige Entspannung beim Stand von 4:0 führt zwar zum einzigen Gegentreffer bei eigener Überzahl, dafür legt er aber auch gleich zwei Tore im Powerplay auf. Defensiv hatten die Wolfsburger über weite Strecken deutlich die Kontrolle über eines der torgefährlichsten Teams der Liga. Bleibt zu hoffen, dass Robbie Bina nach einem Pucktreffer aus dem zweiten Drittel nicht auch noch langfristig ausfällt...

Sturm
...ebenso wie Vincenz Mayer, der auch durch einen schmerzhaften Treffer an ungeschützter Stelle frühzeitig aus dem Verkehr gezogen wurde.
Besonders Voakes, Fauser und Höhenleitner machten den Gästen das Leben unglaublich schwer. Aber auch Aubin und Pfohl begeisterten durch eine Vielzahl von sehenswerten Aktionen. Während Pfohl eine ganze Reihe vom frechen und trotzdem gut überlegten Spielzügen einfließen ließ (und ein Tor natürlich), wächst der kleine Aubin wieder zu alter Größe in Sachen Torgefahr. Fahrtwege und Bewegungsmuster lassen ihn wieder und wieder dort auftauchen, wo es was zu „erben“ gibt. Sehr geil!!!
Neuzugang McLean fügte sich gut in die Spielweise der Grizzlys ein und zeigte immer wieder deutliche Bereitschaft auch das letzte Bisschen aus sich rauszuholen. Mit dieser Einstellung könnte ein Spieler seiner Klasse in den kommenden Wochen noch sehr wertvoll werden. mb

EHC - Eisbären Berlin 3:2

  • Geschrieben von Martin
  • Zugriffe: 10154

Die Bären sind los

Das Aufeinandertreffen der Eis- und Grizzlybären bedeutet so gut wie immer ein intensives Eishockeyerlebnis, das sowohl auf dem Eis als auch auf den Rängen für spannende Momente sorgt. So auch diesmal, denn die Gäste waren mit über 1000 Anhängern und der Tabellenführung im Gepäck angereist, um den Grizzlys auch im vierten Vergleich die Punkte zu entreißen.
Doch auch die Gastgeber sorgten mit weit überdurchschnittlichem Zuschauerinteresse und dem festen Willen ihr Team nach vorne zu peitschen nicht nur für ein ausverkauftes, sondern auch ausgesprochen stimmungsvolles Haus.
Beide Teams ließen sich dann auch sichtbar von der dichten Atmosphäre anstecken und lieferten vom ersten Moment an einen mehr als verbissenen Fight ab. Dank ihrer läuferischen Qualitäten eroberten die Gastgeber auch umgehend eine leichte Überlegenheit in Sachen Spielanteile, Chancen auf die erste Führung des Spiels ergaben sich zunächst aber absolut ausgeglichen auf beiden Seiten. Micki DuPonts Schuss (7.) hatte dabei die Gästefans zum ersten Mal zum Jubelschrei ansetzen lassen – doch der mehrfach abgefälschte Schuss blieb eine Beute des erneut gut aufgelegten Sebastian Vogl im Tor der Grizzlys!
Während die Gastgeber ihrerseits mehrfach an Vehanen scheiterten, war es das starke Wolfsburger Powerplay, das für den ersten Torjubel des Abends (13.) sorgen sollte.
Gerade einmal 15 Sekunden hatte Mark Bell für die Eisbären auf der Strafbank Platz genommen, da vollstreckte Wolfsburgs Furchner bereits eine schöne Kombination zum frenetisch gefeierten 1:0. Das diagonale Anspiel seiner Formation hatte der Torjäger eiskalt in den Winkel genagelt und Vehanen somit gegen die Laufrichtung erwischt.
Der Jubel war kaum verklungen, da brachten sich die Gäste durch zwei weitere Strafen erneut selber in die Bredouille. Während der wenigen Sekunden doppelter Überzahl (16.) dann die größte Gelegenheit der Gastgeber: Daniel Widing verfehlte im ersten Anlauf noch die Direktabnahme von der blauen Linie, hämmerte das Spielgerät dann aber im zweiten Versuch leider nur an den Pfosten des Berliner Gehäuses. Das Spiel ging mit einer verdienten, vielleicht sogar etwas zu knappen Führung für die Hausherren in die erste Pause.
Und der zweite Durchgang sollte den Heimfans sogar noch mehr Freude bereiten...
Wieder gastierte recht schnell ein Eisbär in der Kühlbox, wieder schlugen die Grizzlys knallhart zu. Sportliche 13 Sekunden berührte das Hinterteil von Spencer Machacek die Strafbank der Gäste, da durfte er – sehr zum Leidwesen seiner Teamkollegen – auch schon wieder mitmachen. Robbie Bina hatte in bester Stürmermanier den schönen Querpass von Fabio Pfohl in die Maschen genagelt (24.). Binas One-timer ließ die Heimfans langsam aber sich von drei Punkte träumen, Fausers 3:0 ließ den Traum dann noch ein ganzes Stück realistischer erscheinen!
Nach rund 30 gespielten Minuten wirkte das Tor des Wolfsburger Stürmer fast wie eine Kopie des zweiten Treffers, denn wieder hatte Fabio Pfohl mit einem gut getimten Querpass die Direktabnahme (diesmal von der rechten Seite) ermöglicht. Dass die Eisbären diesmal mit voller Anzahl an Spielern auf dem Eis gestanden hatten, fiel dabei fast nicht auf...
Das Spiel der Gäste wurde nun zusehends ruppiger und von erstem aufkommenden Frust gezeichnet. Dass bis zur nächsten Drittelpause nur eine weitere Unterzahlsituation für die Gäste entstand, lag dabei in erster Linie an der recht originellen Regelauslegung des Schiedsrichterduos. In der Endabrechung hatten die Referees allerdings beiden Teams eine ganze Reihe von seltsamen Entscheidungen, die eine klare Linie in der Regelauslegung leider vermissen ließen, aufs Auge gedrückt. Trotz dieser für Berlin (von der Strafzumessung) eher günstig verlaufenden Phase, hatten die Grizzlys weiterhin die besseren Chancen auf einen weiteren Treffer. Gleich zweimal scheiterte dabei Wolfsburgs Pfohl im 1 gegen 1 am Goalie der Hauptstädter, so dass die Partie mit 3:0 in die letzte Unterbrechung ging. Kurz vor dem Ende des zweiten Abschnitts hatte dann auch Gästecoach Uwe Krupp noch sein Bluthochdruckerlebnis: Ausgerechnet bei der einzigen Entscheidung der Referees in dieser Phase gegen sein Team lagen die Schiedsrichter auch noch falsch! Die Aktion gegen Tyson Mulock als Bandencheck (39.) zu ahnden, durfte vermutlich eher als Konzession an die eigene Inkonsequenz bis dahin gesehen werden. Der Wolfsburger Stürmer hatte sich während des laufenden Checks weggedreht und war mit übersichtlichem Druck im Glas gelandet. Die folgende Unterzahl blieb dabei weitgehend ungefährlich für die Gäste.
Die Eisbären wollten es im Schlussdrittel nun noch einmal wissen. Ihrem so zahlreich mitgereisten Anhang boten die Berliner nun das kleine bisschen Extrapower an, dass die Hausherren nun – die vermeintlich sichere Führung im Rücken – ein wenig vermissen ließen.
Das erste Überzahlspiel des Schlussabschnitts brachte schließlich zusätzlichen Schwung in die Reihen der Gäste und die ihrer Fans: Tine Braun hatte den Puck mit einem flachen Hammer von der Blauen trocken im Netz versenkt (46.) und den Eisbärentank offenbar neu befüllt. Unter Volldampf drängten die Gäste nun auf den Anschluss. Wolfsburg hingegen fand nicht mehr zu hundert Prozent zu seiner intensiven Spielanlage zurück. Gerade als die Grizzlys das Spiel wieder unter Kontrolle zu bekommen schienen, traf sie gleich doppeltes Unglück. Erst scheiterte Fabio Pfohl auch in seinem dritten direkten Duell mit Vehanen, dann leitete Kollege Likens auf der anderen Seite des Eises mit einem haarsträubenden Fehlpass den Berliner Anschlusstreffer ein. Olvers 3:2 nach etwas mehr als 55 gespielten Minuten verlieh den Gästen, auch ohne Red Bull, noch einmal Flügel. Doch nachdem Mark Bell in der Folgezeit gleich zweimal an Wolfsburgs Goalie gescheitert war, beendete Teamkamerad Machacek den Sturmlauf der Eisbären mit einer Aktion der Kategorie „selten dämlich“ vorzeitig (59.). Der Berliner Stürmer hatte vor dem Wolfsburger Tor liegend seinem Gegenspieler die Beine „weggefegt“, wanderte folgerichtig für den Rest der Begegnung auf die Strafbank. Hochkonzentriert arbeiteten die Gastgeber den Sieg schließlich über die Ziellinie und ließen sich von ihrem Anhang gebührlich feiern.

Teamcheck

Tor
Sebastian Vogl liefert weiter ab. Auf höchstem Niveau unterliegt sein Spiel momentan nur geringen Schwankungen, so dass Kollege Brückmann (ohne vorher enttäuscht zu haben) momentan nur in Lauerposition bleiben kann. Bei der Dichte der Spiele bis zum Dienstag scheint aber ein Einsatz für die „Katze“ nicht gänzlich ausgeschlossen.

Verteidigung
Lediglich das Missgeschick von Jeff Likens bliebt als negativer Eindruck im Gedächtnis. Ansonsten, wieder einmal, eine granatenstarke Vorstellung aller Verteidiger. Robbie Bina macht als Torjäger natürlich extra Spaß! Nach einem Sieg kann ich sogar mit der Showeinlage von Jimmy Sharrow leben...

Sturm
Eigentlich sollte man jeden Monat ein Highlightband von Fabio Pfohl nach Köln schicken. Einfach so, ohne jeden Hintergedanken...Uwe Krupp findet’s bestimmt auch lustig!
Alle Reihen mit Top-Disziplin in der Rückwärtsbewegung. Besonders erfreulich ist dabei die vierte Reihe, die von Woche zu Woche stabiler erscheint und nun sogar Torchancen erzeugt.
Wenn nun Widing und Aubin wieder anfangen zu treffen...nicht auszudenken.
Am Dienstag kann man vermutlich zum ersten Mal unseren Neuzugang McLean begutachten – nicht ganz risikofrei, wenn man aus einem funktionierenden Team nun jemanden auf die Tribüne setzt! mb

EHC - Adler Mannheim 2:0

  • Geschrieben von Martin
  • Zugriffe: 10172

Hard as a rock

Frustwochen in Mannheim... und die Grizzlys tragen ein großes Stück dazu bei. Vor allem Sebastian Vogl, der in den letzten vier Partien seinen mittlerweile dritten Shutout feiern konnte, dürfte den Blutdruck der Adler (wie auch schon zuvor den der Hähnchen) schwer in die Höhe getrieben haben.
Lediglich eine Strafe gegen Christoph Höhenleitner (1.) verhalf den Gästen zu einem brauchbaren Auftakt in diese Partie. Danach zeigten sich die Adler mit der kompakten Spielweise der Grizzlys irgendwie überfordert. Viel Härte, auch gerade abseits des bereits gespielten Pucks, sollte fortan das Spiel der Mannheimer charakterisieren. Die Gastgeber blieben ihrerseits cool, haderten – im Gegensatz zu ihrem Publikum – nicht allzu sehr mit der großzügigen Leitung durch das Schiedsrichtergespann. Trotz der wohlwollenden Leitung der Referees eröffneten sich den Grizzlys nicht nur zahlreiche Torchancen, sondern immerhin auch drei Überzahlgelegenheiten im Laufe des ersten Spielabschnitts. Der einzige Treffer des rasanten Auftaktdrittels fiel indes bei numerischem Gleichgewicht auf dem Eis: Nachdem sich Aubin sehenswert durch die Mannheimer Defense getankt hatte, drückte Mark Voakes den Querpass eiskalt zum hochverdienten 1:0 in die Maschen (9.). Alle weiteren, teils hochkarätigen, Chancen ließen die Hausherren ungenutzt und scheiterten dabei ein ums andere Mal am gut aufgelegten Ziffzer im Tor der Gäste.
Im Mittelabschnitt schien die Linie der Adler zunächst besser zu fruchten. Straffrei fanden sie den schmalen Grat zwischen erlaubter Härte und Strafen wie „Behinderung“ und „unkorrekter Körpereinsatz“ und konnten den Druck auf Wolfsburg somit gravierend erhöhen. Erst ein Check von hinten gegen Lubor Dibelka (33.), der nach kurzer Pause weiterspielen konnte, fand zum ersten und einzigen Mal die Anerkennung der leitenden Referees. Ansonsten hatten die Gäste nun deutlich mehr vom Spiel, scheiterten aber nun ihrerseits am Goalie der Grizzlys. Das einzige Mal, als der Puck das Wolfsburger Tor von innen gesehen hatte (21.), war bereits nach dem (vorzeitigen) Abpfiff des Schiedsrichters. Großes Glück für die Grizzlys, die sich dieses Glück aber mit aufopferungsvollem Kampf im Laufe der Partie mehr als redlich verdient hatten.
Fabio Pfohls 2:0 setzte dem Mannheimer Frust schließlich die Krone auf. 10 Sekunden vor der zweiten Pause verwertete Wolfsburgs Youngster einen Abpraller direkt vor dem Mannheimer Tor. Geradezu tiefenentspannt legte sich der Wolfsburger Stürmer dabei den Puck auf die Rückhand, um ihn unhaltbar über den herübergleitenden Ziffzer ins Tor zu hebeln. Die Halle stand Kopf, voller Vorfreude ging es in die letzte Unterbrechung.
Und das Schlussdrittel sollte es noch einmal kräftig in sich haben!
Die Adler steigerten die Intensität ihrer Bemühungen nun vom Anpfiff weg, attackierten sowohl puckführende als auch nicht puckführende Gegenspieler mit hohem Aufwand.
Doch während die Grizzlys immer wieder vielversprechende Gelegenheiten einstreuen konnten, blieb es auf Seiten der Gäste bei der einen ganz großen Chance – und die vergeigten sie in Person von Ryan MacMurchy (43.). Der Adler-Stürmer war nach einem abgefangenen Aufbaupass von seinen Teamkameraden zielsicher in Szene gesetzt worden, der von ihm umkurvte Vogl lag bereits auf dem Eis...und der Mannheimer Stürmer schoss dem bereits geschlagenen Goalie direkt in die ausgestreckte Fanghand. Das Entsetzen über die eigene Unfähigkeit stand dem enttäuscht Abdrehenden ins Gesicht geschrieben.
Apropos Abdrehen: Spätestens nach diesem erneuten, zugegeben sehr unglücklichen, Scheitern griffen die ohnehin hart agierenden Gäste endgültig in die Kiste mit dem Dreckshockey. Ständige Mannheimer Attacken, häufig auch abseits des Pucks, entluden sich zunächst in einer Keilerei (49.) hinter dem Wolfsburger Gehäuse. Dass bei der Auseinandersetzung der beiden Hauptakteure mit Björn Krupp ein Wolfsburger die Oberhand über Mannheims gefrusteten MacMurchy behielt, trug dann wohl ebenfalls nicht gerade zur Verbesserung der Laune der Gäste bei – es wurde noch unfairer! Besonders lustig: Schlaukopf Jochen Hecht versuchte direkt nach den Strafen gegen die Kombattanten Krupp und MacMurchy einen weiteren Wolfsburger Verteidiger (nur sechs auf dem Spielberichtsbogen) aus dem Verkehr zu ziehen. Leider beantwortete Wolfsburgs Robbie Bina die unmotivierten „Schläge“ des Mannheimer Seniors, vermutlich aus Respekt vor dem Alter, nicht. Gewohnt redselig verabschiedete sich der Adler alleine Richtung Strafbank – die finale Aufholjagd der Gäste entfiel. Von reichlich Stockfouls, über einen geradezu lächerlichen Schwalbenversuch bis hin zu einer Matchstrafe gegen Ronny Arendt wegen gefährlichen Beinstellens von hinten (slew-footing) war im Anschluss dann so ziemlich alles auf Mannheimer Seite im Angebot, was der Millionärstruppe zur Schande gereichte.
Umso süßer schmeckte der Sieg gegen diesen, zumindest auf dem Papier, übermächtigen Gegner. Nicht das erste Mal, dass die teuer bezahlte „Qualität“ aus Mannheim am Wolfsburger Teamspirit zerbricht...aber immer wieder eine hoch unterhaltsame und spannende Angelegenheit!


Teamcheck

Tor
Sebastian Vogl rockt weiter die Hütte. Dritter Shutout im vierten überragenden Spiel.
Momentan haben wir die beiden Goalies mit dem geringsten Gegentorschnitt in unseren Reihen – und beide haben ihre Verträge verlängert. Das sind ja mal schöne Aussichten!

Verteidigung
Der Hauptfaktor der momentanen Stärke der Grizzlys liegt im Defensivverhalten des Teams. Dabei machen alle Verteidiger eine gute Figur und, so leid mir das tut, das Fehlen von Jimmy Sharrow empfinde ich keineswegs als negativen Aspekt. Selbst der anfangs so zappelig agierende Reiss liefert mittlerweile bombensolide Vorstellungen ab. Und wenn ein Akteur mal Mist baut (wie Bina vor Mannheims Großchance), dann gibt es da ja noch den Wolfsburger Torhüter...

Sturm
Das Backchecking und die taktische Disziplin der Stürmer erleichtern Verteidigung und Torhüter den Job ungemein. Dass Wolfsburg bisher die mit Abstand wenigsten Gegentreffer der Liga kassiert hat, ist absolut kein Zufall und hängt mit dem reibungslosen Zusammenarbeiten aller Akteure zusammen. Das System funktioniert!
Ohne eigene Tore bleibt natürlich auch der disziplinierteste Auftritt fruchtlos. Das haben die Grizzlys in dieser Saison leider schon in mehreren Phasen erleben dürfen. Da aber mittlerweile Spieler wie Voakes, Aubin und Pfohl immer öfter in die Bresche springen, wenn Wolfsburgs 1.Reihe nicht produktiv in Erscheinung tritt, läuft es momentan wie gesehen ausgesprochen erfolgreich für die Cracks von der Aller.
Besonders die Reihe um den überragenden Mark Voakes macht dabei momentan so richtig Freude! Nicht nur wegen der Treffer des kanadischen Centers, sondern auch wegen des steilen Formanstiegs des einst so erfolgreichen Torjägers Brent Aubin an seiner Seite. Da geht noch was! mb